Herr Bernal, wo arbeiten Sie gerade, während Sie diese Fragen beantworten? Toni Bernal*: Ich sitze in einer Lounge am Flughafen Zürich und nutze die Zeit zwischen Einchecken und Boarding. Es ist ruhig und bequem und ich habe hier alles, was ich brauche: eine gute WLAN-Verbindung, mein Tablet und eine Bluetooth-Tastatur.

Sie arbeiten viel von unterwegs. Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat letztes Jahr den umgekehrten Weg eingeschlagen und ihre Mitarbeiter zur Präsenz in der Firma beordert – auch, um den Teamgeist zu stärken. Hat sie nicht ein klein wenig recht? Aus meiner Sicht ist es wichtig für den Teamgeist, dass die Mitarbeiter genügend Möglichkeiten für soziale Kontakte untereinander haben. Da ist natürlich die klassische Kaffeeküche ein Paradebeispiel, da hat Frau Mayer nicht ganz Unrecht. Das heisst, es ist wichtig, dass sich die Mitarbeiter regelmässig treffen, selbst wenn sie normalerweise von zu Hause oder an einem entfernten Standort arbeiten.

Die Treffen werden aber mehr oder weniger punktuell sein. Wie kann die Zusammenarbeit also funktionieren? Soziale Plattformen können die Zeiten zwischen den Meetings vor Ort gut überbrücken – dort bleiben ja auch viele Menschen im Privatbereich mit Freunden in Kontakt, von denen sie räumlich getrennt sind. Warum sollte das mit Kollegen nicht auch funktionieren? Es muss ja nicht unbedingt Facebook sein, wenn es hier Bedenken gibt. Inzwischen gibt es Alternativen speziell für den Einsatz in Unternehmen. Podio oder Yammer sind gute Beispiele. Unternehmen sollten dafür sorgen, dass diese technischen Voraussetzungen gegeben sind und die Mitarbeiter möglichst viele Kanäle zur Verfügung haben. Ich halte es aber für wichtig, von Anfang an nicht nur die Technik zu installieren, sondern auch Methoden und Strategien für virtuelle Teamarbeit zu entwickeln und dabei auch die Mitarbeiter einzubeziehen. Einfach darauf zu vertrauen, dass sich das schon irgendwie von alleine regelt, ist sicher zu wenig.

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Die Umsetzung der mobilen Zusammenarbeit ist das eine. Andererseits haben viele Verbraucher Angst, sensible Kundendaten in der Cloud zu speichern. Worauf müssen Konzerne achten, damit Sie keine Datenlecks riskieren? Zunächst sollten Unternehmen darauf achten, dass sie alle technischen Möglichkeiten ausnutzen, um ihre Daten zu schützen. Dazu gehören robuste Verschlüsselungsverfahren, gesicherte Verbindungen und ausreichende Authentifizierungsmethoden. Dann sollten sich Unternehmen im Klaren darüber sein, wo ihr Cloud-Provider seinen Sitz hat und wo seine Rechenzentren stehen. Das hat unter Umständen grossen Einfluss darauf, welchen Datenschutzgesetzen die Infrastruktur und damit auch die eigenen Daten unterliegen. Die Regularien unterscheiden sich von Land zu Land zum Teil erheblich. Bei mobilen Endgeräten sind Verlust oder Diebstahl ebenfalls ein Risiko für Datenverlust. Allerdings lässt sich das mit einer virtuellen Infrastruktur deutlich minimieren. In einer solchen Umgebung liegen die Daten nämlich im Rechenzentrum des Unternehmens oder Providers statt lokal auf dem Endgerät. Somit verschwinden auch keine sensiblen Informationen, wenn ein Gerät abhanden kommt. Zu guter Letzt sollten Unternehmen unbedingt den Faktor Mensch berücksichtigen. Gut geschulte Mitarbeiter, die für Gefahren durch Phishing-Angriffe oder Malware sensibilisiert sind, verhalten sich weniger leichtsinnig und riskieren so keine Datenlecks.

