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Der Bayer mit der handwerklichen Ader

Mit dem Waschtechnik-Unternehmen Schulthess leitet er die Geschicke eines Unternehmens, dessen Aktienkurs nur eine einzige Richtung kennt: Nach oben. Der Selfmademan findet, dass es nichts gebe, was s

Von Mélanie Knüsel-Rietmann (TEXT)susann basler (FOTOS)
am 17.10.2007

ARTUR RODECKER. Es fällt nicht schwer, sich Artur Rodecker in Krachledernen vorzustellen. «Wenn ich ab und zu in den Biergarten gehe, trage ich sie schon», sagt der gebürtige Bayer aus Franken. Und ein paar Mass Bier lägen bei einem solchen Treffen mit alten Kumpels schon drin. Wie viele genau, will er partout nicht sagen. Seiner Figur nach zu urteilen, dürften es nicht mehr als vier sein. Oder hängt es einfach damit zusammen, dass er nur gelegentlich in seiner Heimatstadt Kulmbach auftaucht?

«Ich bin halt dauernd auf Achse», sagt er, aber ohne Unterton des Bedauerns. Dieser Rhythmus scheint ihm zu gefallen. Auch heute kommt er gerade vom Flughafen. «Muss ich noch aufräumen?», fragt Rodecker scheinheilig, als er bemerkt, dass die Fotografin nicht nur ihn, sondern auch sein Arbeitsumfeld ablichtet. Seit Mai 2006 ist er CEO der Schulthess-Gruppe, deren Aktienkurs letztes Jahr um 133% und heuer bereits um 50% zugelegt hat. Genauso wenig Zeit wie zum Besuch im Biergarten hat er Musse zum Einrichten seines Büros, das er von Firmengründer Rudolf Kägi übernommen hat, der sich auf das Verwaltungsrats-Präsidium zurückgezogen hat. Eine Golfleidenschaft wird ihm daher zu Unrecht unterstellt. «Diese Plastik stammt noch von Rudi Kägi», sagt Rodecker. Er selbst hält es lieber mit dem Bergsteigen. Damit ist das Bild des Bajuwaren komplett. Oder doch nicht? Ganz und gar nicht. Rodecker wirkt nicht jovial, sein Dialekt ist nicht sehr breit und seine Gesten sind spärlich. Fühlt er sich in der Schweiz wohl? «Sehr sogar. Aber ich wusste ja, was mich erwartet, denn ich bin mit diesem Land schon viele Jahre geschäftlich verbunden», sagt er und spielt auf seine frühere Zeit als Mitbegründer der deutschen Wärmepumpen-Spezialistin Alpha-Innotec an, die heute voll in die Schulthess-Gruppe integriert ist. Kägi, der die Gruppe erfolgreich führte, hatte rechtzeitig erkannt, dass sich der Markt für Waschmaschinen nahe an der Sättigungsgrenze bewegt. Seine Stossrichtung bei der Diversifikation bewies sich als richtig: Er entschied sich für das Start-up-Unternehmen Alpha-Innotec. Kägi war nicht der Einzige, der auf dieses blühende Unternehmen aufmerksam wurde. «Aber zwischen ihm und VR-Mitglied Andrea Malär entstand bei unserer ersten Begegnung sofort ein Klima des Vertrauens», blendet Rodecker ins Jahr 2000 zurück, als die Alpha-Innotec in die Sparte Wärme-Kältetechnik der Schulthess-Gruppe integriert wurde, die Rodecker bis zur Stabsübergabe leitete.

