Man spürt positive Tendenzen: Hochschulabsolventen finden nahezu ausnahmslos innert nützlicher Frist eine Vollanstellung. Den Grundstein dafür legen die Studierenden selber, indem sie sich mit Jobs und Praktika parallel zur Ausbildung für die Zeit als Alumnus rüsten. Während der Student zwischen Prüfungstermin von Frau Professor und dem Überstundensaldo im Büro jongliert, entwickelt er sich zu einer «Allzweckwaffe» mit Master-Diplom. Die Firmen müssen nur noch ernten.

Die Studierenden von heute sind Chamäleons. Wandelbar, anpassungsfähig und Alleskönner. Man funktioniert in der Materialtechnologie-Vorlesung wie im Backoffice der Bank. Organisiert sich in der Lerngruppe wie in der Bar-Mannschaft. Im Philosophie-Kolloquium wie auf der Zeitungsredaktion.

Dabei lassen sich zwei Trends ablesen: Erstens sind Studenten kaum mehr «Fachidioten», die sich nur innerhalb ihres Wissensbereichs engagieren, sondern sind bereit, für ein paar Franken auf dem Konto neuartige Herausforderungen auf sich zu nehmen. Zweitens existiert der Student im klassischen Sinne, der sich vollkommen der Bildung und Musse hingibt, kaum noch.

Vielmehr ist heute das Modell des Werkstudenten – der studiert und parallel einer Erwerbstätigkeit nachgeht – die Regel. Dies verdeutlichen sowohl der grosse Ansturm auf Jobbörsen als auch die neusten Statistiken: Trotz der vielbesagten «Verschulung» in Bachelor- und Master-Studiengängen haben drei Viertel der Studierenden in der Schweiz neben der Ausbildung einen Job.

Sich selbst unter Strom stellen

Es ist also die Norm, dass man während des Studiums Kontakte, Arbeitserfahrung und finanzielle Unabhängigkeit sucht – und dafür stellt sich so mancher Student mächtig unter Strom. Man präsentiert sich an den Career Days und Lunch Talks der «Big Player», absolviert Praktika, bügelt im Kino oder an der Theke und knüpft zudem Kontakte zu wichtigen Menschen an den Skiweekends für Studierende zum Kennenlernen der grossen Firmen. Unweigerlich wachsen die Anzahl der Facebook-Freunde, die gespeicherten Handy-Nummern und der Nebenverdienst.

So wird das soziale Netzwerk ausgebaut, Berufserfahrung gewonnen und Geld verdient, während man an der Universität liest, lernt sowie laboriert, bis in Prüfungsphasen die Leistung auf den Punkt abgerufen wird. Die Studienzeit an der Universität scheint also trotz der Bologna-Reform mehr denn je «Lebensschule» in allen Bereichen. Wer sie durchsteht, ist für den Arbeitsmarkt Gold wert.

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* Andreas Rohrer, Chefredaktor, Students.ch, Amiado Group, Axel Springer Schweiz, Zürich.

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Zur Person
Andreas Rohrer (29) füllte schon Datenbanken von Designern, moderierte im Lokalradio und stand an der Kinokasse. Nach diversen Redaktionspraktika ist er seit 2010 Chefredaktor von Students.ch, dem Online-Magazin und Multi-Service-Portal für Studenten. Er studiert Anglistik auf Lizentiatsstufe an der Universität Zürich.

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Students.ch vermittelt unter «Jobs + Career» sowohl Studenten als auch Absolventen: Im umfangreichen Stellenmarkt werden zahlreich Praktika, Teilzeit- und Vollzeitstellen angeboten. Ein ausführlicher Ratgeber mit Bewerbungstipps soll die Kandidaten optimal auf die Jobsuche vorbereiten.