Probleme mit der Datensicherung haben Firmen oft auch, weil Mitarbeiter ihre eigenen Geräte zur Arbeit verwenden. Zu welchem Umgang raten Sie damit? Ich rate ihnen, diese Möglichkeit zu nutzen. Hier ist die Motivation der Mitarbeiter ein wichtiger Faktor. Die meisten Menschen arbeiten einfach lieber mit den Geräten, die sie sich selbst ausgesucht haben. Das wird mit der Generation der Millenials, die jetzt den Arbeitsmarkt erobert, noch ein viel grösserer Faktor. Sie sind mit dem Smartphone aufgewachsen und haben schon klare Vorlieben für bestimmte Geräte oder Betriebssysteme entwickelt, wenn sie in die Firmen kommen. Bei Citrix gibt es sogar die Möglichkeit, vollständig auf Firmenausrüstung zu verzichten. Die Kollegen bekommen dann stattdessen ein Budget zur Verfügung gestellt, das sie in ihre Ausrüstung investieren können.

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Ab welcher Grösse lohnt es für Konzerne, ihren Mitarbeitern die Möglichkeit anzubieten, mobil zu arbeiten? Im Grunde lohnt sich das für Unternehmen jeder Grösse. Beschäftigt ein Konzern viele Mitarbeiter etwa im Aussendienst, die mobil sein müssen, dann gehören solche Lösungen zum Pflichtprogramm. Und gerade für kleine und mittelgrosse Unternehmen eignen sich Cloud-Angebote wie DaaS, da sie ohne grossen Investitionsaufwand gebucht werden können. Mobile Arbeitsformen sind aber auch ein grosser Motivationsfaktor. Selbst bestimmen zu können, wo man arbeiten will, macht einen Arbeitgeber attraktiv für die begehrten Talente. Die Unternehmen sehen das übrigens ähnlich: Unsere Studie „Mobility in Business“ aus dem Herbst 2013 zeigt, dass 63 Prozent der befragten Firmen Mobilität für einen zentralen Wettbewerbsvorteil halten.

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Citrix bietet einen «mobilen Schreibtisch» an. Wie funktioniert das? Beim mobilen Schreibtisch laufen auf einem physischen Server mehrere virtuelle PCs, es handelt sich also um einen Cloud-Service. Der Anwender greift über eine beliebige Netzverbindung auf diese Desktops zu, für ihn unterscheidet sich der virtuelle nicht von einem herkömmlichen, lokalen Desktop. Das funktioniert ganz ähnlich wie bei anderen Cloud-Diensten, etwa Dropbox oder Google Drive: Nach einer kurzen Anmeldung kann der Anwender auf seinem persönlichen Desktop arbeiten.

Das heisst, ich kann selbst mein Smartphone als Schreibtisch verwenden? Wo sind die Grenzen? Ganz richtig, virtuelle Desktops sind unabhängig vom Endgerät, auch wenn es natürlich gewisse Grenzen gibt. Die sind aber weniger technisch bedingt, sondern liegen eher an der Bedienbarkeit. Es ist technisch beispielsweise möglich, eine CAD-Anwendung für Ingenieure über einen virtuellen Desktop zu steuern, selbst per iPhone und Co. Es wird aber kaum ein Ingenieur auf die Idee kommen, eine aufwändige Konstruktion mit dem Smartphone zu erstellen. Dafür eignet sich weder das kleine Display, noch die recht unpräzise Steuerung per Touchscreen. Natürlich kann auch die Bandbreite der Netzverbindung zum limitierenden Faktor werden. Aber die Abdeckung mit WLAN und mobilen Breitbandnetzen, etwa durch LTE, wird zusehends besser, so dass ich an dieser Stelle in naher Zukunft keine Probleme mehr sehe.

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*Toni Bernal ist Countrymanager Schweiz beim Softwareanbieter Citrix.