1. Home
  2. Management
  3. Der Cheflohn ist eine Frage der Grösse

Lohnstudie 2013
Der Cheflohn ist eine Frage der Grösse

Illustration: Brigitta Garcia Lopez

Die Schweizer Kadersaläre steigen erneut. Doch nur die wenigsten Chefs verdienten zwölfmal mehr als ihre Niedrigstverdiener.

Von Thomas Pfister
am 14.08.2013

Das hätte sich Daniel Vasella wohl nie träumen lassen. Gerade er wird zum unfreiwilligen Vorkämpfer für verhältnismässigere Löhne. Das Negativbeispiel des Ex-Novartis-Chefs hat nicht nur der Abzocker-Initiative Auftrieb verliehen, sondern auch die Befürworter der 1:12-Initiative bestärkt. Selbst nach seinem Ausscheiden werfen Vasellas 5-Millionen-Honorar und seine Berater-Tagessätze von 25'000 Franken in breiten Kreisen ein schiefes Licht auf Kadermitarbeiter und ihre Bezüge. Dabei würden zahllose Unternehmensleiter ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie sich ganze zwölfmal mehr auszahlen liessen als ihre Mitarbeitenden mit dem niedrigsten Lohn erhalten.

Denn «Top-Kader» bedeutet nicht automatisch Top-Verdiener und schon gar nicht Abzocker. Dass sich so manches Kadermitglied selbst auf der obersten Führungsebene im Vergleich zu Vasella als Working Poor vorkommen muss, zeigt die neuste, von der Managementberatungs- und Kadervermittlungsfirma Kienbaum und der «Handelszeitung» gemeinsam durchgeführte «Kadersalärstudie 2013».

Spannbreiten innerhalb der Kaderebenen sind riesig

Befragt wurden 429 Firmen. Ein Ergebnis: Die Spannbreiten innerhalb der Kader­ebenen sind riesig. So reichen gemäss der Kadersalärstudie 2013 die Gesamteinkommen auf der obersten Managementebene der Geschäftsleitung von 117'500 Franken bis zu 1,9 Millionen Franken pro Jahr. Zum Vergleich: 117'500 erhält Vasella auch heute noch in weniger als einer Woche.

Doch Kader sind nicht nur die ganz oben. Unter dem Oberbegriff «Mitglieder des Kaders» sind neben der Geschäfts­leitung auch sämtliche Firmenmitar­beitenden mit erhöhter Verantwortung zusammengefasst, also jeder Abteilungsleiter, jede Vorsteherin eines Ressorts, jeder Rayonchef sind Kaderangestellte. In einzelnen Branchen, wie etwa den Grossbanken, zählt mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden zum Kader.

Auf der zweithöchsten Ebene, dem Direktionskader oder Senior Management, reicht die Spanne der Gesamtsaläre von 83'500 Franken bis über eine halbe Million pro Jahr. Das mittlere und untere Management, die Ebenen 3 und 4, bewegen sich je nach Branche, Unternehmensgrösse, Region und weiteren Einflussgrössen zwischen knapp 70'000 und einer halben Million Franken jährlich.

Je grösser das Unternehmen, desto grösser das Salär

Ungeachtet der breiten Streuung der Saläre liegen die Schwerpunkte der Gesamtvergütung bei den Führungskräften der obersten Managementebene bei mehr als 300'000 Franken. Bei den Führungskräften der Senior-Managementebene liegt der Schwerpunkt zwischen 220'000 und 300'000 Franken.

Es gibt zahlreiche Faktoren, welche die absolute Salärhöhe beeinflussen: Neben der hierarchischen Stufe, der Branche, der Ausbildung und der Personalverantwortung (siehe Tabellen rechts) ist die Grösse eines Unternehmens einer der stärksten Bestimmungsfaktoren der Salärhöhe. Das heisst: Je grösser das Unternehmen – gemessen an Umsatz, Beschäftigtenzahl und Bilanzsumme – desto höher fallen die Saläre der Führungskräfte aus.

