Mit rund 12000 Mitgliedern in der ganzen Schweiz dürfte die Schweizerische Kader Organisation SKO das wohl grösste Netzwerk für Kader und solche, die es werden wollen, darstellen. Diese Stellung hat sich der vor 115 Jahren als Werkmeisterverband gegründete Verein nach einigen Rückschlägen in den letzten Jahren sukzessive erobert, nachdem es ihm gelungen ist, den «Stallgeruch» vom Büezer im blauen Gwändli loszuwerden.

Inzwischen erzielt die SKO grosse Erfolge damit, den Verband von unten neu zu strukturieren und zu organisieren. Ein beträchtlicher Teil der SKO-Mitglieder ? die zuvor oft als Einzelmitglieder registriert waren ? ist heute in allen Sprachgebieten organisiert, die professionell arbeiten und attraktive Programme aufstellen.

Die SKO setzt dabei vor allem auf das Ausbildungs- und Weiterbildungsangebot in Zusammenarbeit mit Schulen und Partnerinstituten, an die hohe Anforderungen gestellt werden ? wie die AKAD, das Schweizerische Institut für Betriebsökonomie SIB in Zürich, die Siemens-Academy, die KS-Kaderschulen Zürich-Flughafen und St.Gallen, Boa Lingua BusinessClass ? Sprachtrainings im Ausland, Klubschule Migros, ABB Technikerschule und weitere, von deren Angebot die Mitglieder zu Top-Konditionen profitieren können. Verbandspräsident Rolf Büttiker erinnert an die immer neuen Herausforderungen, vorangetrieben durch den raschen technologischen, gesellschaftlichen und politischen Wandel, im Immigrations- und Migrationsbereich, in einer immer multikultureller werdenden Arbeitswelt vor dem Hintergrund der Globalisierung, was zu grossen Veränderungen führt, denen sich alle Kader stellen müssen.

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Was die SKO bis heute erreicht hat, ist eine Erfolgsstory, deren Entwicklung besonders in den letzten Jahren ein Hochseilakt war. Denn schliesslich ist die SKO nicht ein Klub mit einer klar ausgerichteten homogenen Zielgruppe, sondern versteht sich als das branchenübergreifende Forum aller Kader, die sich in ihrem Unternehmen für eine verantwortungsbewusste und nachhaltige Entwicklung einsetzen.

Erfolgreich im Sandwich

Die Mitglieder kommen heute zu rund 70% aus dem Dienstleistungssektor (Banken, Tourismus, Ausbilder- und Pflegeberufen) sowie aus der Industrie und dem Gewerbe.

Zur SKO gehören auch nationale Berufsgruppen wie zum Beispiel die Schweizer Bauleiter Organisation. Unter den Begriff Kader fallen Arbeitnehmer genauso wie Arbeitgeber. Aus der Sicht des Verbandspräsidenten Rolf Büttiker ist dies eine Sandwich-Position mit manchmal nicht ganz einfachen Lösungen. «Wir haben schon politisch wie auch anderswie Stellung genommen. Wenn es uns richtig erscheint, für die Arbeitnehmer, aber auch auf Seite der Arbeitgeber. Wir finden uns hier im Spannungsfeld dieser Interessen, da beide Seiten Mitglieder sind.»

Das stelle hohe Anforderungen an die Organisation, die täglich mit beiden Seiten konfrontiert sei. Daher haben für die Programm-Verantwortlichen Bildung, Ausbildung und Weiterbildung mit dem Erfahrungs- und Wissenstransfer über alle Branchen hinweg höchste Priorität.

Was die Mitgliedschaft neben der Weiterbildung aber ebenso attraktiv macht, ist vorrangig der Aufbau eines Beziehungsnetzes an Abend-Seminaren und SKO-Trend-Shops.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Mitgliedschaft keine Präsenzvorschriften vorschreibt, wie das in Serviceklubs meistens der Fall ist. Rolf Büttiker führt den wachsenden Erfolg auch auf den besonderen Reiz zurück, dass sich Kader aus allen Bereichen, Angestellte oder Arbeitgeber treffen und austauschen ? und nicht einer einzigen Branche oder Interessengruppe angehören.

Den Quantensprung vollzogen

Wenn sich heute bis 120 Mitglieder anlässlich eines SKO-Leader-Circle in der futuristisch gebauten Börse SWX Swiss Exchange im Convention Point versammeln, um bei spannenden Podiumsgesprächen über aktuelle Entwicklungen in der Wirtschaft dabei zu sein, wird der Quantensprung vom einstigen Werkmeisterverband zur dynamisch und professionell geführten Kaderorganisation besonders deutlich.

