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Das letzte Wort vom Management-Vater

Der Begründer des modernen Managements starb vor zwei Jahren. Und doch gilt er auch in aktuellen Umfragen immer noch als die unbestrittene Nummer eins unter den Management-Denkern. Jetzt ist ein noch

Von Axel Gloger
am 07.11.2007

PETER DRUCKER. Wer ist der Management-Denker mit dem grössten Einfluss? Das fragt laufend Winfried Weber, Professor für Soziales Management der Hochschule Mannheim. Mittels des Online-Wahlverfahrens wird abgestimmt – aber dessen Ergebnis ist fast langweilig: Peter Drucker steht hartnäckig auf Platz eins, mit grossem Abstand vor seinen Verfolgern Hermann Simon und Fredmund Malik. Der Grand Old Man des Managements hat immer noch die geistige Lufthoheit, auch fast zwei Jahre nach seinem Tod dauert die Dominanz unverändert an.

Da verwundert es nicht, dass der 95-Jährige noch in seinem letzten Lebensjahr einen Coup vorbereitet hat, dessen Früchte wir jetzt ernten: Es gibt noch einmal ein neues Buch von Peter Drucker, es ist nach Jahrzehnten hochproduktiven Schaffens das Werk Nummer 40. Für sein Projekt hatte sich der Urvater der Management-Denker eine Verbündete auserwählt: Einer ehemaligen Partnerin bei McKinsey, der Unternehmensberatung, diktierte er seine Gedanken. Elizabeth Haas Edersheim formte aus dem Material das Vermächtnis, es trägt den Titel «The Definitive Drucker. The Final Word from the Father of Modern Management», ins Deutsche übersetzt ist es seit kurzem auf dem Markt als «Alles über Management» (siehe Fussnote).

Wertschätzung und Zuwendung

In seinem finalen Opus fährt Drucker noch einmal seine geistigen Stammstrecken ab. Im Jahr 1966 war er mit einer neuen Idee gekommen, mitten in der höchsten Blüte des Industriezeitalters malte er die Zeichen des Umbruchs an die Wand. «Die wichtigste Ressource für Wertschöpfung ist Wissen», sagte Peter Drucker damals und führte ein, was heute im Management geläufig ist: Moderne Angestellte werden als Wissensarbeiter bezeichnet. Wettbewerbsvorsprung entsteht nicht mehr durch die schnellere Maschine, sondern durch überlegenes Wissen.Auf diese Einsichten baut der Urvater der Management-Denker in seinem neuen Buch: Für jede Organisation sei es entscheidend, die richtigen Mitarbeiter an der richtigen Stelle zu haben. Manager sollten nicht an den Schwächen ihrer Untergebenen herumdoktern, sondern ihre Stärken zur Blüte führen. «Jeder Mitarbeiter sollte mit den Mitteln ausgestattet sein, die ihm effektives Wirken ermöglichen», fordert der gebürtige Wiener. Dazu gehört auch, dass der Zugang zum für die Arbeit nötigen Wissen gesichert ist. Wissensarbeiter brauchen Ausbildung und Training und, für Drucker ebenso wichtig, Ermutigung, Wertschätzung und Zuwendung – ein Punkt, der in der hektischen Leistungsgesellschaft allzu oft vergessen wird.Ein anderes grosses Thema ist Innovation. Der Vordenker legt hier eine hohe Messlatte – innovativ ist, was neue Märkte schafft, die ein Unternehmen für sich erobern kann. Nicht der noch grössere PC-Bildschirm zählt, sondern ein völlig neuer Nutzen, den es so bislang noch nicht gab. Starbucks ist ein Beispiel für diese Praxis: Was der Kunde hier zusammen mit seinem Becher 1A-Kaffee kauft, ist der Zugang zur ausgelagerten Version seines Wohnzimmers. Einsichten wie diese enthält das neue Buch zuhauf. Es lässt ein grosses geistiges Werk noch einmal Revue passieren. Jeder Leser, der sich zu den Wissensarbeitern zählt, wird das Buch gern zur Hand nehmen. Es enthält eine reichhaltige Sammlung von Fragen, Anekdoten und Empfehlungen, die so klar und eingängig formuliert sind, wie es den meisten jüngeren Management-Autoren noch kaum gelang.

Keine Biographie

Mit dem Buch bestätigt Drucker ein letztes Mal seinen Status als Guru der Gurus. «Mein Held», titulierte Michael Hammer, Erfinder des Reengineering, das grosse Vorbild. Tom Peters, der bekannte Management-Entertainer, witzelt: «Er hat dasselbe gesagt wie ich. Nur ist es Peter Drucker drei Jahrzehnte früher eingefallen als mir.» Auch andere der heute noch Aktiven saugen Nektar beim Altmeister: Hermann Simon, der Pricing-Papst und Entdecker der Hidden Champions, besuchte Drucker regelmässig und pflegte den Austausch. Auch Fredmund Malik rühmt sich der freundschaftlichen Beziehung zu dem Wahl-Kalifornier.Vermissen wird mancher Leser an dem Buch zweierlei. Edersheim ist nicht Drucker, ihre Schreibe ist gut, aber ihr fehlen der Schliff und die Weltklugheit des grossen, alten Denkers. Überdies vertut das Alter Ego die Chance, dem Leser etwas über den Menschen Peter Drucker zu sagen. Gelegenheit dazu hätte es reichlich gegeben, denn das Duo Denker-Schreiberin hat viele Stunden gemeinsam verbracht. Nur an einigen wenigen Stellen lässt Edersheim durchscheinen, was für eine reiche Persönlichkeit Drucker war. Über sie hätte der Leser gerne noch mehr erfahren.

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