Entscheidend ist auch die Funktion, die das Kadermitglied innehat. Die internen Funktionsbewertungen können zwar von Unternehmen zu Unternehmen variieren, dennoch zeigt die Kadersalärstudie deutlich, dass es gewisse Funktionen gibt, die im Schnitt mehr einschenken als andere: An der Spitze der Salärrangliste stehen Leiter Recht sowie Riskmanagement und die Niederlassungsleiter. Zu den konstant gut bezahlten Positionen gehören Leiter Marketing, Finanzen und Rechnungswesen sowie Vertrieb. Am unteren Ende der Salärskala rangieren die Leiter Kundendienst, Kundenbetreuung, Arbeitsvorbereitung, Produktionsplanung und Vertriebsinnendienst.

Hoffnung für die Frauen

Nach wie vor entscheidet auch das Geschlecht, wie viel jemand verdient. Die Studie 2013 verzichtet jedoch auf die Vergleichszahl, weil bei der bisherigen Auswertung (2012 verdienten Frauen 21 Prozent weniger als Männer) ausgeblendet wurde, dass neben der Ebene auch Funktion und Erfahrung die Höhe der Vergütung mitbestimmen. Deshalb sei die Zahl für die Lohndiskussion zwischen Frauen und Männern ungeeignet, sagt Kienbaum-Geschäftsführer Alexander von Preen. Er beobachtet jedoch eine verbesserte Situation: «Bei Einstiegsgehältern erkennen wir keinerlei Unterschiede bei gleicher Funktion und Arbeitsvolumen zwischen Mann und Frau. Bei Löhnen von Frauen, die schon länger in entsprechenden Funktionen sind, sehen wir grosse Bemühungen seitens der Unternehmen, eventuell vorhandene Lohnunterschiede zu identifizieren und dann entsprechend – falls vorhanden – anzupassen.»

Frauen sind im Management schweizerischer Unternehmen immer noch stark unterrepräsentiert. Lediglich knapp 8 Prozent der untersuchten Führungskräfte auf der obersten Managementebene und 11 Prozent auf der Senior-Managementebene sind Frauen. In den Führungsfunktionen der mittleren Managementebene liegt der Frauenanteil bei 17 Prozent und auf der untersten Managementebene bei 21 Prozent. Am häufigsten finden sich Frauen mit hohen Leitungsfunktionen in der Personalrekrutierung (53 Prozent), im Personalwesen (49 Prozent) und in der Unternehmenskommunikation/PR (48 Prozent).

Saläre legen um ein bis zwei Prozent zu

Alle erwähnten Saläre beinhalten neben dem Grundlohn auch allfällige variable Bestandteile. Werden die variablen Bestandteile ausgeklammert und nur die Grundlöhne betrachtet, so zeigt sich, dass die obersten Führungskräfte in 61 Prozent der untersuchten Fälle eine Monatsvergütung von über 16'000 Franken erhalten. Bei den Führungskräften der Senior-Manage­ment­ebene liegt der Schwerpunkt der Salärklassen zwischen 10'000 und 18'000 Franken bei insgesamt 76 Prozent der Nennungen.

Bei 78 Prozent der Führungskräfte im mittleren Management liegt das Monatssalär zwischen 8'000 und 14'000 und knapp 80 Prozent der Führungskräfte auf der untersten Managementebene bekommen ein Salär zwischen 8'000 und 12'000 Franken. Die Zuwächse bewegten sich wie im Vorjahr bei 1 bis 2 Prozent.

Die Zahlen zeigen aber auch: Es ist durchaus nicht aussergewöhnlich, dass in einem bestimmten Betrieb ein Ressortleiter mehr verdient als in einer anderen, mit grösster Wahrscheinlichkeit zwar kleineren Firma der Geschäftsführer. Genau so wie Vasella eine absolute Ausnahmeerscheinung ist, gibt es auch Ausnahmen auf der anderen Seite der Skala. So belegt die Untersuchung, dass 0,2 Prozent der Mitglieder der Top-Managementebene einen monatlichen Grundlohn von 4'000 bis 6'000 Franken angeben. Weitere 1,8 Prozent beziehen maximal 8'000 Franken – als oberste Chefs ihres Betriebes.

Anzeige