Man spricht nicht über Berater, man engagiert sie. Zu diesem Schluss kommt, wer die Kommunikation von Unternehmen zum Thema externe Beratung vergleicht mit deren strategischer Bedeutung für die Konzerne. Weltkonzerne wie Novartis und Credit Suisse möchten sich zu Fragen über den Einsatz von Consultants überhaupt nicht äussern. «UBS arbeitet auf Projektbasis in zeitlich begrenztem Rahmen mit externen Beratern zusammen», heisst es bei der zweiten Grossbank, wo man ebenfalls nicht gewillt ist, weiter auf Details wie Bedeutung, Image oder Honorare von Beratern einzugehen. Andere Grosskonzerne wie Migros oder ABB geben sich ebenso zugeknöpft.

90 Prozent setzten Berater ein

Die Verschwiegenheit korreliert nicht mit der effektiven Bedeutung der Beratungsbranche für die Konzerne. Dies wird von einer aktuellen Studie zum Schweizer Beratungsmarkt, die der Branchenverband Asco (Association of Swiss Management Consultants) publik gemacht hat, nachgewiesen.

Zwar haben die rund 570 nationalen Beratungsunternehmen unter der Wirtschaftskrise gelitten. Ihr Umsatz ist im letzten Jahr um 4% auf 1,25 Mrd Fr. geschmolzen. Vor allem bei Banken, Versicherungen und in der Pharma sind die Beratungsbudgets kleiner geworden. Trotzdem ist die Kundentreue enorm, speziell bei grossen und international ausgerichteten Konzernen. Gemäss der repräsentativen Studie haben im letzten Jahr 90% aller Schweizer Grossunternehmen die Unterstützung von Beratungsunternehmen in Anspruch genommen. Das sind mehr als 2008 (76%).

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Preis- und Leistungsdruck

Dass der Gesamtumsatz für externe Beratung dennoch zurückgegangen ist, hängt mit einem deutlich selektiveren Einsatz von Consultants sowie einem starken Preisdruck in der Branche zusammen. Die Honoraransätze der Berater sind im Krisenjahr 2009 durchschnittlich um 5% gesunken.

Für weniger Geld müssen die Berater derweil mehr Leistung bringen. Bei der Vergabe eines Beratungsmandats orientieren sich gemäss der Studie über 25% der Kundenunternehmen an der fachlichen Kompetenz des Beraters. Dieser Wert hat sich gegenüber der letzten Erhebung vor Jahresfrist deutlich erhöht. Viel Wert legen 17% der Unternehmen bei der Selektion ihres Consultant nach wie vor auf entsprechende Empfehlungen und Referenzen. Derweil ist die Persönlichkeit des Beraters bei der Vergabe eines Auftrags viel weniger wichtig als früher. Man bleibt nicht mehr jahrelang dem gleichen Berater treu, nur weil man sich eben schon lange kennt.

«Der wichtigste Mehrwert einer Beratung ist, dass punktuell auf externes Fachwissen zurückgegriffen werden kann», heisst es dazu etwa bei der Migros. Da spielen persönliche Beziehungen weniger eine Rolle. «Wir setzen Berater für klar spezifizierte Einsätze und Themen ein, deren Umfang und Ziele definiert sind», lautet die Devise bei Kuoni. Je nach Anforderung wird dabei auf unterschiedliche Berater zurückgegriffen. Die Fachkompetenz ist dabei wichtiger als Sympathie und Persönlichkeit.

2010: Erholung und Wachstum

Gefragt waren im letzten Jahr vor allem Sparprofis. Es standen bei den Unternehmen mehrheitlich Massnahmen zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung im Vordergrund.

Der grösste Anteil der Nachfrage fiel dabei mit 15% auf Strategieberatungen im Online- und IT-Bereich, gefolgt von Beratungen für Unternehmensstrategien (11%) sowie Projekte in den Bereichen Finance & Controlling und Business Process Outsourcing (je 10%).

2010 ist der Fokus auf ähnliche Themen gerichtet, allerdings stehen wieder stärker Wachstumsprojekte auf dem Programm. Dies dürfte sich in einem wieder verstärkten Einsatz von externen Beratern niederschlagen.

Zwar äussern sich die befragten Unternehmen wie erwähnt nicht zu Zahlen. Die Beratungsbudgets seien 2010 gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben, heisst es beim Reisekonzern Kuoni wie auch bei ABB. Von den Grossbanken, Novartis und Migros sind nicht einmal quantitative Tendenzen zu erfahren.

Mehr Erkenntnisse liefert die Studie. Für 2010 rechnet der Co-Studienleiter Roberto Busin auch bei den Umsätzen wieder mit einem Wachstum für die Beratungsbranche. «Wir gehen von einer Zunahme um 4% auf 1,3 Mrd Fr. aus und würden damit wieder auf dem Niveau von 2008 ankommen», so das Asco-Vorstandsmitglied.

Hauptsächliche Wachstumstreiber dürften die im Vorjahr zurückhaltenden Banken, Versicherungen und Pharmakonzerne sein. Von unveränderten Beratungsbudgets geht die Studie für den Detailhandel, die Konsumgüterindustrie und den öffentlichen Sektor aus.