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Reputation: Nicht so schlecht wie sein Ruf

Geschichte: Der Master of Business Administration (MBA) wurde 1900 in den USA begründet.

Executive Searcher wie Björn Johansson, Guido Schilling und Egon Zehnder sehen den MBA gegenüber dem Doktortitel im Vorteil – vorausgesetzt, Akzeptanz und Qualität des Abschlusses sind gut.

Von Norman C. Bandi
am 14.09.2011

Personalvermittler glauben nach wie vor daran, dass Stellensuchende mit ­einem MBA intakte Chancen haben, obwohl die Finanz- und Wirtschaftskrise­ heftig am Image des Diploms gekratzt hat. Doch der Sturm der Kritik hat sich langsam wieder gelegt, nachdem die Lehr­inhalte angepasst wurden.

Vielmehr orten Schweizer Executive Searcher bei der Akzeptanz und der Qualität ein Problem. Björn Johansson warnt: «Harvard, Stanford, Wharton ­haben dem MBA einen Qualitätsstempel verpasst, in Europa waren es vor ­allem ­Insead, IMD, Bocconi. Heute ist er zu einem Massenprodukt und geradezu inflationär geworden.» Absolventen ­eines angesehenen Instituts sollten selbst ein Branding ihrer Ausbildungsstätte machen und nicht nur MBA auf der Visitenkarte oder im Lebenslauf ­angeben, sondern beispielsweise MBA von IMD oder HSG, um sich von den unbekannten Schulen zu unterscheiden. Personalvermittler seien gefordert, notfalls abzuklären, ob ein Bewerber auch wirklich dort abgeschlossen hat. Björn Johansson ist der Meinung, dass der Doktortitel momentan dem MBA etwas den Rang abläuft.

Guido Schilling erwidert: «Aus meiner Sicht sollte ein MBA nicht mit einem Doktortitel verglichen werden. Dieser ist in der Regel eine Erstausbildung durch eine vertiefende Forschungstätigkeit in einem Spezialgebiet, während ein MBA die Unternehmensführungs­fähigkeiten entwickelt.» Zudem stellt er oft eine Weiterbildung dar.

Tatsache ist, dass die MBA-ler viel mehr in die Breite gehen. Dazu kommen konkrete Fallstudien und die Zusammenarbeit mit Kollegen. Ein Vorteil in Zeiten, in denen globale Teams die Realität widerspiegeln, so Philippe ­Hertig von Egon Zehnder International. Ihm fällt auf, dass nach Consulting nun Private Equity und Investment Banking die grössten Abnehmer von MBA-­Absolventen sind. Für Führungskräfte ist der nicht zu vernachläs­sigende Zugewinn, nämlich ein weltumspannendes, immer wichtiger werdendes gros­ses Netzwerk, ein weiterer Grund. «International ist heute matchentscheidend», sagt Philippe Hertig. Er stellt fest, dass über sämtliche Branchen hinweg ein solider, anerkannter MBA eindeutig an Bedeutung gewonnen hat.

Währenddem sitzen und grübeln die Doktoranden alleine vor ihrem Computer und schreiben meistens über ökonomische oder wissenschaftliche Themen ihre Dissertationen, was ihr Netzwerk nicht unbedingt vergrössert. «Es gibt aber Positionen, bei denen ich mir jemanden ohne Doktortitel nicht vorstellen kann», ergänzt Guido Schilling. «Beispielsweise der Forschungschef bei einem Pharmakonzern.»

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