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Clariant unter Druck: White Tale fordert drei VR-Sitze

Hariolf Kottmann
Clariant-Chef Hariolf Kottmann: Fusionspläne geplatzt. KeystoneQuelle: Keystone

Dem aktivistische Investor White Tale reicht es nicht, die Clariant-Fusion mit Huntsman verhindert zu haben. Er stellt weitere Forderungen - und droht bei Nichterfüllung mit Folgen.

Veröffentlicht am 30.10.2017

Clariant-Grossaktionär White Tale treibt den Schweizer Chemikalienhersteller nach dem abgeblasenen Zusammenschluss mit dem US-Rivalen Huntsman weiter vor sich her. Der aktivistische Investor beanspruchte am Montag sofort drei Sitze im Clariant-Verwaltungsrat und forderte eine unabhängige Überprüfung der Firmenstrategie.

Sollte es kurzfristig zu keiner Einigung mit dem aktuellen Verwaltungsrat kommen, bleibe keine andere Wahl, als eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen, teilte White Tale mit. Gleichzeitig versicherte White Tale, das Engagement bei Clariant sei langfristig ausgerichtet. Die Annullierung des Huntsman-Fusion sei ein erster positiver Schritt. «Doch die Arbeit beginnt erst.»

Zahlreiche Gespräche von Clariant und White Tale

Clariant-Chef Hariolf Kottmann hatte sich am Freitag nach monatelangem Kräftemessen mit White Tale dem Druck des grössten Aktionärs gebeugt und die geplante Fusion mit Huntsman beerdigt. Die beiden Unternehmen hätten gemeinsam einen Börsenwert von fast 16 Milliarden Dollar auf die Waage gebracht. Ein Clariant-Sprecher erklärte, dass die Forderungen von White Tale natürlich in Erwägung gezogen würden. Es habe mit dem Aktionär seit Freitag zahlreiche Gespräche gegeben.

White Tale forderte das Clariant-Management unmissverständlich zur Beiziehung eines externen Beraters auf, der nicht in die Huntsman-Transaktion involviert war. Zudem will White Tale in allen Verwaltungsratsausschüssen, die sich mit strategischen Fragen beschäftigen, vertreten sein. Hingegen relativierte der Aktionär seine bisherige Forderung nach einem Verkauf der Sparte Plastics & Coatings. Man werde die strategische Überprüfung ebenfalls unvoreingenommen abwarten.

White Tale hatte in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass Clariant bei einem Zusammenschluss mit Huntsman zu niedrig bewertet werde. Zudem stellte der Grossaktionär die industrielle Logik der Fusion infrage. Was den geplanten Zusammenschluss mit den Amerikanern letztlich zum Kippen brachte, war die Aufstockung der Beteiligung auf über 20 Prozent. Zudem hatten sich weitere Anleger hinter die Amerikaner gestellt. Der Konzern mit Sitz in Muttenz bei Basel hätte die Zustimmung von zwei Dritteln der Clariant-Aktionäre benötigt, um die Transaktion in trockene Tücher zu bringen.

(reuters/me)

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