Mit Starkstrom gestartet

Mit einem Umsatzwachstum von 187% und einem Ebit, der um 213% zugenommen hat, überrundete dieser Unternehmenszweig 2006 erstmals jenen der Waschtechnik. In den vergangenen Jahren hat die von Rodecker gegründete Alpha-Innotec jedes Jahr die Wachstumsziele überholt. Die Voraussetzungen für eine Vervierfachung der Kapazitäten sind bereits geschaffen worden.Rodecker ist nicht mit dem Silberlöffel im Mund geboren worden und wusste nur eines: «Ich wollte schon als kleiner Bub Elektroingenieur werden.» Vorbild war sein Vater, der diesen Beruf ausübte und offenbar so begeistert von seiner Aufgabe war, dass er den Sohn mit seinem feu sacré ansteckte. «Er wollte immer selbständig werden, aber dieser Wunsch blieb ihm versagt.» Dafür hat es sein Filius geschafft, allerdings nicht in der Direttissima. «Daran habe ich früher gar nicht gedacht», sagt er. Beinahe wäre Rodecker Profi-Fussballer geworden. Kurz vor dem Fachhochschulstudium musste er zwischen diesen beiden Laufbahnen entscheiden. Heute bereut er seine Wahl keine Sekunde. Die Liebe zum Elektrotechnischen hat jene zum runden Leder überdauert. Wenn er als Jugendlicher nicht gerade auf dem Fussballplatz war, werkelte er zu Hause. «Halt alles, was mit Handwerk zu tun hat», sagt er, auf die Früchte seiner Hobbys angesprochen. Dass er leidenschaftlicher Seifenkistenbauer war, ist noch nichts Besonderes. Dass er Elektromotoren und Transformatoren wickelte, aber auch tapezierte, malte und reparierte, ist schon aussergewöhnlicher, wenn man bedenkt, dass diese Schaffensperiode in die zarte Jugendzeit fiel. «Später habe ich ein Haus gebaut, bei dem nur der Rohbau nicht von mir errichtet wurde», erzählt er, als ob das die normalste Sache der Welt sei. Dass er bei Einstellungen auf Erfahrung von der Pike auf achtet, lässt sich rasch erklären. Rodecker ist überzeugt, dass profundes Fachwissen nur auf diese Weise angeeignet werden kann. «Wenn gute Ideen in die Praxis umgesetzt werden müssen, soll ein Techniker in der Lage sein, diesen Prozess zusammen mit den Leuten zu realisieren, ihre Sprache zu sprechen und ihre Denke zu kennen. Das lernt man nicht an der Universität. Daher habe ich eine Lehre als Starkstrom-Elektriker gemacht. Dann besuchte ich die Fachhochschule, und mit 23,5 Jahren trat ich bereits meine erste Stelle an.»

Harte Zeiten

Die wichtigste Weiche für seine Zukunft wurde mit einem Entscheid gestellt, der riskant war. Während seiner Zeit als Elektroingenieur bei einer von Siemens verkauften Tochtergesellschaft ging es darum, die damals noch kleine Sparte Wärme-Kältetechnik weiter auszubauen. Doch das neue Mutterhaus setzte auf Elektroheizungen, was sich später als Stumpengleis herausstellen sollte. «Mittlerweile war erstmals nach 16 Jahren Rot-Grün an die Macht gekommen. Die Prioritäten wurden anders gesetzt», erzählt Rodecker. Das Wohlwollen für die umweltfreundliche Wärme-Kältetechnik wurde immer grösser. Doch man wollte trotzdem nicht mehr Mittel flüssig machen. «Mein damaliger Kollege und Freund Heinz Weggel und ich beschlossen, im Wärmepumpenbereich einen eigenständigen unternehmerischen Weg zu gehen. Das war ein Schritt, den wir uns lange überlegen mussten.»Die beiden benötigten 2,5 Mio DM und mussten sich bis über alle vier Ohren verschulden. «Kein eigenes Haus mehr, keine Lebensversicherung, nichts mehr als den Willen und eine Technik, an die wir glaubten.» Wichtig war für ihn, dass die Familie bereit war, ihm ins Abenteuer «management go out» – wie er es bezeichnet – zu folgen. Die wichtigsten Kunden der Alpha Innotec befanden sich schon damals in der Schweiz, wo die Sensibilität für diese Produkte und der Erfolg entsprechend gross waren. Bereits zwei Jahre nach dem eigenen Start war ein Marktanteil von 6% gewonnen. Wie erwähnt hat sich die Schulthess-Spitze für die Aktivitäten von Alpha-Innotec als zweites Standbein interessiert. «Nie hätte ich mir – angesichts des Risikos, das wir damals eingingen – träumen lassen, einmal CEO dieser Gruppe zu werden», sagt Rodecker und man nimmt es ihm ab. Schade nur, dass sein Vater den Werdegang des Sohnes nicht mehr erleben konnte. «Aber er hat mir den Willen, einmal selber über meine beruflichen Geschicke zu bestimmen, eingeimpft», sagt Rodecker nachdenklich.«Ich habe in keinem Land der Welt so viele freundliche Menschen angetroffen. Selbst bei härtesten Gesprächen und Auseinandersetzungen geraten die Schweizer nicht aus der Fassung und sagen sogar unangenehme Dinge auf eine höfliche Art und Weise.» Könnte es allenfalls sein, dass das alte Sprichwort, wonach es aus dem Wald so echot, wie man hineinruft? Rodecker wirkt immer aufgeräumt und fröhlich. Er lacht gerne und hat ein Gesicht, das Vertrauen erweckt. Mit seinen stahlblauen Augen sieht er sein Gegenüber offen an, ohne es kritisch zu mustern. Auch fragt er zwischendurch ganz unverschämt. «Wozu wollen Sie denn das schon wieder wissen?

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1989–1996

1999

2000–2003

Seit 2006

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