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Komplexe Karriere

Dual Degree: So bezeichnet man Abschlüsse, die von zwei Schulen

Frauen - Ihr globaler Anteil an MBA-­Programmen beträgtetwas mehr als einen Drittel. Hauptursachen sind andere ­Prioritäten und Lebenswege.

Von Helga Wienröder
am 14.09.2011

Eigentlich ist der weltweite Durchschnittswert beim Frauenanteil in MBA-Programmen mit 38 Prozent gar nicht so schlecht, wenn man die unterschiedlichen Lebens- und Karrierewege von Frauen im Vergleich zu Männern in Betracht zieht. Die Angaben über Salärunterschiede zwischen Männern und Frauen nach dem MBA-Abschluss schwanken zwischen 15 bis 20 Prozent. Das zeigt die aktuelle Catalyst-Studie. Sie kommt zum Fazit, dass Frauen im Vergleich zu Männern in einem­ «pay gap» sind.

Das Thema betrifft jedoch nicht nur MBA-­Absolventinnen, sondern auch normale Hochschulabschlüsse, bei denen gemäss der ­Karrierezeitschrift «Career­step», dem Jobguide von Universum, im vergangenen Jahr das Jahresgehalt von Frauen bei 93500 Franken lag, bei Männern bei 103500 Franken.

Zwei Arten von MBA-Absolventinnen

Die oft grundsätzlich an­dere private und berufliche Situation und persönliche Vorstellung von Werten sind ­gemäss einer Umfrage bei sieben Schweizer Business Schools der Hauptgrund ­dafür, dass ­Frauen weniger zahlreich vertreten sind und auch weniger verdienen.

In Beratungsgesprächen empfiehlt beispielsweise das Career Center der Universität St. Gallen, das eigene Netzwerk oder Alumni zu aktivieren, um eine realistische und marktübliche Gehaltsvorstellung entwickeln zu können. Bei der Business School Lausanne (BSL} mit einem Frauenanteil von fast 50 Prozent gibt es keine Studien über Salärunterschiede. Dean Katrin Muff ist «ein bisschen dagegen», zu viel Gewicht auf die Gehaltsfrage zu legen. Dies, obwohl in der BSL Frauen oft um einiges besser als die männlichen Kandidaten sind – in den ­Noten wie in den praktischen Arbeiten.

Claudia Schmid-Schönbein, Chefin des Swiss Management Forum, welches das Strathclyde MBA mit einem Frauenanteil von 37 Prozent in der Schweiz durchführt, sieht zwei Kategorien von Frauen: Die ­erste wählt ähnlich ihren männlichen Kommilitonen einen MBA, um einen Karriereschritt zu machen – diese Frauen scheinen auch ähnliche Gehälter bei ihrer neuen Stelle auszuhandeln. Die andere Kategorie der MBA-Studentinnen kommt oft nach einer Familienpause ins Berufs­leben zurück und sucht einen neuen, anderen Weg für ihre Karriere. Diese Frauen hätten meistens andere Prioritäten, scheinen die Flexibilität am Arbeitsplatz höher zu schätzen als das Gehalt und zeigen auch ein grösseres Interesse an Jobs in den Nonprofit-Bereichen, so die Expertin.

Umgekehrt gibt es Frauen, die zielstrebig ihre Karriere verfolgen. Beispielsweise die Kanadierin, die nach dem Abschluss ihres St. Galler Omnium Global MBA – hier beträgt der Frauenanteil etwa ein Drittel – als eine der 20 erfolgreichsten aufstrebenden weiblichen Führungskräfte in Kanada ausgezeichnet wurde, wie die HSG berichtet. Mit der Ausschreibung von Stipendien für weibliche Führungskräfte versucht die HSG, den Frauenanteil im Om­nium Global Executive MBA zu erhöhen, wie auch im deutschsprachigen Executive MBA, weil ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis der Klassendynamik ausgesprochen guttut, heisst es weiter.

An der Fachhochschule Nordwestschweiz studieren 38 Prozent Frauen. Thomas Bürgi, MBA-Programmdirektor, betont, dass die FHNW gezielt versucht, sowohl die Lernbedingungen als auch die Lerninhalte mit der Erfahrungs- und Lebenswirklichkeit von Frauen in Übereinstimmung zu bringen. Auch bei der SBS Swiss Business School in Glattbrugg mit einem Frauenanteil von 37 Prozent ist Programmflexibilität ein Thema, nicht zuletzt, weil laut Dean Bert Wolfs heutzutage die Tendenz besteht, dass Frauen mehr Diplome erzielen und oftmals auch weiter studieren als Männer.

Kopfzerbrechen macht der niedrige Frauenanteil zwischen 4 bis 20 Prozent in den MBA- und EMBA-Studiengängen Erik Nagel von der Hochschule Luzern. Viele Gründe seien klassisch für die akademische Weiterbildung von Frauen: Familie und Zeit müssen genau geplant werden, Teilzeitjobs in der Führung sind selten, die Familienphase beginnt später und dauert oft lange. Dass Frauen weniger verdienen – im Schnitt 20 Prozent – ist auch bei der HSLU bekannt. Es sei somit ökonomisch rational, den Mann zum Erstverdiener zu machen.

Beim IMD in Lausanne sind die Frauen nach Auskunft von Claire Lecoq, Direktor of Marketing, Admissions and Career Services, ebenfalls unterrepräsentiert. «Unsere MBA-Studenten sind im Schnitt 31 Jahre alt. Für Frauen um die 30 ist es wegen familiärer Rücksichten relativ schwierig, in das ein Jahr dauernde Intensivprogramm einzusteigen.»

Organisation für die Frauenförderung

2009 wurde hierzulande unabhängig von den Schulen die «MBA for Women Foundation» gegründet. Die Stiftung will talentierten, ambitionierten Frauen, denen die finanziellen Mittel für einen MBA fehlen, die benötigten Ressourcen zur Verfügung stellen. Der Stiftungsrat besteht neben der Gründerin Mirjam Staub-Bisang aus ­Insead-Absolvent Franz Humer, der ­Unternehmerin Carolina Müller-Möhl und Harvard-Professorin Iris Bohnet.

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