1. Home
  2. Management
  3. Heinrich Villiger, Anton Affentranger: Wenn Ex-Chefs ein Comeback geben

Führung
Bumerang-CEOs: Wenn Ex-Chefs ein Comeback geben

Rücktritt vom Rücktritt: Ein Bumerang-Chef übernimmt zum zweiten Mal den gleichen Führungsposten. Für Unternehmen lohnt es sich oft, auf den alten CEO zu setzen.

Von Marc Bürgi
am 05.12.2017

Nur knapp eineinhalb Jahre war Robert Suter Chef des Zigarrenherstellers Villiger. Jetzt hat der Manager das Unternehmen bereits wieder verlassen. Die Führung hat Villiger-Präsident Heinrich Villiger übernommen – jener Mann, den Suter im Frühling 2016 als CEO abgelöst hatte.  Villiger bleibt Präsident, leitet aber auch wieder das Tagesgeschäft.

Die Rückkehr von Heinrich Villiger auf den Führungsposten ist in der Schweizer Wirtschaft kein Einzelfall: Immer wieder kommt es vor, dass ehemalige Chefs erneut die Leitung übernehmen. So beispielsweise Willy Michel bei der Diabetesfirma Ypsomed: Firmengründer Michel gab 2011 nach fünf Jahren ein Comeback, CEO Richard Fritschi musste gehen. Beim Baukonzern Implenia kehrte Anton Affentranger 2011 auf den Chefsessel zurück. Er hatte das Unternehmen bereits von 2009 bis 2010 ein Jahr geleitet.

Bumerang-CEO – ein erfolgreicher Managertyp

Villiger, Michel und Affentranger sind «Bumerang-CEOs» – und gehören damit zu einem recht erfolgreichen Typ von Manager. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung von Rüdiger Fahlenbrach von der ETH Lausanne. Er fand bei den 1500 grössten US-Unternehmen über einen Zeitraum von 16 Jahren rund 60 Fälle, wo Ex-Chefs zurückkehrten. Und diese Rückkehrer waren überwiegend erfolgreich, wenn die Aktien der Unternehmen zum Massstab genommen wird: Ihre Kurse entwickelten sich über längere Zeit mehrheitlich stärker als jene von Konkurrenten.

Natürlich wird nicht jeder Bumerang-CEO zu einem Steve Jobs, der Apple in seiner zweiten Amtszeit zum wertvollsten Konzern der Welt machte – oder bringt es wie Starbucks-Chef Howard Schultz zustande, dem Unternehmen zum weltweiten Durchbruch zu verhelfen. Yahoo-Gründer Jerry Yang etwa scheiterte beim Versuch, den Niedergang des Suchmaschinenbetreibers zu stoppen. A.G. Lafley gelang es nicht, den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble wieder in Schwung zu bringen.

Anzeige

Ex-Chef wird zum Krisenmanager

Erfolg hätten vor allem jene Bumerang-CEOs, welche die fehlgeleitete Strategie eines Vorgängers korrigieren müssten, glaubt Fahlenbrach. «Es sind Fälle, wo die neue Strategie nicht funktioniert. Dann muss der alte CEO das Unternehmen wieder in ruhige Wasser steuern.» Der ehemalige CEO wird so zum Krisenmanager, der nicht für lange Zeit an der Spitze bleibt.

Es sind in der Regel die erfolgreichen CEOs oder Firmengründer, die zurückgerufen werden. Häufig waren sie nicht lange weg und sind immer noch stark mit dem Unternehmen verbunden – etwa als Mitglieder des Verwaltungsrats oder als Grossaktionär. «Sie müssen ein starkes finanzielles oder emotionales Interesse haben, um zurückzukehren», sagt Experte Fahlenbrach. Es sind gute Gründe nötig, damit ein Ex-Chef ein Comeback wagt – schliesslich riskiert er, seine frühere Leistung zu schmälern.

Für das Unternehmen kann es sich auszahlen, auf ehemalige Chefs zu setzen (siehe Bildergalerie oben). Wenn es – wie in solchen Fällen häufig – in der Krise steckt, drängt die Zeit. Ein Ex-Chef kennt die Verhältnisse und muss sich nicht zuerst einarbeiten, für das Unternehmen entfällt die Chefsuche.

Villiger, Affentranger und Michel – drei einflussreiche Erfolgsmanager

Nicht immer ist der Ex-Chef allerdings die Lösung für ein Problem – er kann auch die Ursache dafür sein: Manchmal scheitern neue Chefs, weil der mächtige Vorgänger noch immer viel Einfluss im Unternehmen hat, und den Erfolg des Nachfolgers verhindert. Und nicht jeder Manager verdankt seine früheren Ergebnisse dem eigenen Geschick. Vielleicht hatte er damals einfach von der guten Geschäftslage profitiert – und ist überfordert, wenn er beim zweiten Mal schwierigere Voraussetzungen vorfindet. Ein Bumerang-Chef muss sich auf die neuen Verhältnisse einstellen. «Das gleiche zu machen wie in der ersten Amtszeit ist oft keine gute Idee», sagt Fahlenbrach.

Villiger, Affentranger und Michel verkörpern gleich mehrere Eigenschaften von Bumerang-CEOs. Alle drei sind erfolgreiche Manager, die auch nach ihrer ersten Amtszeit im Unternehmen den Ton angaben. Als Bumerang-Chefs haben sich zumindest Michel und Affentranger bereits bewährt. Unter Willy Michel fand Ypsomed  wieder zum Erfolg zurück, nach drei Jahren übergab er die Leitung seinem Sohn Simon Michel. Und Anton Affentranger hat seit seiner Rückkehr in den Chefsessel die Rolle von Implenia als grösster Schweizer Baukonzern zementiert.