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Neue Arbeitsformen
Das mobile Büro

Das Bild illustriert auf abstrakte Weise den digitalen Datenstrom.

Flexible Jahresarbeitszeitmodelle, Netzwerktechnologien, Cloud-Computing sowie projektbezogenes Arbeiten ermöglichen das mobile Büro, unabhängig von Ort und Zeit.

Von Daniel Stoller-Schai
am 07.05.2013

Der Tag beginnt damit, ins Büro zu gehen. Das heisst, ich starte meinen Computer – egal wo ich bin – und logge mich über den Web-Browser in das Wiki meines Unternehmens ein. Schon bin ich im Büro. Mehr braucht es nicht. Denn die ganze Firma ist ein Wiki, auf das alle Angestellten Zugriff haben und auf das von überall her zugegriffen werden kann. Damit wird das gesamte Unternehmen, also alle 29 Mitarbeitenden, zu einem virtuellen Netzwerk, das auch mit seinen Partnern verbunden ist.

Klar, es gibt auch richtige Büroräumlichkeiten. Das ehrwürdige Altstadthaus inmitten von Bern mit Blick auf den ­Zyt­glogge-Turm und die Büroräumlichkeiten inmitten der Baustellen von Zürich West. Beide Orte haben ihren besonderen Charme und sind wichtig, für die Projektmeetings, die gemeinsamen Mittagessen und die kreativen Teamsitzungen. «Im Büro sein» bekommt aber in einer virtuellen Organisation eine neue Bedeutung.

Mobiles Arbeiten wird – bedingt durch mobile Technologien und Cloud-Computing einerseits und neue Arbeitszeitregelungen anderseits – immer beliebter und wird darum auch mehr praktiziert und eingefordert. Laut Studien, die im Rahmen des Home Office Day (siehe Kasten) erstellt worden sind, wünschen zwei Drittel der Arbeitnehmer die Möglichkeit zur Arbeit von zu Hause. Doch nur 23 Prozent haben diese Option tatsächlich, heisst es im Schlussbericht «Ressourcenimpact neuer Arbeitsformen» des Bundesamts für Energie.

Der Mobile Worker des 21. Jahrhunderts löst damit den Knowledge Worker der 1990er-Jahre ab. Das Home Office ist dabei aber nur eine der möglichen Varianten, wo Arbeit stattfinden kann und oft auch nicht die beste. Das Arbeiten in den eigenen vier Wänden, im Kontext von ­Familie oder anderen Beziehungen, ist oft nur schwer abtrennbar. Das mobile Büro manifestiert sich deshalb auch auf dem Arbeitsweg, in der Flughafenlounge, im Café um die Ecke oder in einem Drive-in-Büro.

Alle Daten verfügbar

Die Stärken und Vorteile eines mobilen Büros liegen darin begründet, dass jederzeit von überall her alle Daten verfügbar sind. Man ist «always on» und sehr schnell darüber informiert, was gerade läuft und woran andere Teammitglieder arbeiten. Dies ermöglicht auch, dass eine Arbeitsaufgabe mit einer geeigneten Lokalität ­abgestimmt werden kann. Das Konzept für ein neues Projekt wird zuhause geschrieben, die Mails im Zug beantwortet, und eine Offerte wird in einer ruhigen Ecke des Büros bearbeitet, in der sich auch andere Firmen eingemietet haben. Auf ­einen Nenner gebracht, gehe ich nicht ins Büro, sondern das Büro kommt zu mir oder, noch besser, das Büro kommt mit mir mit.

Für diese Flexibilität muss leider auch ein Preis bezahlt werden. Der Unterschied zwischen Arbeits- und Privatzeit verschwimmt, der schriftliche Koordina­tions­aufwand in Projekten nimmt zu, da man sich nicht schnell eine Information über den Arbeitstisch zurufen kann, und das mobile Büro will auch ganz konkret mitgetragen sein. Nebst dem leichten, eleganten Subnotebook hat man eine ganze Tasche voll an Akkuladegeräten, Kabeln und Adaptern dabei. Wird etwas davon vergessen, dann kann die Firmenpräsentation ins Wasser fallen oder die Arbeit ­endet mitten auf der Zugfahrt, weil kein Strom mehr verfügbar ist.