Die SKO-Leader-Circles gehören zu den Highlights im Angebot der SKO und werden gemeinsam mit der «Handelszeitung» durchgeführt. Wenn es nach den Podiumsdikussionen über beispielsweise «Verhandlungssache Saläre» ? der Anlass findet am 24. September statt ? oder Dauerthemen wie «Networking» oder die «Abzockerei-Initiative» ? mit der die SKO durch die Unterstützung der Initiative Minder auch politisch Wellen schlug ? am Stehbuffet zur Sache geht, wird Networking in Reinkultur betrieben.

In allen Sektionen laufen zusätzlich oft rasch ausgebuchte SKO-Trendshops mit Themen wie Ressource Energiekompetenz, Wunschtraum leerer Schreibtisch, Erfolgreich durch Beziehungen oder Richtig fragen ? besser Verhandeln. Nicht zu kurz kommen soziale Events wie Sektionsreisen an den Genfersee, Betriebsbesichtigungen, Chlausabende, Familientreffen oder Treberwurstessen.

Dass eine Mitgliedschaft bei der SKO heute so gefragt ist, führt Geschäftsführer Urs Meier auch auf das branchenübergreifende Netzwerk zurück, bei dem eine gewisse Lockerheit und Unverbindlichkeit spielt, die viele stark beanspruchte Menschen sehr anspricht. Und doch sind sie nach Urs Meiers Beobachtung keineswegs nur zahlende Mitglieder, die selten zu sehen sind, sondern vermehrt «proud to be a member of SKO-Networking».

nachgefragt

«Unkompliziertheit und Freiheit als Rezept»
Urs Meier ist Geschäftsleiter der Schweizer Kader Organisation SKO in Zürich.

Worin besteht der Reiz, in einem 12000 Personen umfassenden Netzwerk, dem Kader aus den unterschiedlichsten Berufen angehören, Mitglied zu wer- den? Sind die Veranstaltungen überhaupt noch überschau- bar?

Urs Meier: Im Unterschied zu klassischen Service- oder Wirtschaftsklubs, wo sich stets dieselben Leute treffen, besteht der Reiz gerade in der immer wieder wechselnden Teilnehmerschaft aus einem Pool von 12000 Mitgliedern. Im Gegensatz zu Grossveranstaltungen ist beispielsweise der SKO-Leader-Circle mit rund 100 Teilnehmenden immer gut überblickbar. Man findet die gewünschte Person mit Sicherheit, da wir mit Namensetiketten und Teilnehmerlisten arbeiten.

Der Einstieg in den SKO ist ohne grosse Hürden möglich. Erleichtert das den Entschluss, Mitglied zu werden?

Meier: Alle Führungskräfte und Fachexperten, welche das Leitbild der SKO unterstützen, können mit Bezahlung des Mitgliederbeitrags in die SKO eintreten. Da sich die SKO als offenes Kadernetzwerk versteht, gibt es keine weiteren Hürden.

Genauso zwanglos wie der Einstieg erweist sich auch die Form des Miteinanders. Kann man da trotzdem Beziehungen aufnehmen und vertiefen?

Meier: Wir sind überzeugt, dass die offene und unkomplizierte Form und die Freiheit, an Veranstaltungen teilzunehmen, wann und wo jemand Lust dazu verspürt, Teil unseres Erfolgsrezeptes ist. Selbstverständlich wird auch bei uns die Tiefe der Beziehungen durch aktive Teilnahme entwickelt.

Die SKO widmet dem Problem «Lohnschere zwischen Mann und Frau» grosse Bedeutung. Gibt es da bereits Erfolge?

Meier: Wir kämpfen generell für faire und transparente Lohnsysteme. Dazu gehört, dass wir uns für eine Schliessung der Lohnschere einsetzen. Nach verschiedenen Untersuchungen ist das bei jüngeren Leuten glücklicherweise langsam der Fall.

Zeigen SKO-Mitglieder ähnlich wie die Mitglieder von Service-klubs auch ein soziales Engagement?

Meier: Mit dem SKO-Leitbild und den daraus abgeleiteten Richtlinien für SKO-Mitglieder wird mehr an das Verantwortungsbewusstsein und die Ethik jedes Einzelnen appelliert. Natürlich ist es aber den regionalen Gruppen unbenommen, soziales Engagement mit entsprechenden Aktionen zu fördern.

Haben Sie mit 12000 Mitgliedern bereits die Decke erreicht oder will sich die SKO weiter steigern?

Meier: Wir sind überzeugt, dass wir ein theoretisches Potenzial von mehr als 300000 Kadern in der Schweiz haben. Auch wenn bekannt ist, dass sich dieser Personenkreis weniger gern in Verbänden organisiert als zum Beispiel Eisenbahner, haben wir noch ein rechtes Potenzial für Wachstum. Das betrifft auch die Frauen: Erfreulicherweise ist jedes vierte Neumitglied eine Frau, womit wir den Anteil der Frauen innert zehn Jahren von 4 auf 15% steigern konnten.