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Weg aus dem Dschungel

Samba: Die Swiss Association of MBAs wurde 2004 gegründet. Die Samba steht allen Studenten und Absolventen von (E)MBA offen.

Die Titelflut hat den Wert des MBA verwässert. Personalvermittler registrierenbei den Zertifikaten anerkannter Eliteuniversitäten jedoch eine wertvolle Differenzierung.

Von Helga Weinröder
am 14.09.2011

Der einst elitäre Nimbus hat Kratzer bekommen. Schuld daran sind nicht zuletzt jene zahllosen Mitbewerber, die teilweise als schludrige Kopisten mit fragwürdiger Qualität an den ­Erfolg andocken wollten. Es kam, wie es kommen musste. Die MBA-Titelflut führte zu einem unüberschaubaren Chaos, denn weltweit gibt es inzwischen mehr als 1500 Anbieter mit rund 5000 Programmen.

Auch in der Schweiz finden sich etliche Institute im Wettbewerb, darunter hochrangige wie das IMD in Lausanne und die Universität St. Gallen. Dazu kommen weitere Hochschulen plus Fachhochschulen, ­private Business Schools und Fernstudien­anbieter. Gefolgt von einem guten Dutzend «no names». Das angekratzte Image einiger MBA-Abschlüsse hat jedoch nicht nur mit der wachsenden Zahl der Titelträger zu tun. Schuld daran ist auch das offensichtliche Versagen vieler Absolventen, vor allem in den USA im Vorfeld sowie im Verlauf der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Der Weg aus diesem Dschungel ist klar: Für Spitzenpositionen in der Schweizer Wirtschaft machen nur europa- und/oder weltweit anerkannte MBA-Diplome von bekannten Institutionen im Curriculum wirklich Sinn. Dies ergibt eine Umfrage bei fünf Personalvermittlern.

Authentizität der Titel überpüfen

Björn Johansson ist nicht nur ein alter Fuchs unter den Executive Searchern, er hat auch die verschiedensten Studien absolviert: Lic. oec. und Doktorat in St. Gallen, Leadership-Programme von Berkeley, ­Northwest-University und Harvard, wo er auch seinen MBA machte. Dass der ein­s­tige Elitetitel aus dem Ursprungsland USA heute verwässert wird, macht ihn ziemlich sauer: «Harvard, Stanford, Wharton haben dem MBA einen Qualitätsstempel verpasst, in Europa waren es vor allem Insead, IMD und Bocconi. Heute ist er zu einem Massenprodukt und geradezu ­inflationär geworden.» Absolventen eines ­angesehenen Instituts sollten selbst ein Branding ihrer Ausbildungsstätte machen und nicht nur MBA auf der Visitenkarte oder im Curriculum angeben, sondern beispielsweise MBA von Harvard, IMD oder HSG, um sich von den anderen unbekannten Schulen zu unterscheiden. Executive Searcher seien gefordert, notfalls abzuklären, ob ein Bewerber auch wirklich dort abgeschlossen hat. Aus Johanssons Sicht verliert der MBA generell an breiter Akzeptanz – im Gegensatz zu einem Doktortitel, den er deshalb hoch bewertet, weil sich jemand viel Zeit und Mühe nehmen muss, eine Dissertation vertieft über ein Thema zu verfassen.

Guido Schilling befasst sich in seinen bekannten Reports auch mit der Akzeptanz von MBA- und Doktortiteln. Sein ­Fazit: Die Bedeutung vom MBA in der Schweiz nimmt ab, weil die Varianten an Weiterbildungen in den letzten Jahren sehr stark zugenommen haben. So ist die Zahl unter jenen Führungskräften, die in eine Weiterbildung nach dem Studium investiert haben, von 54 Prozent MBA-Absolventen im Jahr 2005 auf aktuell 48 Prozent gesunken. Parallel dazu nehmen die Absolventen von Nachdiplomstudien zu, so der Experte. Der Erfolg einer MBA-Ausbildung lässt sich nach Schillings Erfahrung an verschiedenen Faktoren respek­tive Unterschieden messen: Ist diese verbunden mit einem berufsbegleitenden MBA-Studium und einzelnen Seminarwochen in Asien und den USA oder mit ­einem Vollzeitstudium an einer auslän­dischen Business School, was ja oft auch mit dem Eintrittsalter zu tun hat? «Aus meiner Sicht sollte ein MBA nicht mit ­einem Doktortitel verglichen werden. Der Doktortitel ist in der Regel eine Erstaus­bildung durch eine vertiefende Forschungstätigkeit in einem Spezialgebiet, während ein MBA die Unternehmensführungsfähigkeiten entwickelt.»

Tatsache ist, dass die MBA-ler viel mehr in die Breite gehen. Dazu kommen konkrete Fallstudien und die Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen, ein ­Riesenvorteil in Zeiten, wo globale Teams die Realität widerspiegeln. Das sagt einer, der es wissen muss: Philippe Hertig von Egon Zehnder International, dem auffällt, dass nach Consulting nun Private Equity und Investment Banking die grössten Abnehmer von Absolventen sind. Für Führungskräfte ist der nicht zu vernachläs­sigende Zugewinn, nämlich ein global immer wichtiger werdendes gros­ses Netzwerk, ein weiterer Grund. «International ist heute matchentscheidend», betont Hertig. Er stellt fest, dass über sämtliche Branchen hinweg ein solider, anerkannter MBA eindeutig an Bedeutung gewonnen hat. Währenddem sitzen und grübeln die Doktoranden alleine vor ihrem Computer und schreiben meistens über ökonomische oder wissenschaftliche Themen ihre Dissertation, was ihr Netzwerk nicht unbedingt vergrössert. «Es gibt aber Positionen, bei denen ich mir jemanden ohne Doktortitel nicht vorstellen kann», ergänzt Guido Schilling. «Beispielsweise der Forschungschef bei einem Pharmakonzern. Dieser hätte in seinem Umfeld einfach nicht die geforderte Akzeptanz.»

