Die Werbung für einen sogenannten Global Executive MBA klingt vielversprechend: «High Flyers start here.» Zur Ausbildung gehören Aufenthalte an Destinationen wie Peking, Moskau, Neu-Delhi oder Singapur. Eine ganze Reihe von Business Schools wirbt mit solchen ein- bis dreiwöchigen Auslandabstechern, die aus den Absolventen die wahren Experten sowie Nutzniesser der Globalisierung machen sollen.

«Das sind glatte Schulreisli», sagt Stefan Muehlemann, Mitglied des Advisory Board von SAMBA, der Swiss Association of MBAs, «das bringt nicht viel, zwei Wochen USA in einer MBA-Weiterbildung tönt zwar sexy, ist aber nutzlos und eigentlich eine Geldverschwendung.» Zumal die Kandidaten diese Ausflüge oft mit den gleichen Kollegen ihres Kurses aus der Schweiz machen, inklusive ihres Dozenten. «Gerade bei den Executive-MBA-Programmen gleichen solche Auslandwochen eher einer teuren Ferienreise.»

Wenn ins Ausland, dann gleich richtig
Prinzipiell ist es gemäss Muehlemann unwichtig, ob man seinen MBA in der Schweiz oder den USA macht. «Wichtig ist nur, dass es eine Top-Schule ist, dazu zählen die 25 besten der Welt.» Und bei Kursen im nicht deutschsprachigen Ausland müsse man unbedingt die Sprache perfekt beherrschen. Es gebe zwar sehr gute Schulen in Spanien und Frankreich, die auch offen sind für Absolventen, die die Sprache noch nicht beherrschten, aber wenn die Kandidaten auch noch die Sprache lernen müssten, sei das unzweckmässig. «Um Fremdsprachen zu lernen, muss man nicht einen MBA machen. Die 25 Top-Schulen findet man in den Ratings immer wieder, vorwiegend aus den USA und teilweise aus Europa», ergänzt Muehlemann.

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Unabhängig davon, wie diese Rankings erhoben würden - mal gestützt auf Befragungen der Absolventen, mal aufgrund der Einschätzungen von Personalverantwortlichen oder schlicht aufgrund der Gehalstdifferenzen vor und nach dem Kurs: Es fänden sich praktisch immer die gleichen Ausbildungsstätten weit vorne. Aufholen würden auch Kaderschmieden in Lateinamerika und Asien - aber sie tauchten in den Spitzenrängen noch selten auf.

Gute Schulen ziehen gute Studenten an
Die Top-Schulen arbeiten ständig an der Verbesserung ihrer Angebote. «Die wissen ganz genau, wie das Wechselspiel zwischen den besten Studenten und den besten Professoren erfolgt und wie sich diese beide ständig steigern und verbessern können», beschreibt Muehlemann die Spirale. «Exzellente Professoren ziehen exzellente Studenten an - und umgekehrt.» Zudem seien die Türen jederzeit offen; die Dozenten bis hinauf zum Dekan pflegten einen sehr engen Kontakt zu ihren Studenten und Ehemaligen und fragten während sowie auch nach dem MBA nach, wie sie sich verbessern könnten und welche neuen Wissensbestände, die die Kandidaten nach ihrem Examen in der Praxis vorfänden, wiederum in die Curricula integriert werden könnten.

Natürlich gibt es die Möglichkeit, einen MBA auf zwei Kontinenten oder in zwei Ländern zu machen, wenn die Dauer des Aufenthalts über ein bis drei Wochen hinausgeht. «Wichtig ist nur, dass man einige Monate an der Zweitschule verbringt - dann erhält man dabei das, worauf es wirklich ankommt.» Für Muehlemann ist gerade die Möglichkeit, sich an der anderen Schule ein Netz aufzubauen, sehr wichtig. «Zudem erhält man über die Exchange Terms Zugang zu einer anderen Stadt, einer anderen Kultur und einem weiteren Alumni-Netzwerk.» Muehlemann verbrachte diese drei Monate beispielsweise an der London Business School. «Neben den Sprachkenntnissen sollten Kandidaten auch eine gewisse Offenheit und ein Gespür für Kultur und andere Menschen mitbringen», rät der SAMBA-Experte weiter. «Nur so können Bekanntschaften und Freundschaften entstehen und untereinander eine Kameradschaft entwickelt werden.»

Diese hilft beim Studium ungemein - und so sieht man in den Top-Schulen in den USA die MBA-Studenten auch nachts noch zusammen lernen, arbeiten und Präsentationen für den nächsten Tag vorbereiten. Ob das auf einem Campus in den USA oder in Europa erfolgt, ist für Stefan Muehlemann zweitrangig. «Generell ist es für den späteren Erfolg der Absolventen wichtiger, dass sie die beste Schule überhaupt wählen - und auch ausgiebig prüfen, ob und wie gut diese Schule zu ihnen passt.» Muehlemann rät, die fünf bis zehn Schulen, die in die engere Wahl gekommen sind, persönlich aufzusuchen und einen Augenschein vorzunehmen. Er selbst hatte sich damals sechs Einrichtungen in den USA angesehen und sich dann für die renommierte Tuck School of Business at Dartmouth College in New Hampshire entschieden, wo er den zweijährigen Vollzeit-MBA absolvierte.

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Schweizer Schulen oft zu theoretisch
Wie sieht Muehlemann, der auch an der HSG lehrt, die hiesigen MBA-Anbieter? «Ich vermisse teilweise den engen Praxisbezug, der die Top-Schulen ausmacht. Auch die Anforderungen, einfach das, was man den Kandidaten hinsichtlich des Pensums und der Inhalte zumutet, sind teilweise deutlich niedriger.» In den USA werde gerade an den Spitzeneinrichtungen viel länger und härter gearbeitet. «Das sehe ich so in der Schweiz nicht.»

Und wie zahlt sich eine ausländische Business School aus? «Hier bin ich für einen radikalen Ansatz - die Finanzen darf man sich nicht anschauen», rät Muehlemann. Viel wichtiger ist, dass sich Kandidaten eine Top-Schule suchen, die ihnen auch atmosphärisch gefällt. «Ein Mehrverdienst stellt sich dann im Laufe der Zeit ein», weiss er aus Erfahrung, «aber auf das Geld sollte man hier nicht achten.»