Rudolf Matter tritt zurück: Der Konzernchef der Basler Kantonalbank (BKB) zieht die Konsequenzen aus der ASE-Affäre. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, habe sich Matter im Hinblick auf seine Gesamtverantwortung entschieden, von seiner Funktion zurückzutreten. Er wird bis Ende Jahr seine Führungsverantwortung abgeben und in den vorzeitigen Ruhestand treten. Bis dahin steht er für die Übergabe seiner Aufgaben zur Verfügung.

Hintergrund des Rücktritts: Die Basler Kantonalbank (BKB) hat ihre Untersuchung betreffend der externen Vermögensverwalterin ASE Investment AG (ASE) und deren Kunden abgeschlossen. Der Bericht der unabhängigen Anwaltskanzlei Bär & Karrer AG zeige ein erschütterndes Bild der Aktivitäten der ASE, heisst es in einer Mitteilung.

Die Organisationsstruktur der BKB sei zwar positiv vermerkt worden. Allerdings seien «im Rückblick auch bei der BKB Fehler festzustellen», indem der ASE stark vertraut und interne Anordnungen nicht rasch genug umgesetzt worden seien. Die BKB hätte zudem erkannte Risiken besser erfassen und begrenzen müssen.

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ASE-Geschäftsführer in U-Haft

Der ehemalige Geschäftsführer der ASE Investment AG mit Büro in Frick im Kanton Aargau sitzt derweil seit April in Untersuchungshaft. Dem mutmasslichen Anlagebetrüger wird vorgeworfen, über 500 Personen um viel Geld gebracht zu haben. Gegen den ehemaligen Geschäftsführer läuft ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung und weiter Vermögensdelikte. Er soll auf Antrag der Aargauer Staatsanwaltschaft für weitere drei Monate in Untersuchungshaft bleiben. Es besteht gemäss Staatsanwaltschaft Verdunkelungs- und Fluchtgefahr.

Das Zwangsmassnahmengericht werde diese Woche über die beantragte Verlängerung der Untersuchungshaft entscheiden, sagte Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Es würden viele Einvernahmen gemacht. Untersuchungen bei Vermögensdelikten seien immer aufwendig. Auch gegen einen zweiten Verantwortlichen der Firma läuft ein Strafverfahren. Er befindet sich jedoch auf freiem Fuss.

Verluste in Höhe von 300 Millionen drohen

Die ASE Investment AG verfügte in Frick über Büroräumlichkeiten. Der Rechtssitz der Aktiengesellschaft ist Engelberg OW. Im Juni eröffneten die Behörden im Kanton Obwalden das Konkursverfahren gegen die ASE Investment AG. Gemäss verschiedenen Medienberichten könnten die über 500 Geldanleger bis zu 300 Millionen Franken verlieren. Die Firma hatte auf ihrer Website «lukrative Anlagemöglichkeiten» versprochen.

Der mutmassliche Anlagebetrug flog im Frühling auf. Ende März war die Basler Kantonalbank (BKB) von einem Kunden auf Unstimmigkeiten in einzelnen Kontoauszügen hingewiesen worden. Die Bank reichte im Aargau Strafanzeige gegen die Investmentfirma wegen möglicher Urkundenfälschung ein. Die ASE habe ihre Kunden offenbar systematisch in vertragswidriger und vermutlich strafbarer Weise geschädigt, heisst es in einer Medienmitteilung der BKB.

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Strafanzeige gegen Basler Kantonalbank hängig

Bei der Aargauer Staatsanwaltschaft liegt auch eine Strafanzeige gegen die BKB vor. Das Verfahren sei noch nicht eröffnet worden, sagte Strebel. Zuerst würde das Verfahren gegen die Verantwortlichen der ASE Investment vorangetrieben. Weitere Angaben machte die Staatsanwaltschaft nicht.

Auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) wurde aktiv. Sie untersucht wegen unerlaubtem Effektenhandel und verbotener Entgegennahme von Publikumseinlagen. Sie nimmt auch das Verhalten von Banken unter die Lupe, auf denen Gelder von ASE Investment deponiert waren.

(mub/tke/sda/awp)