Die Empörung über den Deal zwischen Daniel Vasella und seinem derzeitigen Arbeitgeber Novartis lässt nicht nach.

Jetzt nimmt auch Christophe Darbellay zum Konkurrenzverbot des scheidenden Novartis-Chefs Stellung und geht dabei mit dem Topmanager hart ins Gericht. «Ich kann das nicht nachvollziehen», sagt der CVP-Präsident. Ein Konkurrenzverbot nach so vielen Jahren habe doch «mit Werten zu tun», so Darbellay im Gespräch mit «Handelszeitung Online». Darüber hinaus ist es dem Parlamentarier ein «Rätsel», dass für ein solches Konkurrenzverbot gleich 72 Millionen Franken nötig seien. 

Mit der Kritik an Daniel Vasella steht CVP-Präsident Christophe Darbellay nicht allein da - im Gegenteil: Auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga machte im Interview mit «Handelszeitung Online» ihrem Ärger über das Verhalten des Novartis-Lenkers Luft. «Was kann man dazu sagen? Solche Zahlen wie im Falle von Herrn Vasella machen auch mich sprachlos». 

Darbellay: Widerspruch in Vasellas Aussage

Hintergrund der Debatte: Vergangene Woche wurde publik, dass Daniel Vasella nach seinem Abgang beim Schweizer Pharmariesen Novartis sechs Jahre lang je maximal 12 Millionen Franken als Entschädigung erhalten wird. Der Manager wird die Summe aber erst dann erhalten, wenn er sich an vorher fixierte Bedingungen hält. Darunter fallen ein Konkurrenzverbot und die Weitergabe seines Know-Hows an das Unternehmen Novartis. 

Allerdings betonen Novartis wie auch Vasella, dass der Manager den «Nettobetrag» nach dessen Erhalt «vollständig für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung» stellen wird. Christoph Darbellay hält diese Beteuerungen für glaubwürdig. «Wenn er das versprochen hat, glaube ich ihm».

Nichtsdestotrotz bleibt in den Augen des CVP-Präsidenten mit den Aussagen von Daniel Vasella ein fahler Nachgeschmack zurück. «Warum hat er die Summe entgegengenommen», wenn er diese sogleich wieder spende, fragt Darbellay.

Grübel rechnet mit Abstimmungsniederlage 

Die Forderung nach Konsequenzen kann der Parlamentarier daher nachvollziehen und ermutigt die Novartis-Aktionäre in ihrem Bestreben, die Vereinbarung zu Fall zu bringen und rechtliche Schritte gegen Daniel Vasella und Novartis zu prüfen.«Ich kann verstehen, dass sie das tun möchten. Sie sind schliesslich die wahren Eigentümer von Novartis». 

Bereits rechtliche Schritte eingeleitet hat der Zürcher Anwalt Hans-Jacob Heitz. Der Kleinanleger-Verteidiger wirft dem Pharma-Konzern ungetreue Geschäftsbesorgung und unwahre Angaben in kaufmännischem Gewerbe vor.

Derweil hat selbst der erfahrene Parlamentarier erkannt, dass die Abstimmung nach dem «Fall Vasella» nur noch schwer zu gewinnen ist. «Der Vorfall war sicher nicht hilfreich», sagt Christophe Darbellay.

Diese Befürchtung wird von Oswald Grübel geteilt. Im Gespräch mit «Handelszeitung Online» will sich der ehemalige Konzernchef von Credit Suisse und UBS zu Daniel Vasella zwar nicht äussern. Dennoch geht der einstige Topbanker davon aus, dass der Bundesrat mit dem indirekten Gegenvorschlag beim Stimmvolk Schiffbruch erleiden wird. «Ich glaube, die Initiative wird auf die eine oder andere Art durchgehen. Das ist ein Nachteil für unser Land, weil sich der Staat in das Privatrecht der Unternehmer einmischt». 

Sommaruga ruft zur Besonnenheit auf

Economiesuisse-Direktor Pascal Gentinetta zeigt sich gegenüber «Handelszeitung Online» ebenfalls wenig optimistisch: «Es ist jetzt mit Sicherheit schwieriger, die Stimmberechtigten zu überzeugen, dass der Gegenvorschlag die bessere Lösung gegen solche Exzesse ist.» Einmal mehr werde verständlicherweise über Wut und einen Lohnexzess gesprochen, die konkreten Forderungen und Auswirkungen der Initiative blieben aber im Hintergrund. «Mit einer Wut-Abstimmung schneidet sich die Schweiz aber letztlich ins eigene Fleisch», glaubt Gentinetta, denn die Initiative schade der Volkswirtschaft, den Pensionskassen und damit jedem Einzelnen.

Auch Simonetta Sommaruga weiss, dass die Abzocker-Initiative bei der Bevölkerung grossen Rückhalt geniesst. Die Justizministerin ruft das Schweizer Stimmvolk dazu auf, Ruhe zu bewahren. «Der Bundesrat versteht die Verärgerung und auch das Bedürfnis, ein Zeichen gegen die Abzockerei zu setzen. Symbole in unsere Verfassung hineinzuschreiben - um danach aber festzustellen, dass Milliardenboni bei Unternehmen mit Milliardenverlusten nach wie vor möglich sind; das ist der falsche Weg».

Diesen düsteren Abstimmungsaussichten zum Trotz, wird CVP-Präsident Christophe Darbellay nicht müde, weiterhin für den indirekten Gegenvorschlag zu werben. «Die Sachlage zeigt die gravierenden Lücken der Minder-Initiative. Nicht einmal Thomas Minder hätte den Fall Vasella stoppen können». Der indirekte Gegenvorschlag biete hingegen den Aktionären die Möglichkeit, überrissene Löhne und Boni zurückzufordern. 

Rückendeckung erhält Darbellay dabei von Justizministerin Simonetta Sommaruga: «Der indirekte Gegenvorschlag sieht vor, dass die Aktionäre das Vergütungsreglement verabschieden müssen - und in diesem Reglement lassen sich - wenn dies die Aktionäre wünschen - Lohnobergrenzen festsetzen oder Boni verbieten, wenn die Firma Verlust macht». Diesen Passus habe das Parlament einstimmig verabschiedet. 

 

Politische Reaktionen auf die Vasella-Millionen:

 

Hans-Jacob Heitz reicht Strafanzeige ein:

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