Novartis-Präsident Daniel Vasella kritisiert die restriktive Vergabe von Arbeitsbewilligungen für Nicht-EU-Bürger durch die Schweizer Migrationsbehörden. Gemäss Recherchen der Zeitung «Der Sonntag» schilderte er kürzlich an einem Parlamentarieranlass in Bern, wie sein Unternehmen daran scheiterte, einen türkischen Mitarbeiter in die Zentrale nach Basel zu holen. Der Akademiker hätte dort ein zehnköpfiges Controlling-Team leiten sollen. Doch das Bundesamt für Migration lehnte die Arbeitsbewilligung im Oktober 2011 ab – mit der Begründung, Novartis könne die Stelle ebenso gut einem Schweizer oder einem EU-Bürger anbieten. Das liess sich Novartis nicht bieten. Kurzerhand verlegte der Konzern das ganze Team von Basel nach Boston in den USA, wo der Mann jetzt wie gewünscht als Abteilungschef arbeitet. 

Die gegenwärtige Einwanderungspolitik schade der Wirtschaft und fördere die Abwanderung von Arbeitsplätzen, warnte Vasella. Mit seiner Kritik ist Vasella nicht allein. Es sei in letzter Zeit schwieriger geworden, Nicht-EU-Bürger in die Schweiz zu holen, klagen der Industriekonzern Sulzer und der Liftbauer Schindler. Der Zementhersteller Holcim hat einen ähnlichen Fall erlebt wie Novartis. Die restriktive Politik des Bundes habe die Schweiz bereits etliche Arbeitsplätze gekostet, sagt Ruth Derrer, Geschäftsleitungsmitglied des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

(chb)