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Vergütung
CS-CEO Thiam erhält 12 Millionen trotz Riesenminus

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat letztes Jahr 11,9 Millionen Franken verdient - obwohl seine Bank einen Milliardenverlust hinlegte. Der Verwaltungsrat lobt die Arbeit des Konzernlenkers.

Veröffentlicht am 24.03.2017

Die Credit Suisse hat ihren Chef Tidjane Thiam im vergangenen Jahr mit weniger Geld überhäuft als im Vorjahr. Insgesamt kassierte der Franko-Ivorer 7 Millionen Franken weniger als 2015, als er der bestbezahlte Schweizer Konzernchef war. Allerdings hinkt der Vergleich.

Denn bei seinem Amtsantritt im Juli 2015 hatte Thiam von der CS eine millionenschwere Kompensation von über 14 Millionen Franken für entgangene Boni bei seinem vorherigen Arbeitgeber, der britischen Versicherung Prudential, bekommen. Diese trieben seine Gesamtvergütung für 2015 auf 18,9 Millionen Franken in die Höhe.

Nummer zwei in Europa

Damit war Thiam nicht nur der bestbezahlte Topmanager der Schweiz, sondern auch die Nummer zwei in Europa. Mehr verdient hatte nur Rakesh Kapoor vom britischen Konsumgüterriesen Reckitt Benckiser mit 20,85 Millionen Euro.

Eigentlich hätte Thiam beinahe gleich viel kassieren können. Er hatte sich allerdings selber den Bonus wegen der schlechten Leistung der Bank um knapp 2 Millionen Franken gekürzt.

Happige Verluste

Und so bekam Thiam ohne das «goldene Begrüssungsgeld» im 2015 für sein erstes halbes Jahr an der Spitze der Grossbank einen Lohn von 4,57 Millionen Franken. Nun sind es für sein erstes volles Jahr als CS-Chef 11,9 Millionen Franken im Jahr 2016, wie die Credit Suisse am Freitag in ihrem Geschäftsbericht bekannt gab. Davon sind 3,68 Millionen Franken fixe Gesamtvergütung. 

Dabei erlitt die Credit Suisse auch im vergangenen Jahr wieder einen happigen Verlust von 2,71 Milliarden Franken. Das ist nur etwas weniger als das Defizit von 2,94 Milliarden Franken aus dem Jahr 2015.

Sünden aus der Vergangenheit

Grund für den erneuten Absturz in die tiefroten Zahlen waren wie im Vorjahr Altlasten. 2015 war es eine Wertberichtigung, die Thiams Vorgänger Brady Dougan hinausgeschoben hatte. Ein Jahr später wurde die Grossbank von den US-Behörden zur Zahlung von insgesamt 5,3 Milliarden Dollar verdonnert, weil sie vor 2007 unter der Leitung Dougans Anlegern in den USA marode Hypothekenpapiere angedreht hatte.

Operativ sei die Bank dagegen in beiden Jahren profitabel gewesen, hatte Thiam vor kurzem in einem Interview gesagt. Das heutige Management für die Altlasten zahlen zu lassen, wäre kein guter Ansatz, rechtfertigte er den Anstieg des Bonustopfs fürs Personal.

Lob für Thiams Arbeit

Für seine Arbeit erhielt der CS-Chef Lob vom Verwaltungsrat. Er habe in seinem ersten vollen Amtsjahr Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie der Gruppe erzielt. So habe Thiam erhebliche Anstrengungen zur Senkung der Kosten unternommen. Die Einsparungen hätten die Ziele übertroffen.

Ferner habe Thiam zur Stärkung der Kapitalbasis der Grossbank beigetragen, wenn man die milliardenschwere Busse des US-Justizministeriums wegen der windigen Hypotheken herausrechne, hiess es im Geschäftsbericht. Thiams Führungsqualitäten seien solide, sein Vorgehen umsichtig und massvoll.

Engagement «verdient Anerkennung»

«Seine durchgreifenden Änderungen auf Managementebene und sein persönliches Engagement zur Beilegung bedeutender Rechtsfälle aus der Zeit vor seinem Amtsantritt verdienen ebenfalls Anerkennung», hiess es weiter. Auf der anderen Seite habe die Credit Suisse die Ziele beim um Bussen bereinigten Vorsteuergewinn massiv verfehlt.

Dennoch kassierte die 13-köpfige Geschäftsleitung der Bank insgesamt 82,04 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es 80,4 Millionen Franken gewesen, wenn man Thiams «goldenen Handschlag» hinzurechnet und die Zahlung von 1,9 Millionen Franken für entgangene Boni von Personal- und Kommunikationschef Peter Goerke durch seinen Wechsel zur Credit Suisse. Goerke kam ebenfalls von Prudential.

Aktienpaket ist weniger wert

Thiam und Goerke hatten mit ihren Kompensationen für die entgangenen Boni bei Prudential allerdings etwas Pech. Die Aktienansprüche von Thiam, die bei Amtsantritt 14,3 Millionen Franken wert waren, sind mittlerweile nur noch 9,6 Millionen Franken wert. Bei Goerke schrumpfte der Wert von 1,9 Millionen auf 1,1 Millionen.

Beim Verwaltungsrat stieg die Gesamtvergütung von 6,79 auf 7,06 Millionen. Bei Verwaltungsratspräsident Urs Rohner stieg die Summe von 3,23 auf 3,98 Millionen Franken. Rohner hatte im Vorjahr freiwillig auf sein ganzes Vorsitzhonorar von 1,5 Millionen Franken verzichtet. 2016 verzichtete er noch auf die Hälfte, was den Anstieg erklärt.

(sda/mbü)

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