Der Paukenschlag kam unerwartet. Am Donnerstagabend informierte Burckhardt Compression die Belegschaft in Winterthur an einer Mitarbeiterversammlung über eine sogenannte «Kapazitätsanpassung» aufgrund des schwierigen Marktumfeldes für das Geschäft mit Kompressorsystemen. Weltweit sollen 100 Stellen abgebaut werden, davon 50 in Winterthur. Der grösste Teil des Stellenabbaus müsse «leider mittels Kündigungen vorgenommen werden», so der Konzern in einer Mitteilung. Zudem wird für weitere 100 Angestellte in Winterthur Kurzarbeit eingeführt.

Für Arbeitnehmerorganisationen ist die Ankündigung eine schlechte Nachricht. Bei den Angestellten Schweiz zeigt man sich besorgt über die Entwicklung. Der Verband sei «überrascht» vom Ausmass des Stellenabbaus, heisst es in einer Mitteilung. «Die Angestellten beobachten mit Sorge, dass immer mehr solide Schweizer und internationale Industrieunternehmen hierzulande Stellen abbauen oder ins Ausland verlagern.» Begrüssenswert sei immerhin, dass die Krise nicht nur mit Stellenabbau, sondern auch mit Kurzarbeit angegangen werden soll. Die Angestellten Schweiz fordern vom Management dennoch, Alternativen zu prüfen, «damit sich niemand beim RAV melden muss».

Marinegeschäft eingebrochen

Deutlich schärfer ist der Ton bei der Unia: «Wieder einmal sollen nur die Arbeitenden bluten», so die Gewerkschaft in einer Mitteilung. Man erwarte ernsthafte Verhandlungen mit der Belegschaft, um Entlassungen zu vermeiden und sie durch andere Massnahmen zu ersetzen, erklärt ein Unia-Sprecher. «Wenn gespart werden muss, sollen auch Aktionäre, Verwaltungsrat und Management verzichten müssen», so der Sprecher. Besonders stossend sei der Abbau vor dem Hintergrund der kürzlichen Übernahmen und Erweiterungen im Ausland. Dass die Entlassungen aber noch rückgängig gemacht werden, ist angesichts des Schweizer Arbeitsrechts eher unwahrscheinlich.

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Dass Burckhardt auf dem Buckel der Angestellten saniert werde, sei «eine Unterstellung», so CEO Marcel Pawlicek. «Der tiefere Bestellungseingang zwingt uns zum Handeln.» Insbesondere das Marinegeschäft mit Einzelkompressoren sei in den letzten Monaten eingebrochen und kann nur teilweise mit Komplettanlagen aufgefangen werden. «Dies wird sich auf den Umsatz im nächsten und übernächsten Jahr auswirken», so Pawlicek. Ohne Massnahmen wären die langfristigen Konzernziele in Gefahr. Mit den Akquisitionen in China und den USA oder den neuen Montagehallen in Korea und den USA habe der Abbau nichts zu tun. Der Hauptsitz und Produktionsstandort Winterthur behalte seine «Schlüsselrolle», heisst es auch in der Medienmitteilung vom Donnerstag.

Zwei Drittel des Abbaus im Büro

Laut Pawlicek wird etwa ein Drittel des Abbaus in Winterthur bei den Blue-Collar-Arbeitern erfolgen und zwei Drittel im Büro. Weitere Programme zur Senkung der Kosten sind bereits initiiert und sollen Burckhardt zurück auf Kurs bringen. Dennoch wurde die Auftragsguidance bei ansonsten gleichbleibendem Ausblick leicht nach unten korrigiert auf nunmehr «weniger als 500 Millionen Franken». Für das Geschäftsjahr 2015 (per 31. März 2016) hatten die Bestellungen noch 532 Millionen Franken erreicht.

Nach einem mittelmässigen Geschäftsjahr 2015 und einem vorsichtigen Margenausblick für 2016 habe sich das Umfeld nochmals verschlechtert, schreibt die ZKB. Auch Vontobel und die Beratungsfirma Kepler Cheuvreux zeigen sich enttäuscht. Der angepasste Ausblick deute auf eine neuerliche Verschlechterung der Lage. An der Börse sind die Aktien deshalb am Freitagvormittag unter Druck geraten und haben bis zum Mittag weit über 6 Prozent abgegeben.

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Mit Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt als Präsident und Swissmempräsident Hans Hess als Vize sitzen zwei wichtige Vertreter der Schweizer Industrie im Verwaltungsrat des Winterthurer Traditionsunternehmens.