Josef Ackermann nimmt Abschied von der Deutschen Bank: Nach der Hauptversammlung am Donnerstag kehrt der 64-Jährige in die Schweiz zurück. Er wird Verwaltungsratpräsident des Finanz- und Versicherungskonzerns Zurich.

Das neue Mandat bringt etwas weniger Glamour mit sich. Als Chef der grössten Bank Deutschlands galt Ackermann immerhin als mächtigster Banker des Landes. Als solcher wird ihm nachgesagt, zeitweise eine nahezu unerträgliche Arroganz ausgestrahlt zu haben: In Erinnerung bleibt das Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess oder die Entlassung Tausender Mitarbeiter im gleichen Atemzug mit einem Rekordgewinn.

Andererseits ist er als Deutsche-Bank-Chef höchst erfolgreich gewesen: Er führte die Bank vergleichsweise glimpflich durch die Krise. Seine Aussage, er würde sich schämen, staatliche Hilfe anzunehmen, wurde ihm freilich auch schon wieder als Arroganz ausgelegt.

Jahressziel nicht erreicht

Kurz vor seiner Ankündigung, doch nicht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu wechseln, wenn er sein Amt als Vorstandsvorsitzender abgibt, hatten Anwälte der Deutschen Bank erklärt, das Vorstandsbüro Ackermanns sei von der Münchener Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Hintergrund sei der Kirch-Prozess.

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Dabei werde nun auch gegen Ackermann, Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer und den früheren Bankvorstand Tessen von Heydebreck wegen Verdachts der Falschaussage und des versuchten Prozessbetrugs ermittelt, erklärten die Anwälte weiter. Es geht bei dem Prozess in München seit Monaten um die Frage, ob die Bank einst den Medienunternehmer Leo Kirch in den Ruin getrieben hat.

Für das laufende Jahr hatte Ackermann ein Rekordziel ausgegeben: Der Vorsteuergewinn der operativen Geschäftseinheiten sollte von 7,2 Milliarden Euro auf 10 Milliarden Euro steigen. Doch dieses Ziel musste Ackermann angesichts der Finanzmarkt-Turbulenzen wieder zurücknehmen.

Weitblick und Gespür

Der 63-Jährige gilt vielen als Buhmann und Musterbeispiel des ausschliesslich auf Gewinnmaximierung bedachten Kapitalisten. Ihm werden aber auch analytischer Weitblick, ausgeprägtes Gespür für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge, ausgleichendes Wirken sowie eine herausragende kommunikative Begabung - schlicht: Charme - nachgesagt.

Ackermann ist exzellent vernetzt in Wirtschaft und Politik. Unter anderem ist er Chef des Institute of International Finance in Washington, des Bankenverbandes, der den Schuldenschnitt für Griechenland mit der Eurozone ausgehandelt hat.

Eigentlich hatte Ackermann den Vorstandsvorsitz im Jahr 2010 aufgeben wollen. Doch Anfang 2009 entschloss er sich, länger zu bleiben. «Der Wunsch des Aufsichtsrats und vieler Mitarbeiter haben dazu geführt, dass ich sage, ich sehe mich in der Pflicht und stelle meine persönliche Lebensplanung zurück», sagte der damals 61-Jährige. Manche vermuten, er habe auch verhindern wollen, dass Aufsichtsratschef Börsig seine Nachfolge anträte.

Persönliche Lebensplanung zurückgestellt

Ackermann ist der Sohn eines Landarztes aus dem Kanton St. Gallen. In den Führungsgremien der Bank ist der Doktor der Wirtschaftswissenschaften seit Herbst 1996 vertreten. Im Mai 2002 stieg er zum Vorstandssprecher auf.

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Dem Unternehmen verordnete er bald ehrgeizige Ziele: vor allem eine deutliche Steigerung der Eigenkapital-Rendite, Ziel 25 Prozent. Damit sollte der im internationalen Vergleich niedrige Börsenwert erhöht werden, um das Haus vor einer feindlichen Übernahme zu schützen.

Ackermann war über viele Jahre einer der Spitzenverdiener unter den Vorstandschefs der im Deutschen Aktienindex notierten Unternehmen. Im eigenen Haus freilich übertraf ihn zuletzt Anshu Jain, der Chef des Investmentbankings, das im Jahr 2010 allein 86 Prozent des Vorsteuergewinns der Bank einbrachte.

Ackermann ist mit einer Finnin verheiratet und hat eine Tochter. Er gilt als exzellenter Hobbymusiker in klassischem Gesang und Klavierspiel. Ausserdem ist er Opernfan.

(tno/sda)