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Asiens Kultur als Vorbild bei Georg Fischer

Yves Serra, CEO von Georg Fischer

Einblicke in den Schaffhauser Industriekonzern: Firmenchef Yves Serra und seine Gedanken zu Teamarbeit, Gelassenheit und kulturellen Unterschieden.

Von Charlotte Pauk
am 11.08.2014

Mit zufriedenem Lächeln betritt Yves Serra den Hauptsitz der Georg Fischer in Schaffhausen. Grund zur Freude hat der Firmenchef. Im vergangenen Jahr hat sein Industriekonzern 3,77 Milliarden Franken Umsatz und einen Gewinn von 251 Millionen Franken erzielt. Gelassenheit ist eine der ersten Charaktereigenschaften, die der Firmenchef auf die Frage nennt, was ihn bei der Erreichung seiner Ziele unterstütze. Er scheint gelassen, aber nicht schicksalsergeben oder träge. Denn ruhig zu sitzen ist nicht Serras Stärke. Im Gespräch tanzen seine Hände, um das Gesagte zu unterstreichen. Gleichzeitig wirkt er bescheiden – wohl der Einfluss der japanischen Kultur. Serra hatte 13 Jahre in Japan gearbeitet, was ihm heute als CEO einer internationalen Firma gerade im Asien-Geschäft zugutekommt.

Die Jahre in Asien haben sich auf seinen Führungsstil ausgewirkt. «Ich habe gelernt, Leute zu schätzen, ohne Vorurteile, auch wenn sie andere Ideen und Gewohnheiten haben. Dies fördert das Verständnis füreinander. » In Sachen Teamgedanke und Kundenorientierung könnten die Europäer von den Japanern lernen, sagt Serra, der einst als französischer Diplomat auf den Philippinen tätig war. Verständnis und Teamgeist sind für Serra zentral. «Das Hauptziel ist, die Kunden schnell und effizient zu bedienen. Denn nichts verhindert den unternehmerischen Erfolg mehr als Reibungen in einem Unternehmen. Ausserdem rauben sie Zeit.» Hat ein Kunde in Taiwan ein Problem, das die Entwickler in der Schweiz lösen müssen, erledigt sich dies schneller, wenn sich Mitarbeitende verschiedener Kulturen vertrauen. Denn wer die Kultur der andern kennt, hat auch mehr Vertrauen in deren Kompetenz. Das erhöhe die Effizienz.

Gute Teamarbeit dient ebenfalls dazu, sich von der Konkurrenz abzusetzen. «Produkte sind einfach zu imitieren, Teamarbeit und Teamgeist hingegen nicht», sagt Serra. Der Kunde kaufe nicht einfach ein Produkt, sondern ein System, in dem nebst dem Produkt auch der Service und die Reputation der Firma enthalten sind. Eine Wasseraufbereitungsanlage etwa besteht aus Rohren, Verbindungsstücken, Armaturen und Sensoren, die in verschiedenen Firmen von Georg Fischer produziert werden. «Nur weil die Firmen eng zusammenarbeiten, können wir garantieren, dass diese Produkte kompatibel sind.»

Kultur und Wachstum

Teamgeist wird bei Georg Fischer seit mehreren Jahren in intensiven Trainingsprogrammen gefördert. Das Unternehmen unterstützt den Austausch zwischen asiatischen, amerikanischen und europäischen Mitarbeitenden. Daneben ist Serra bemüht, herausragende Leistungen zu honorieren. «Erfolge zu zelebrieren ist wichtig», sagt er. «Es ist in diesem Zusammenhang kein Zufall, dass die Auszeichnungen oft an jene Teams gehen, die am engsten zusammenarbeiten.»

Asien ist für Yves Serra nicht nur kulturelles Vorbild für den Umgang in seinem Schaffhauser Betrieb, es ist auch der wichtigste Wachstumsmarkt von Georg Fischer. In China hat Serra in den vergangenen Jahren fünf Produktionsstätten für Rohrleitungssysteme und die Automobilsparte aufgebaut. Ziel ist es, das Portfolio mehr und mehr in die Wachstumsregionen zu verlagern. In den beiden neuen Automobilfabriken soll die Kapazität ab 2015 um 50 Prozent gesteigert werden. Das Geschäft mit den Rohrleitungssystemen hat insbesondere in Asien zugelegt. Dort tragen neue Infrastrukturprojekte zu 8 Prozent mehr Umsatz bei Georg Fischer für 2013 bei. Gewisse Produkte, wie etwa Kunststoffrohre, müssen vor Ort entwickelt und produziert werden, um länderspezifischen Anforderungen gerecht zu werden. Ein weiterer Grund: «Wenn wir Rohre über lange Distanzen verschieben, transportieren wir vor allem Luft, und das ist zu teuer.» Hochwertige Produkte, wie Werkzeugmaschinen von Georg Fischer Machining Solutions, wird Georg Fischer weiterhin in der Schweiz produzieren. Der Kern der Forschung und Entwicklung wird auch in der Schweiz bleiben, nicht zuletzt darum, weil dies die Gefahr verringert, imitiert zu werden.

Neben dem Wachstum ist die Innovation ein unverzichtbarer Treiber im Industriegeschäft. Die Innovationsfähigkeit fördert Georg Fischer vor allem im engen Austausch mit den Kunden. Diese kennen ihre eigenen Bedürfnisse, und die Zusammenarbeit ermöglicht eine schnellere Entwicklung marktfähiger Innovationen. Der Blick über den Tellerrand ergibt neue Perspektiven und Lösungsansätze. Die Medizinaltechnik etwa bietet neue Möglichkeiten, mittels Röntgentechnik Lecks im Kunststoff zu vermeiden. Unterstützend für die Innovationsfähigkeit sei auch der Kontakt mit den ausländischen Universitäten, der ETH Zürich und Lausanne. Der Austausch mit Professoren und die Mitarbeit von Masterstudenten und Doktoranden bringen nicht nur neue Impulse hervor, sondern erleichtern auch das Recruiting von talentierten Mitarbeitern. Diese müssen neben den fachlichen Fähigkeiten offen sein, im Ausland zu arbeiten, und Leidenschaft für die Aufgabe mitbringen.

 Posten mit Privileg

Letzteres sei auch in seinem Führungsstil spürbar, meint Serra. Führung bedeutet für ihn, Kopf, Herz, Verstand und Gefühl einfliessen zu lassen. So ist Leistung wichtig, dabei sollte aber nicht vergessen gehen, die Erfolge zu feiern und den Mitarbeitenden zu danken. Sich selber sieht Serra in einer Vorbildfunktion, in der er Teamarbeit vorleben möchte. «Darum ist es wichtig, innerhalb der Konzernleitung und mit dem Verwaltungsrat eine gute Zusammenarbeit zu pflegen.» Darüber hinaus sei er für die richtigen Rahmenbedingungen zuständig. Er definiert klare Strategien und motiviert seine Mitarbeiter, damit diese ihre Ziele erreichen. «Wichtig ist es, Wert zu schaffen für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre. » Dies verfolge er beharrlich, in der Wahl des Weges dahin sei er aber flexibel. Und er arbeite gerne. «CEO zu sein ist ein Privileg, das nicht viele Menschen haben. Um dahin zu kommen, braucht es Glück. Ich hatte es und schätze mich glücklich, in dieser Funktion arbeiten zu dürfen.»

 

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