Das Ritual ist immer gleich: Zu Beginn einer Sitzung tauscht man Visitenkarten aus. Verteilen und Entgegennehmen von Visitenkarten ist eine der ersten Vorgänge beim Kennenlernen, bei der Pflege des Networking und ein entscheidender Teil des ersten Eindrucks. Wer etwa an Sitzungen, Vorträgen, Seminaren oder anderen geschäftlichen Anlässen keine Karten dabei hat, wirkt unprofessionell. Der Erfolg eines Messeauftrittes zeigt sich für einen Aussteller am Abend auch daran, wie viele Karten er im Laufe des Tages «erbeutet» hat.

Trend zu Corporate Design

Im gesellschaftlichen Leben spielte die Visitenkarte in früheren Jahrhunderten ebenfalls eine bedeutende Rolle. Die Anzahl der abgegebenen Karten stand für die Beliebtheit des Hausherrn. Unangemeldete Besucher wurden in reichen Häusern nicht einfach hereingebeten. Stattdessen überreichte man dem Dienstboten seine Karte, der diese auf einem Silbertablett zu seiner Herrschaft trug.

Die Visitenkarte ist auch heute noch ein Imageträger höchster Güte. Das Design der Karte wird in den meisten Fällen dem Corporate Design des Unternehmens angepasst, das alle Drucksachen von der Firmenmappe bis zum Briefpapier umfasst. «In letzter Zeit ist ein Trend zu beobachten, dass die Wichtigkeit von Corporate Design auch schon bei kleinen Firmen erkannt und umgesetzt wird», sagt Samuel Manz. Er ist Geschäftsführer der jungen Designfirma Webfire in Zürich, die neben Websites auch Firmenpublikationen, Plakate und Visitenkarten gestaltet.

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Vorbild Kreditkarte

«Eine Visitenkarte sollte in jedes Portemonnaie passen. Daher ist das Standardmass von 86x54 mm zu empfehlen», so Samuel Manz. Generell bewegen sich die Masse der Visitenkarten von 85 bis 90 mal 50 bis 55 mm. Auch bei der Schrift kann man einiges falsch machen: «Unprofessionell sehen eine zu grosse Schrift, zu viele verschiedene Schrifttypen sowie zu viel Text und Bild auf einer Visitenkarte aus.» Oder falsche Farben, beispielsweise Pink für ein Bestattungsunternehmen.

Besonders gefragt sind gemäss Manz zurzeit Visitenkarten, deren Schrift links bündig gesetzt ist und nach rechts ausläuft. Das habe mit der Leserichtung in unseren Breitengraden zu tun. Vorbei sind die Zeiten, da für den Generaldirektor einer Firma Visitenkarten mit edlem und teurem Reliefdruck angefertigt wurden. Samuel Manz: «Bei grossen Firmen ist das Corporate Design allgemein gültig. Bei kleineren Firmen kann es vorkommen, dass sich die Vorgesetzten verwirklichen möchten und sich etwas Spezielles wünschen.»

Visitenkarte stützt die Marke

Unterschiedlich gestaltete Visitenkarten der verschiedenen Hierarchiestufen sind auch in den angefragten Unternehmungen kein Thema mehr. In der Regel verfügen alle Angestellten über Visitenkarten von gleicher Qualität und identischem Design. Auch bei der Swiss Life stellen einheitliche Visitenkarten das konsistente Erscheinungsbild des Unternehmens sicher. «Unsere aktuelle Visitenkarte wurde mit der neuen Marke Swiss Life im Jahr 2004 eingeführt. Sie war dabei ein wichtiges Instrument, unsere Marke sowohl extern wie auch intern zu verankern», erklärt Swiss-Life-Sprecherin Irene Fischbach. Auf Wunsch können Mitarbeitende die Karte auf der Rückseite mit der Privatadresse versehen lassen.

IBM hat ebenfalls ein einheitliches Design für alle Mitarbeitenden. Die Visitenkarte muss einfach und übersichtlich sein und alle wichtigen Informationen wie Name, Funktion, Adresse, E-Mail und Telefonnummer enthalten. Gemäss IBM-Sprecherin Susan Orozco ist es nicht vorgesehen, dass Mitarbeitende die private Adresse auf die Rückseite der Karte drucken lassen: «Die Büro-Kontaktadressen genügen.»

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Die hintere Seite der Visitenkarte kann auch anders genutzt werden. Marc Dosch von der Kommunikationsabteilung der Credit Suisse: «Als globale Bank tragen wir den lokalen Gegebenheiten auch bei den Visitenkarten Rechnung. Beispielsweise haben wir für Mitarbeitende im arabischen und asiatischen Raum Karten mit den entsprechenden Sprachvarianten auf der Rückseite.»