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CS-Banker Iqbal Khan ist auf der Erfolgsspur

Iqbal Khan: Stets «content-driven». Guenter Bolzern

Iqbal Khan, Chef der Internationalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse, mischt die Branche auf. Nach zwei Jahren bei der Grossbank sind die Kritiker verstummt.

Von Stefan Barmettler
am 22.02.2017

Logisch, wieder einer dieser Berater mit bunten Folien. Einer dieser Quereinsteiger, die zuvor nie eine Hypothek verkauften, nie im Banking eine Fronteinheit führten. Und obendrein keine vierzig Jahre alt. Die Finanzwelt war bass erstaunt, als Iqbal Khan im September 2015 als neuer Chef der Internatio­nalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse präsentiert wurde. Khan – who?

Heute, bald zwei Jahre später, sind die meisten Kritiker verstummt. Sogar für Leute, die zur Grossbank ein zwiespältiges Verhältnis haben, ist er eine gute Wahl. Er gilt als zupackend, smart, kompetent – und als begnadeter Darsteller und Motivator.

In der Presse taucht er selten auf

Er hält sich im Hintergrund, Interviews mit ihm haben Seltenheitswert. Die wenigen Male, die er in der «Financial Times» oder im «Wall Street Journal» auftauchte, sorgten für Gesprächstoff.

Mal mokierte er sich über die Ineffizienz der Branche – «totally shocked» sei er gewesen; mal kündigte er an, Kunden mit unversteuerten Geldern – «black sheep» – aus der Bank vertreiben zu wollen.

Es wird nicht gefackelt

Heute lässt er lieber die Zahlen sprechen; sie sprechen für ihn. 20,5 Milliarden Franken sind seiner Division in den letzten zwölf Monaten an Kundenneugeldern im Private Banking und Asset Management zugeflossen.

Die Bank ist in der globalen Vermögensverwaltung wieder eine Topadresse, nachdem man beim Vertreiben der «schwarzen Schafe» den Abfluss von 5,7 Milliarden in seiner Division hinnehmen musste. Klar, im Vergleich zum Primus UBS ist die Credit Suisse mit 734 Milliarden Franken im Wealth Management bloss ein Halbstarker, aber beim Neugeldzufluss und bei der Rendite zeigen die Pfeile bei der CS nordwärts, jene bei der UBS nach unten.

Sein Stil kommt gut an

Der «Blitzaufsteiger der Branche» («Bilanz») spürt Rückenwind. Er selber sieht sich als Möglichmacher und setzt auf partizipatives Führen. Sein Wir-Stil kommt selbst bei den Divas mit den gros­sen Kundenportfolios an. «Alle Beteiligten haben ein ureigenes Interesse, dass wir reüssieren», ist er überzeugt. Doch er kann auch ganz anders: Als neuer Chef der Vermögensverwaltung wechselte er zwei Drittel der direkt Unterstellten aus.

Es wird nicht lange gefackelt. Nicht nur die Konkurrenz, auch CEO Tidjane Thiam sitzt ihm im Nacken und verlangt bis 2018 eine Verdoppelung beim Vorsteuergewinn. Eine höchst anspruchsvolle Vorgabe im aktuellen Marktumfeld. Herausfordernd, aber machbar, sagt der Chef, der sich stets am Upside orientiert. Im regulatorischen Wildwuchs, im Tiefzinsumfeld und bei risikoaversen Kunden muss er die Kosten radikal senken – und gleichzeitig investieren.

Zauberwort «Emerging Markets»

Seinen Fokus legt er auf die Emerging Markets im Mittleren Osten, in «Emerging Europe» und in Lateinamerika. In diesen Teichen fischt freilich die gesamte Konkurrenz; Bank of America, Morgan Stanley oder die UBS. Letztes Jahr warb er die­ser in Mexiko ein 25-köpfiges Team ab; in Saudi Arabien plant er, noch dieses Jahr mit einer Onshore-Präsenz loszulegen.

Man wächst im Mittleren Osten mittlerweile zweistellig. «Wir gewinnen Markt­anteile – ich sehe nicht, weshalb es nicht so weitergehen soll», sagt Khan. Die Credit Suisse hat beste Verbindungen in die Region: Der katarische Staatsfonds und der saudische Unternehmerclan Olayan sind die wichtigsten Aktionäre der Bank.

Einer der Hoffnungsträger

Im strategischen Blueprint von CEO Tidjane Thiam sind Iqbal Khan und Thomas Gottstein die grossen Hoffnungsträger. Während Gottstein die Schweiz-Einheit auf einen Börsengang trimmt, muss Khan die Bank als globalen Vermögensverwalter stärken.

Was das Set-up pikant macht: Beide sind Kandidaten für einen Karrieresprung – und beide sind aufei­nander angewiesen. Denn ihre Aufgaben überschneiden sich. Der hochrentable Handel ist auf Geheiss der Finanzmarktaufsicht Finma nicht in Gottsteins Schweiz-Bank angesiedelt, sondern mehrheitlich bei Khan. Derweilen wird der Gewinn aus dem Handel zwischen Khan und Gottstein aufgeteilt.

