Die Credit Suisse schiesst derzeit medial aus allen Rohren: Nach Konzernchef Brady Dougan verteidigt jetzt Verwaltungsratspräsident Urs Rohner im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» einmal mehr die eingeschlagene Strategie und das umstrittene Investmentbanking. «Wir brauchen keinen Big Bang», betont Rohner und spielt damit auf den massiven Aderlass bei der Konkurrentin UBS im Bereich des Investmentbankings an. 

Allerdings kündigt der CS-Verwaltungsratspräsident an, in diesem Geschäftsbereich weitere Risiken in Höhe von 20 Milliarden Franken zu reduzieren.

In diesem Zusammenhang kann Rohner die Zurückhaltung der Anleger gegenüber der CS-Strategie nicht nachvollziehen: «Wir haben viel früher Risiken abgebaut als die meisten Konkurrenten.» Dabei habe die Bank laut Rohner allein im vergangenen Jahr die Risiken im Investmentbanking um über 100 Milliarden Franken reduziert - «und zwar vollständig, nicht einfach in eine Bad Bank verschoben wie teilweise andere Banken». 

Rohner: CS ist Schweizer Bank

Mit der neuen Strategie und den Restrukturierungen will die Grossbank Kosten einsparen. Wie viele Mitarbeiter dabei über die Klinge springen müssen, will die Credit Suisse jedoch nach wie vor nicht preisgeben. Rohner sagt dazu lediglich: «In den nächsten drei Jahren wird es in unserer Branche zu einem erheblichen Stellenabbau kommen, auch bei uns». 

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Die Kritik an der Auswahl der Führungskräfte - und insbesondere deren Nationalität - kontert Rohner: «Selbstverständlich bleiben wir eine Schweizer Bank. Wir haben ein sehr grosses Schweizer Geschäft», so Rohner. Und: «Der Hauptsitz der Bank ist hier.»  

Der VR-Präsident äussert sich indes ebenfalls zur bevorstehenden Abstimmung im deutschen Bundesrat zum Steuerabkommen mit der Schweiz. «Wie die Abstimmung ausgeht, weiss ich nicht, aber es (Anm. der Red.: das Steuerabkommen) wäre aus meiner Sicht für alle Beteiligten eine sehr gute Vereinbarung».

Bei diesem Thema kann sich der CS-Chef denn auch einen Seitenhieb in Richtung Deutschland nicht verkneifen: «Es kann doch nicht sein, dass in Zukunft die Regierung eines befreundeten Landes deliktisch erworbene CDs kauft oder gar zum Diebstahl anstiftet, um an Daten heranzukommen». 

(muv/vst)