Nicht nur an der Börse sind Insiderinformationen wertvoll. Auch wer einen neuen Job sucht, möchte genau wissen: Wie ist die Stimmung in dem Unternehmen, bei dem ich mich bewerbe? Wie flexibel sind die Arbeitszeiten? Und wie schnell kann ich aufsteigen? Am besten wissen das die Menschen, die dort bereits arbeiten. Online-Plattformen wie die neue Website buddybroker.com helfen dabei, an diese Insiderinformationen zu kommen. Auf den ersten Blick funktioniert BuddyBroker wie ein klassisches Anzeigenportal. Unternehmen stellen auf der Site Stellenangebote ein, die mit einer Suchfunktion durchstöbert werden können. Das Besondere: Wer über BuddyBroker einen Job sucht, verknüpft die Suche mit seinem Profil auf einem Karrierenetzwerk wie Xing oder LinkedIn. Wenn er ein Jobangebot aufruft, sieht er daher sofort, ob einer seiner Kontakte aus den Karrierenetzwerken bereits bei diesem Unternehmen arbeitet. So kann er den potenziellen Kollegen eine Nachricht schicken und aus erster Hand erfahren, was ihn beim neuen Arbeitgeber erwarten würde.

Matching-Mechanismus

Ausserdem nimmt die Plattform Jobsuchenden das mühsame Klicken durch unpassende Stellenangebote ab. BuddyBroker wertet die Xing- oder LinkedIn-Profile aus und schlägt den Nutzern Jobs vor, die genau zu ihren Qualifikationen und bisherigen Arbeitsstellen passen. Wer bisher im Marketing gearbeitet hat, bekommt vor allem Marketingstellen vorgeschlagen. Wer laut seinem Profil fliessend Spanisch spricht, sieht vor allem Jobs, bei denen mit spanischen Kunden oder Geschäftspartnern kommuniziert werden muss. «Dieser Matching-Mechanismus funktioniert bei mir bereits sehr gut», sagt Aldo Gnocchi, der die Plattform seit einigen Monaten nutzt. «Rund 80 Prozent der Stellen, die mir vorgeschlagen wurden, fand ich tatsächlich interessant.»

Mit dem gezielten Matching und der Möglichkeit, an Insiderinformation aus Unternehmen zu kommen, könnten BuddyBroker und das auf einem ähnlichen Prinzip beruhende Portal Jobs for friends die Jobsuche revolutionieren. Denn obwohl Soziale Medien wie Twitter, Facebook, Xing und LinkedIn in den vergangenen Jahren rasant gewachsen sind, werden sie für die Jobsuche bisher nur selten genutzt. Die meisten Personalverantwortlichen in Schweizer Unternehmen schalten Stellenanzeigen weiterhin über klassische Online-Jobportale oder die Karriereseite auf der Firmen-Homepage. Gerade mal rund 22 Prozent suchen auch über die Sozialen Medien nach neuen Mitarbeitern, zeigt die «Social Media Recruiting»-Studie 2014 für die Schweiz. Eine Auswertung der Universität Frankfurt am Main zusammen mit der Uni Bamberg und dem Jobportal Monster kam 2012 für die Schweiz auf ähnliche Werte.

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Besonders auffallend dabei: Das Interesse der Personalabteilungen an Stellenausschreibungen über Social Media ist sogar noch zurückgegagen. So verbringen inzwischen 53 Prozent der Schweizer Personaler überhaupt keine Zeit mit Social Recruiting, während die Zahl der komplett Desinteressierten im Jahr 2012 nur bei 32 Prozent lag.

Da wird grosses Potenzial verschenkt, finden die Macher von BuddyBroker. Denn gute Matching-Mechanismen können nicht nur Jobsuchenden viel Arbeit abnehmen. Sie helfen auch Unternehmen, an die sogenannten passiven Kandidaten zu kommen. Die, die zwar einen Job haben, sich aber grundsätzlich vorstellen könnten, den Arbeitgeber zu wechseln. Über BuddyBroker kann man zum Beispiel einem seiner Xing- oder LinkedIn-Kontakte ein Jobangebot empfehlen. «Erst letztens hat mit ein Bekannter ein sehr interessantes Angebot weitergeleitet, das ich sonst vielleicht nicht gefunden hätte», sagt Aldo Gnocchi, der seit fünf Jahren als Social-Media-Berater arbeitet.

«Durch die Möglichkeit, Kontakten Stellenanzeigen zu empfehlen, können wir die Reichweite eines Inserats um den Faktor 150 erhöhen», sagt Mario Götz, Marketing- und Community-Manager bei BuddyBroker. Das ist vor allem für Unternehmen interessant, die umworbene Fachkräfte für sich gewinnen wollen, etwa IT-Spezialisten. «Der IT-Arbeitsmarkt ist hart umkämpft», sagt Judith Oldekop, Leiterin des HR-Marketings bei der Swisscom. Internetfirmen und Telekommunikationsunternehmen haben daher als Erste die Sozialen Medien entdeckt, um damit passende Kandidaten für offene Stellen zu finden. «Wir wollen die Kandidaten auf den Kanälen ansprechen, auf denen sie am häufigsten kommunizieren», sagt Oldekop. «Gerade bei IT-Fachkräften sind das die Sozialen Medien.»

Anschluss an Top-Talente

Neben einem Twitter-Kanal und Profilen bei Xing und LinkedIn betreibt die Personalabteilung der Swisscom seit 2012 auch einen eigenen Blog, auf dem rund 50 Mitarbeiter aus ihrem Arbeitsalltag berichten. «Wir ermöglichen so einen Blick hinter die Kulissen und zeigen, welche Jobs es bei uns gibt und was man dort konkret macht», sagt Judith Oldekop. Das Projekt hat sich bereits ausgezahlt: «Über den Blog haben wir mehrere Kandidaten auf uns aufmerksam machen und zu uns holen können», so Oldekop.

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Die Swisscom ist auch als eines der ersten Unternehmen auf der neuen Website BuddyBroker vertreten. «Ich finde das Prinzip der Plattform sehr interessant», sagt Judith Oldekop. «Mit dem Empfehlungsmodus füllt sie die Lücke zwischen einer Stellenausschreibung und einer aktiven Ansprache und hilft somit, latent Suchende auf eine Vakanz aufmerksam zu machen.» Aber auch Unternehmen aus anderen Branchen nutzen die Plattform bereits, etwa das VZ Vermögenszentrum, die Bison-Group und Coca-Cola Schweiz. Die Unternehmen zahlen für die Nutzung eine monatliche Abogebühr und dürfen dann so viele Anzeigen auf der Site schalten, wie sie wollen. Für Jobsuchende ist die Site kostenlos.

BuddyBroker hofft jedenfalls, das sinkende Interesse der Personaler an Social Recruiting in der Schweiz umzukehren. Warum die Interessenkurven in den letzten Jahren nach unten zeigten, sei dabei schwer zu sagen. Interessanterweise scheinen die Personalabteilungen nämlich auch beim Thema Mobile Recruiting ihr Interesse zu verlieren. Die «Social Media Recruiting»-Studie Schweiz für das Jahr 2014 zeigt, dass 2012 noch 39 Prozent der Personaler Investitionen in Mobile Recruiting geplant haben, 2014 sind es hingegen nur mehr 21 Prozent. Das könnte in einem Land wie der Schweiz, mit einer der weltweit höchsten iPhone-Dichten, fatal sein, weil die Personaler den Anschluss an junge Talente verlieren. Gerade deshalb sind Angebote wie jenes von BuddyBroker Entwicklungen, die man weiter beobachten sollte.

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