Boom-Zeit ist Berater-Zeit. Der Schweizer Consulting-Markt hat von der blühenden Konjunktur im letzten Jahr erneut stark profitieren können. Dies belegen Zahlen aus der aktuellen Marktstudie, die der Branchenverband Asco jedes Jahr mittels Befragungen bei Schweizer Unternehmensberatungen und Kunden erstellt. Demnach ist das Umsatzvolumen im Schweizer Beratungsmarkt im letzten Jahr gegenüber 2006 um satte 9% auf 1,3 Mrd Fr. gewachsen.

Das im Vergleich der letzten Jahre überdurchschnittlich ausgefallene Wachstum hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die Consulting-Branche immer stärker das Kundensegment der KMU für sich erschliessen kann. «Viele dieser Unternehmen mit durchschnittlichen Umsätzen von 100 Mio bis 1 Mrd Fr. sind heute sehr vernetzt, international ausgerichtet und nehmen in ihrem spezifischen Segment eine führende Position im Weltmarkt ein», erklärt Roberto A. Busin, Partner bei IBM Global Business Services sowie als Asco-Vorstandsmitglied mitverantwortlicher Leiter der Marktstudie.

Besonders auf Beraterdienste angewiesen sind KMU aus dem Industriebereich. Etwa spezialisierte Unternehmen auf dem Gebiet der Fein- und Präzisionsmechanik, die in den letzten Jahren wesentlich zu einer Welle der Reindustrialisierung des Arbeitsplatzes Schweiz beigetragen haben.

Berater stärker eingebunden

«Viele dieser innovativen KMU stehen heute am gleichen Punkt wie multinationale Grosskonzerne vor fünf bis acht Jahren», sagt Busin. Sie expandieren mit ihren geschäftlichen Aktivitäten in die globalen Märkte und benötigen dafür neue, länderübergreifende Konzepte und Strategien. Gefordert sind Beratungsdienste, die über das Entwerfen einer Power-Point-Strategie hinausgehen. «Stattdessen werden die Unternehmensberater systematisch in den Prozess zur Lösungsfindung einbezogen, von Anfang an gezielt ausgewählt und eng in interdisziplinäre und operativ tätige Projektteams eingebunden», erklärt der Studienleiter.

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Symptomatisch für diese Entwicklung sind die in der Marktstudie festgehaltenen Kriterien, nach welchen die befragten Kunden ihre Beratungsdienstleistungen auswählen. Während bei den multinationalen Grosskonzernen nach wie vor die Resultat-Orientierung als wichtigstes Argument im Vordergrund steht, setzen KMU bei den Beratern eine hohe soziale Kompetenz sowie Integrationsfähigkeit als bedeutende Eigenschaften voraus. «Das heisst nicht, dass KMU die messbaren Resultate vernachlässigen», hält Busin fest. Der «Return on Consulting» sei in diesem Kundensegment ausgeprägt und setzt beim Berater tiefergehende Kenntnisse der Firma und ihres Umfelds voraus.

Die Consulting-Branche ist also gefordert, diesem Profil der Beratung Rechnung zu tragen. Busin: «In der Beraterbranche ist die innere Erneuerung systemimmanent und unterliegt einer ständigen Blutauffrischung. Neue Beratertypen mit innovativen Ideen sind dabei ebenso wichtig wie die permanente Weiterentwicklung der Methoden und Ansätze.» Sicher ist: Gerade im Umgang mit KMU mit ihren oft kurzen Entscheidungswegen ist vom Berater heute ein hohes Mass an Flexibilität gefragt.

Grosse und Kleine profitieren

Vom Wachstum des KMU-Nachfragemarktes können derweil nicht alle Beratungsfirmen im gleichen Masse profitieren. Wichtigste Treiber der letztjährigen Umsatzsteigerung waren die 20 gröss- ten Schweizer Unternehmensberatungsfirmen mit einem durchschnittlichen Umsatz von 50 Mio Fr. Sie haben ihren Marktanteil weiter auf 76% (2006: 75%) sowie den Umsatz auf 996 Mio Fr. steigern können. Zulegen konnte auch das Segment von kleineren Unternehmensberatungen mit ein bis zehn Mitarbeitenden, von denen es in der Schweiz mittlerweile rund 530 gibt.

Krisenresistente KMU-Nachfrage

Auch für diese Entwicklung gibt es für Busin eine plausible Erklärung. Für die Bewältigung von neuen globalen Herausforderungen werde bei KMU mit Vorliebe auf global operierende Partner zurückgegriffen, die über entsprechende Erfahrungen verfügen. «Das sind in der Regel die grossen, internationalen Unternehmensberatungen.» Zusätzlich könne der Wirkungsgrad der externen Berater mit gezieltem Know-how optimiert werden. «Diese Nischen werden wiederum optimal von kleinen und kleinsten Beratungsunternehmen abgedeckt.» Trotz dieser Polarisierung geht die Marktstudie davon aus, dass sämtliche Beratungsunternehmen künftig weiter zulegen können. Der Wachstumstrend wird sich gemäss der Befragung von Kunden und Beraterfirmen wie die Konjunktur gegen 2009 und 2010 verlangsamen.

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Auch in diesen Zeiten dürfte das wachsende Standbein der KMU-Kunden für die Branche Gold wert sein. Busin: «Während der Auftragsbestand vonseitens Banken und Versicherungen als Folge der Finanzkrise eher stagniert und eventuell etwas zurückgehen dürfte, erweist sich die Nachfrage im klassischen KMU-Bereich als besonders (finanz)kri-senresistent.»