1. Home
  2. Management
  3. Berufsbildungsfonds: Das duale Bildungssystem stärken

Berufsbildungsfonds: Das duale Bildungssystem stärken

Januar 2008: Auf der Grundlage des Aussprachepapiers entscheidet der Bundesrat, dass eine Situationsanalyse nötig ist.

Um die Kosten in der Grundbildung ­gerecht zu verteilen, nehmenschon 25 Schweizer Branchenihre Firmen in die Pflicht.

Von Frances Höhne
am 29.08.2012

Die Schweiz setzt in der beruflichen Grundbildung auf das duale Bildungssystem. Die ­Verantwortung liegt dabei zu grossen Teilen bei den Betrieben und Branchen. Naturgemäss kann dieses System nur funktionieren, wenn sich alle Firmen daran beteiligen. Heute stehen wir jedoch vor der Situation, dass nur jeder sechste Betrieb Lernende ausbildet. Dadurch sind Ausbildungsarbeit und -kosten äusserst ungleich verteilt – dies, obwohl jede Firma von gut ausge­bildeten Berufsleuten profitiert.

 

Trittbrettfahrern Riegel schieben

Um diesem Trittbrettfahren einen ­Riegel zu schieben, steht den Branchenverbänden seit acht Jahren ein Instrument zur Verfügung, das dafür sorgen soll, die Ausbildungskosten gerecht zu verteilen. Auf Antrag einer Branche kann der Bundesrat Berufsbildungsfonds für allgemeinverbindlich erklären. Das bedeutet, dass alle Betriebe einer Branche zu Ausbildungsbeiträgen für die berufliche Grundbildung verpflichtet werden, auch wenn sie keine Lernenden ausbilden und keinem Branchenverband angehören. Dies soll die Finanzierung langfristig sichern und die Nachwuchsförderung auf hohem Niveau halten. Bis heute verfügen rund 25 Branchen über einen solchen Fonds.

Eine Umfrage unter ihnen zeigt, dass das Instrument Berufsbildungsfonds in ­aller Regel gut funktioniert und seine Aufgaben erfüllt. Das Trittbrettfahren kann ­effektiv bekämpft und Lehrbetriebe können entlastet werden. Ausserdem kann dank der zusätzlichen Gelder mehr in die Lehrmittel, ins Kursangebot und damit in den Nachwuchs investiert werden, was die Qualität der Grundbildung erhöht.

Neu für kaufmännische Branche

Seit 1. März 2012 verfügt auch die Branche Treuhand und Immobilientreuhand über einen Berufsbildungsfonds. Dass damit erstmals eine kaufmännische Branche mit fast 7600 Betrieben darauf setzt, ist als Bestätigung für die guten Erfahrungen zu sehen, die die bestehenden Fonds sammeln konnten. Für die Branche Treuhand und Immobilientreuhand ist die gerechte Verteilung der Ausbildungskosten ein wichtiger Grund für die Einführung – aber längst nicht nur. Mindestens so wichtig ist es, den Nachwuchs mit einer hochstehenden Grundbildung stärker zu fördern und die Branche so für Schulabgänger attraktiver zu machen. So werden beispielsweise speziell die Fächer gefördert, die für Treuhänder und Immobilientreuhänder besonders wichtig sind wie Liegenschaftenbuchhaltung oder Rechnungswesen. Zur Unterstützung der Lernenden werden vermehrt auch digitale Lehrmittel eingesetzt.

Ein weiteres Ziel ist es, die Zahl der Lehrstellen zu erhöhen, denn auch die Branche Treuhand und Immobilientreuhand kämpft mit einem Missverhältnis. Derzeit bilden 20 Prozent der Betriebe 80 Prozent der Lernenden aus. Dies liegt auch daran, dass sich gerade Kleinst­betriebe bisher oftmals nicht in der Lage sehen, einen Lernenden auszubilden, da die Betreuung eine genauso aufwendige wie wichtige Aufgabe ist. Deshalb sollen künftig Dienstleistungen angeboten werden, die die Betriebe nicht nur finanziell entlasten, sondern in der Ausbildung auch stärker unterstützen. So soll der Anreiz ­erhöht werden, Lehrstellen anzubieten. Wer dennoch keine Lernenden ausbilden will oder kann, wird sich dank des Fonds künftig wenigstens an den Kosten beteiligen – wobei die Beiträge im Vergleich zu anderen Branchen moderat ausfallen.

Die Einführung des Fonds wurde weitgehend positiv aufgenommen. Dies zeigt, dass die Solidarität innerhalb der Branche spielt und dass sich die Betriebe ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind. Bedenken, dass Berufsbildungsfonds nicht nur Vorteile, sondern vor allem auch hohe ­administrative Kosten mit sich bringen, tritt die Fondsleitung aktiv entgegen. So verpflichtet der Vorstand die Geschäftsleitung explizit zum effizienten und gezielten Einsatz der Mittel. Zudem unterstehen die Berufsbildungsfonds aller Branchen momentan der Aufsicht des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT). Damit werden die Transparenz und die Kontrolle der Gelder gewährleistet.

Sollte auch der Berufsbildungsfonds Treuhand und Immobilientreuhand die Erwartungen erfüllen, kann davon ausgegangen werden, dass das Beispiel Schule macht und weitere kaufmännische Branchen auf den Zug aufspringen. Dies wäre nicht nur für die einzelnen Branchen ein Gewinn, sondern auch für die Schweizer Wirtschaft und ihr duales Bildungssystem.

 

Allgemeinverbindlich: Der Staat diktiert Regeln per Gesetz

Bundesrat
Gemäss Artikel 60 des Berufsbildungsgesetzes kann der Bundesrat Berufsbildungsfonds seit 2004 allgemeinverbindlich erklären. Dahinter steht die Absicht, auch Betriebe in die Pflicht zu nehmen, die sich bislang nicht an den Bildungskosten ihrer Branche beteiligt haben. Seit der Einführung wurden die Fonds von gegen 25 Branchen allgemeinverbindlich erklärt.

Treuhand
Der BerufsbildungsfondsTreuhand und Immobilientreuhand ist laut Bundesrat seit 1. März 2012 allgemeinverbindlich. Die Branche umfasst schweizweit knapp 7600 Betriebe. Zu den darin vertretenen Berufsfeldern gehören unter anderen Steuerberatung, Unternehmensberatung, Vermögensverwaltung, Wirtschaftsprüfung oder Vermittlung von Liegenschaften.

Anzeige