Weitere kritische Punkte betreffen ­Datensicherheit und Mitarbeiterführung. Wenn immer mehr Daten online verfügbar sein müssen, bedingt dies ­einen Zugang zu diesen ­Daten – sei es über einen Cloud-Dienstleister oder die firmeneigenen Server. ­Zugangsdaten können gestohlen oder erspäht werden, mobile Arbeitsgeräte ­abhandenkommen. Auf diese Szenarien muss sich ein Unternehmen vorbereiten. Mitarbeiterführung verändert sich ebenfalls. Sein Team im Auge behalten ist für einen Teamleiter im mobilen Büro kaum mehr möglich. Hier sind minutiöse Terminplanungen, die Protokollierung der Arbeitsstunden und die Dokumentation der eigenen Arbeiten, zum Beispiel im Wiki, zwingend. Vor allem aber ist Vertrauen in die Mitarbeitenden gefragt. Nur wenn die Firma darauf vertraut, dass die mobilen Mitarbeitenden sich an die ­Regeln der virtuellen Zusammenarbeit halten, ist diese Form der Arbeit möglich.

All das erfordert sehr viel Selbstdisziplin und Selbstorganisiertheit. Nicht alle Mitarbeitenden können und wollen damit umgehen. Es braucht ein gewisses Mass an Gelassenheit und Stressresistenz, um sich immer wieder an neue Situationen anzupassen. Manch einer wünscht sich den eigenen Arbeitsplatz an der gleichen Adresse zurück.

Digitale Nomaden

Die Chancen überwiegen, trotz dieser Risiken und Schwierigkeiten. Wenn mobile Technologien zur Verfügung stehen, werden sie auch genutzt. Firmen haben sich organisatorisch darauf einzustellen und ihren Mitarbeitenden diese Möglichkeit anzubieten. Firmen können je nach Auftragslage dynamisch wachsen, indem weitere virtuelle Projektmitarbeiter, die global verteilt sein können, ad hoc in die Firmenorganisation eingebunden werden. Die Erfahrungen, die im mobilen Büro gesammelt werden, können auch zu neuen ­Produkten und Dienstleistungen führen, die wiederum Kunden anzubieten sind. Dies ist nur in der konkreten Selbstanwendung möglich. Aus diesem Grund ist das mobile Büro auch eine Investition in die Zukunft.

Bewusst abschalten

Wenn der Arbeitstag zu Ende geht, hat es sich bewährt, den Mail-Eingang möglichst geleert zu haben und die geleisteten Stunden auf Projekte oder andere Kostenstellen gebucht zu haben. Bewusst das Smartphone zur Seite legen und auf dem heimischen Computer auch kein Firmenmail einrichten schützt davor, nicht rund um die Uhr verfügbar zu sein. Auch der digitale Nomade braucht Zeiten, in denen er runterfährt und sich aus dem Netz ­abmeldet. Nur so ist eine längerfristige ­gesunde Balance zwischen Arbeits- und Privatleben einzuhalten.

Daniel Stoller-Schai, Leiter Bereich Unternehmen und Mitglied der Geschäftsleitung, Lernetz, Bern.

Home Office Day: Tipps für den Arbeitgeber

Am 13. Juni 2013 findet der vierte Schweizer Home Office Day statt. Diese Tipps helfen bei der Umsetzung:

  • Klären sie, wer an diesem Tag von ­zuhause arbeiten will und wer nicht.
  • Gibt es Bedenken wegen der technischen Seite des Home Office? Stellen sie sicher, dass ihr Team Zugriff auf die benötigten Kommunikationsmittel hat.
  • Wenn sie in ihrem Team neue Formen der virtuellen Kommunikation ausprobieren möchten, machen sie sich damit vorab vertraut, beispielsweise in einem Team-Meeting, bei dem auch gleich alle sehen können, wie es geht.
  • Terminieren sie für den Home Office Day ein virtuelles Meeting – eine gute Möglichkeit, sich an diese Form der Kommunikation zu gewöhnen.

Quelle: www.homeofficeday.ch

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