Gratulation! Sie haben zig Bewerber ausgestochen und sich Ihren Traumjob geangelt. Jetzt aber fiebern Sie der nächsten Herausforderung entgegen. Der erste Tag in der neuen Firma rückt näher und mit ihm brennende Fragen: Wie nehmen mich die Kollegen auf? Wen kann ich fragen, wenn ich Hilfe brauche? Wie bekomme ich heraus, wer wirklich etwas zu melden hat? Und soll ich gleich sagen, dass ich den Firmenauftritt im Internet altbacken finde?

«Neueinsteiger sollten zunächst zurückhaltend sein», empfiehlt Urs Kaufmann von der Luzerner S&B-Praxis für Berufs- und Lebensgestaltung. Denn: «Wer neu ins Unternehmen kommt, betritt ein Schiff mit einer bestehenden Crew. Bevor man lossegelt, sollte man wissen, woher der Wind weht.» Neue Mitarbeiter tun gut daran, zuerst den Betrieb und seine Arbeitsabläufe kennen zu lernen, und sie sollten die Firmenkultur und die Spielregeln respektieren. Anstelle von «Hoppla, jetzt komm ich» ist es klüger, den Status quo zu akzeptieren, sich erst einmal anzupassen und in Ruhe das Terrain auszukundschaften, auf dem man sich künftig bewegt.

Vorgesetzte als Verbündete

«Seien Sie dabei freundlich, neugierig und offen. Zeigen Sie, dass Sie sich für das Unternehmen und seine Mitarbeiter interessieren», rät Peter Gisler, Laufbahnberater und Coach aus Uster. Mit dieser Einstellung gelinge es leichter, Sympathien und Wohlwollen der neuen Kollegen zu gewinnen. Denn eines ist klar: Kommt jemand neu ins Team, muss er sich anstrengen. Der oder die Neue ist schliesslich auf die erfahrenen Kollegen angewiesen, und deren Hilfsbereitschaft und Vertrauen müssen erarbeitet werden.

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Jene Neulinge, die sich um eine gute Zusammenarbeit bemühen, erleichtern sich den Einstieg. Sie werden schneller akzeptiert und integriert. Kluge Einsteiger machen dabei ihren direkten Vorgesetzten zum Verbündeten. «Er ist die wichtigste Person im neuen Unternehmen und entscheidet, ob man die Probezeit übersteht», sagt Urs Kaufmann. Der direkte Vorgesetzte ist daran interessiert, dass sich neue Mitarbeiter bewähren, er hat sie ja schliesslich mitausgesucht. Und so gesehen muss man auch keine Sorge haben, anbiedernd zu wirken.

Wer hat wie viel Einfluss?

Wie aber finden Neulinge heraus, wessen Wort im Kollegenkreis wirklich Gewicht hat und wo die Aussenseiter hocken? Im Zweifelsfall empfiehlt sich auch hier: «Zurückhaltend sein, beobachten, auf den Bauch horchen und sich davor hüten, zu rasch über die Kollegen zu urteilen und sie in Schubladen zu stecken», rät Peter Gisler. Dies sei vor allem dann gefährlich, wenn man sich ausschliesslich von Sympathie und Antipathie leiten lasse.

Auch sollten sich neue Mitarbeiter von Platzhirschen und Wortführern nicht zu schnell beeindrucken oder einschüchtern lassen. Und sich schon gar nicht auf Machtkämpfe einlassen. Lieber erst analysieren, wie viel Einfluss die «vermeintlichen Alphatiere» wirklich haben, sagt Urs Kaufmann. Dazu kann man sich bei einem Arbeitskollegen erkundigen. Bei einem, der schon länger in der Firma ist, die Hierarchien kennt – und dem man trauen kann.

Fazit: Neue Mitarbeiter, die ein paar Regeln beherrschen und auf ihre Intuition vertrauen, müssen den Jobeinstieg nicht fürchten. Aber Vorsicht: Es gibt ein paar sichere Methoden, sich schon am Anfang unbeliebt zu machen. «Eine davon ist Besserwisserei», warnt Urs Kaufmann. «Wer schon am dritten Tag erklärt, was alles anders gemacht werden muss, darf sich nicht wundern, wenn ihn die Kollegen bei der erstbesten Gelegenheit auflaufen lassen» (siehe Box in der nächsten Spalte).

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