Ein Netz von Verträgen regelt die Zusammenarbeit

Das Schweizer Asset Management wiederum rapportiert nicht an Gottstein, sondern ist – wie das globale Asset Management – Kahn unterstellt. Ein Netz von Verträgen soll Serviceleistungen und Kompetenzen zwischen beiden regeln.

Die Turbolader der neuen Credit ­Suisse sind divers: Hier der promovierte Ökonom Gottstein, ein gestandener Investmentbanker, der früher nie das Rampenlicht suchte. Dort Khan, der den Auftritt liebt, wahlweise deutsch parliert oder englisch oder – noch lieber – beides zusammen. Am Investor Day in London letzten Herbst tigerte er im Stil eines Keynotespeaker übers Podium und zog die Finanzanalysten in den Bann.

Die Inkarnation des globalen Schweizer Managers

Geschliffene Eloquenz, robustes Selbstvertrauen, feines Tuch, positive Denke – Khan ist die Inkarnation des globalen Schweizer Managers. Überall wittert er Chancen, keine Herausforderung ist ihm zu gross. Dümpelt die Aktie, ist dies kein Anlass zum Verdruss, sondern eine prima Gelegenheit für den Kickstart.

Einen harten Neubeginn erlebte er im zarten Alter von zwölf Jahren. Als der Sohn eines Unternehmers aus Karatschi und einer Schweizerin aus Rohrbach BE in Pakistan die Primarschule besuchte, standen die Zeichen auf Sturm. General Zia-ul-Haq zog ein Terrorregime auf und liess Widersacher Zulfikar Ali Bhutto hängen. Ende der 1980er Jahre verliess die Familie das unruhige Land und übersiedelte in die zweite Heimat, die Schweiz.

Lust auf das Neue

Der Junge aus der vibrierenden Mil­lionenstadt, der von einer Baseball-Karriere am US-Spitzencollege träumte, fand sich nun im wenig mondänen ­Dübendorf ZH wieder. Dort lernte er Deutsch, schaffte die Sekundarschule und nahm anschliessend eine KV-Lehre bei der Revor Treuhand in Angriff.

Sein Trumpf waren weniger die Schulnoten, sondern das Englisch – und seine Lust auf alles Neue. Als Lehrmeister René Fitzi im Ferrari Testarossa zur Fabrikbesichtigung und zur Testfahrt nach Maranello aufbrach, sass der tempobegeisterte Stift auf dem Beifahrersitz und stoppte die Rundenzeit.

Jüngster diplomierter Wirtschaftsprüfer

Doch er wollte mehr. Berufsbegleitend bildete er sich zum eidgenössisch diplomierten Treuhänder (SCT) weiter, zum diplomierten Wirtschaftsprüfer (CTA), zum zertifizierten Finanzanalysten – und vor fünf Jahren holte er als EY-Partner noch einen Advanced Master in internationalem Wirtschaftsrecht (LLM) an der Uni Zürich.

Zügig ging es auch auf der Karriereleiter nach oben. Mit 26 Jahren jüngster diplomierter Wirtschaftsprüfer der Schweiz, mit 31 Jahren jüngster Partner bei EY Switzerland, und mit 39 Jahren zweitjüngstes Konzernleitungsmitglied der Credit Suisse.

Prestigemandat bei der UBS

In Erinnerung hat man ihn auch beim Konkurrenten UBS. Jahrelang war EY-Berater Khan nämlich Auditor der Bank, ein Prestigemandat, das Millionen an Honoraren einbrachte – und ihm persönlich ein breites Netzwerk und den Einblick in den Maschinenraum der Bank. Daneben sass er mit den Streithähnen Pierin Vincenz und Herbert Scheidt im Vontobel-Verwaltungsrat.

Auch mit der Credit Suisse war die ­Beratungsfirma EY mit ihrem Banken-Frontmann Khan im Geschäft. Man beriet in den Bereichen Investment Advice und im Risikomanagement. Kompetent sei er gewesen und habe stets Klartext geredet.

Seine direkte Art kam an

Die unverblümte Art kam an. 2013 holte ihn Hans-Ulrich Meister, damals Co-Chef Private Banking und Schweiz-Chef, als CFO ins Private Banking. Der Berater, der nun zum Banker wurde, sah sich nie als blosser Verwalter von Zahlen, sondern redete überall munter mit.

Mit dem Aufstieg in die CS-Konzernleitung ist sein Eifer nicht geschwunden. Erstaunlich ist bei geschätzten 70-Stunden-Wochen immerhin: Als Streber ­würde ihn keiner der Weggefährten beschreiben. Er selber sagt, sein Werdegang sei stets «content-driven» gewesen. Überaus ambitioniert, das schon, aber nicht verbissen, erinnert sich einer. Khan beziehe stets seine Ferientage – und bei Firmenevents, die in einer trendigen Bar enden, sei er einer der letzten.

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