Sandro Gianella ist Partner von Knight-Gianella in Zollikon und immer auf der Pirsch nach Top-Executives. Daher hat er für das Thema nur ein müdes Lächeln ­übrig, denn nach seiner Überzeugung ist ein MBA nichts anderes als eine Zusatzausbildung. «Ich denke nicht, dass dieses Thema im Top-Management von wirk­licher Bedeutung ist.» Einen MBA hält er lediglich für eine sinnvolle Ergänzung und Erweiterung des Horizontes.

Adecco, der grösste Stellenvermittler weltweit, hält viel vom Erwerb eines Fachausweises oder einer Weiterbildung wie des MBA, der nach Meinung von ­Mediensprecher José M. San José auch heute noch ein begehrter Titel ist. Entscheidend sind auch für Adecco Ort und ­Reputation der Institution, die das Diplom vergibt. Ein Doktortitel besitzt in der Schweiz gesellschaftlich eine starke Verankerung und bringt dem Bewerber eine gewisse Anerkennung ein, so San José. Auch stehe er als Garant dafür, dass eine Person sich über längere Zeit mit einer Materie auseinandersetzen und sich entsprechend spezialisieren kann. Obwohl eine Dissertation und ein Masterabschluss nicht vergleichbar seien, könne man aus dem Inhalt und Umfang einer kleineren Diplomarbeit sehen, dass ein Bewerber diese Fähigkeiten mit sich bringe.

Abschluss lohnt sich finanziell

Wo sich der MBA-Titel wirklich lohnt, hat eine Studie von «Bloomberg Businessweek» vor einem Jahr aufgezeigt: Das ­Rennen macht wieder einmal mehr Harvard. Das zweijährige MBA-Programm kostet in der Kaderschmiede über 100000 Dollar. Eine Menge Geld, die sich aber auszahlt: Die ROI-Berechnung zeigt, dass ein Harvard-Absolvent im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte durchschnittlich 3,9 Millionen Dollar verdient. Auf knapp 3,5 Millionen Dollar kommt ein Wharton-Absolvent. Im Schnitt kann ein MBA-ler mit 2,5 Millionen Dollar rechnen. Nicht berücksichtigt in der Studie sind die Vergütungen in Aktien und Optionen.

 

Interview mit Benno Marbach, Founder & President, Swiss Association, of MBAs (Samba), Horw LU

Bei der Suche von ­Führungspersonen spielt der MBA eine Rolle. Aber welche Bedeutung haben Image und ­Mythos bei der Wahl der Schule, zumal das Angebotnach wie vor gigantisch ist?

Benno Marbach:
Top Business Schools stellen bereits im Auswahlverfahren ­ihrer zukünftigen Studenten hohe ­Ansprüche und treffen somit bereits eine hilfreiche Vorselektion. Daher unterscheidet sich die Qualität der Absolventen im weiten Spektrum von Business Schools geradezu dramatisch. Soist zum Beispiel der durchschnittliche GMAT-Test-Score, der im Rahmen des Aufnahmeprozesses von allen Kandidaten verlangt wird, bei führenden Schulen über 700 Punkte – bei durchschnitt­lichen Schulen um 600 Punkte oder tiefer. Wenn einige Vollzeit-MBA-Anbie­ter sogar von einem GMAT-Test absehen, sind grosse Zweifel an der Qualität angebracht. Dies gilt hingegen nicht für ­berufsbegleitende Executive-MBA-­Programme, die in der Regel auf sol-che ­GMAT-Tests verzichten. Dass die ­sogenannten Top Business Schools zu Recht einen ­guten Ruf haben, ist kein Marketing-Gag.

Die steigende Präsenz von Ethik- sowie Nachhaltigkeitsfragen in MBA-Kursenist auffallend. Sind das nur ­Feigenblätter oder doch mehr? Sind diese Themen in der Wirtschaft überhaupt gefragt?

Das sind definitiv hochaktuelle Themen. Der Titel unserer «JAC – Joint Alumni Conference» am 30. September im Swiss Re Centre for Global Dialogue in Rüschlikon lautet «Better Business – Better World». Es ist eine klare Erkenntnis, dass Ethik und Nachhaltigkeit nicht Nebenschauplätze oder notwendige Übel sind, sondern entscheidende Faktoren zur positiven Beeinflussung des Geschäftserfolgs. Schlussendlich entscheiden der Markt und die Gesellschaft, was nachgefragt wird. Die Wirtschaft und die Business Schools nehmen die neuen Trends auf. Es liegt in deren ­ureigenem Interesse, diesen Prozess möglichst marktnah und im Sinn der Gesellschaft zu gestalten.

Interview: Helga Wienröder

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