Auf der Karriereleiter ganz oben stehen immer noch sie: heterosexuelle, weisse Männer. Frauen haben es bekanntlich oft schwer. Aber auch manche Männer treffen auf Vorurteile. Bernd Schachtsiek* ist einer von ihnen: Der Unternehmer hat sich erst spät als homosexuell geoutet. BizzMiss hat er erzählt, wie er sich den Respekt seiner Mitarbeiter erarbeitet hat – und welche Rolle Firmenchefs spielen, wenn es um Vielfalt und Diversity im Job geht. 

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«Das Klima in einer Firma wird von oben vorgegeben», sagt Bernd Schachtsiek. Wie mit Homosexuellen, mit Behinderten und auch mit Frauen in einem Unternehmen umgegangen wird, liegt also in den Händen der Führung. «Da braucht es ein klares Bekenntnis», meint er.

«Seinen Mann im Berufsleben gestanden»

Bernd Schachtsiek ist homosexuell. Er hat sich erst spät geoutet, da war er schon 32. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit zehn Jahren verheiratet und hatte einen fünfjährigen Sohn. Mit 32 verliebte er sich dann das erste Mal in seinem Leben so richtig in einen Mann. So aufrichtig er seine Frau geliebt hatte: Jetzt erkannte er, wie viel Macht Liebe entfalten kann, wenn der richtige Mensch vor einem steht.

Mit Anfang 30 hatte er seinen «Mann im Berufsleben schon gestanden», wie Schachtsiek es nennt. Er war Juniorchef in der Firma seines Vaters und hatte sich unermüdlich hochgearbeitet. «Junior-Chefs haben es schwer, die müssen doppelt so hart arbeiten», meint Schachtsiek und macht eine Pause. «Wie Frauen übrigens auch.»

Aufklärung ist wichtig

Für Schachtsiek gibt es ein Vorher und ein Nachher – er weiss, wie es ist, wenn man als heterosexueller Mann wahrgenommen wird und was passiert, wenn man sich dann outet und die Kollegen wissen, dass man homosexuell ist. «Plötzlich ist man mit diesen ganzen Klischees konfrontiert», sagt er. «Dass Schwule eine völlig freie Sexualität praktizieren würden, dass sie schamlos sind und dass sie allesamt schmuddeligen Analverkehr haben.»

Wenn es um Vorurteile gegenüber Homosexuellen geht, ist Aufklärung in der Firma wichtig und auch die wird von oben angestossen. Wenn sich die Führung bekennt, folgen die Mitarbeiter. «Am Ende ist es doch reine Gewöhnung», sagt Schachtsiek.

Diversity ist mehr als nur Frauen- oder Behindertenförderung

In vielen börsenkotierten Konzernen wird das bereits gut umgesetzt, hat er beobachtet. «Für sie ist Diversity schon lange mehr als nur Frauen- oder Behindertenförderung.» Nachholbedarf sieht er aber noch im Mittelstand: «Für sie ist die Sexualität ihrer Mitarbeiter reine Privatsache. Aber es geht ja nicht um das, was im Bett geschieht, sondern ob ich am Montag offen vom Wochenende, vom Urlaub berichten kann», sagt Schachtsiek.

Wenn Sexualität privat ist, dann sieht die Lebenswirklichkeit eben ein wenig anders aus. Das sollte man wissen – besonders als Führungskraft.

Schachtsiek ging damit so souverän wie möglich um. «Ich wollte kein Doppelleben führen und meine Mitarbeiter belügen, sie sollten von meiner Homosexualität wissen», sagt er. Zwar ist die Sexualität eines Menschen privat – doch das ist sie nur theoretisch. «Wenn eine Führungskraft nicht authentisch ist, stolpert sie darüber viel eher als über ihre Homosexualität», ist Schachtsiek überzeugt. Seine Strategie von Anfang an: Offen damit umzugehen.

*Bernd Schachtsiek ist seit fast 15 Jahren beim Völklinger Kreis aktiv, einem Netzwerk für schwule Führungskräfte. Er war sechs Jahre Vorsitzender. Der Völklinger Kreis arbeitet eng mit den Wirtschaftsweibern zusammen, einem Netzwerk für lesbische Managerinnen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Bizzmiss – das Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance.