So geschehen bei Christian Lüdi: Er hat Wirtschaft, Kommunikation und Marketing studiert und war von Anfang an am Auftritt der Fluggesellschaft Swiss beteiligt. Heute leitet der einstige Praktikant den gesamten Social-Media-Bereich der Lufthansa-Tochter. Wichtige Erfahrungen sammelte er, als vor einem Jahr Vulkanasche aus Island den Flugverkehr lahmlegte. Via Twitter und Facebook wurden die Passagiere sofort betreut. Lüdi betont, dass man damals ins kalte Wasser geworfen worden sei und nur habe informieren und kommunizieren können, da Serviceleistungen wie Umbuchungen einzig via Hotline machbar gewesen seien. «Die Leute sind aber schon einiges beruhigter, wenn sie wissen, dass sich jemand um sie kümmert», sagt Lüdi.

Genau hier sieht er einen entscheidenden Vorteil von sozialen Plattformen. «Durch ihre Dialogfunktion haben diese Tools so grosses Potenzial. Denn mit der heutigen Mobilität kann fast jeder via iPhone direkt am Check-in online gehen und sich erkundigen.» Swiss verfügt zu diesem Zweck bereits über einen Bereich auf der Website, in dem aktuell informiert wird. Ausserdem werden auf der Swiss-Facebook-Seite laufend Bilder, Updates oder Wettbewerbe eingestellt.
 

Vom Praktikum zur geschaffenen Stelle

Swiss hat heute eine Vollzeitstelle für Social Media. Andere Fluggesellschaften, beispielsweise die amerikanische Delta, beschäftigen mehrere Leute; hier sind es 20 Jobs, die den kompletten Kundenservice via Facebook und Twitter abwickeln. Daneben arbeiten diverse Abteilungen mit. «Die Unternehmenskommunikation produziert etwa Videos. Es ist aber auch so, dass immer mehr Leute mit fertigen Blog-Texten zu mir kommen», sagt Lüdi. Bei anderen Unternehmen, beispielsweise bei Newsnetz, reicht noch ein 50-Prozent-Pensum. Michael Marti, stellvertretender Chefredaktor, begründet: «Die technische Infrastruktur leistet Newsnetz, aber für den Inhalt der Facebook-Seiten sind die einzelnen Redaktionen zuständig.» Auch er bekräftigt das zunehmende Potenzial. «Der zusätzliche Traffic ist derzeit noch gering. Er wächst allerdings schnell, was auf die wachsende Bedeutung von Social Media hinweist.» Bei Newsnetz sind die Social-Media-Kanäle in die Seite integriert. Sei das als Blog, durch die Kommentarfunktion, via Twitter oder über den «Gefällt mir»-Button für Facebook. Dieser wird von den Usern am intensivsten genutzt. «Einzelne Artikel werden bis zu tausendmal empfohlen», ergänzt Marti.

Gemäss einer aktuellen Social-Media-Studie der PR-Agentur Bernet in Zürich sind 62 Prozent der grossen Schweizer Unternehmen auf sozialen Plattformen präsent. 39 Prozent haben dafür Personalressourcen, allerdings geben nur 22 Prozent davon an, eine Online-Strategie zu haben. «Die Anzahl der ziellos wirkenden Unternehmen zeigt, wie gross das Potenzial für den Arbeitsmarkt heute ist», sagt Manuel P. Nappo, Studienleiter und Dozent für Social Media an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ). Er ist überzeugt, dass die Bedeutung in Zukunft zunehmen wird. «Für den Studierenden ergeben sich viele neue Möglichkeiten, weil in den nächsten Jahren verlangt wird, dass man Social-Media-Kompetenz besitzt. Nächster Schritt wird sein, dass man strategische Kompetenz hat, dass man also versteht, wie man es einsetzen kann.»
 

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Social-Media-Kompetenz bald ein Muss

Schon jetzt lasse sich aber eine Zunahme bei der Forderung nach Social-Media-Kompetenz in Jobinseraten erkennen. Christian Lüdi und Michael Marti sind sich einig, dass ein weiterer Vorteil von Social Media bei den Kosten liegt. «Die Tools sind da und sie kosten nichts, ausser Zeit», erklärt Lüdi. Marti bestätigt: «Ressourcenintensiv ist die Betreuung der Auftritte im Social-Media-Kosmos.» Schlussfolgernd bedeutet dies, dass Arbeitskräfte benötigt werden. «Es kann sehr spannend werden. Gerade für Leute, die sich ausbilden und die Entwicklungen im Auge behalten», betont Manuel P. Nappo.
 

* Patrick Holenstein, Redaktor, Students.ch, Zürich.