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Management

Der Mann, der Apple verklagt

David Einhorn verdiente an der Lehman-Pleite und setzt nun Apple unter Druck. (Bild: Bloomberg)

David Einhorn will Apple dazu zwingen, einen grösseren Teil des Konzernreichtums den Aktionären zu überlassen. Der Hedge-Fonds-Chef hat eine Vita, die selbst der Techgigant nicht ignorieren kann.

Von Timo Nowack
am 12.02.2013

David Einhorn sitzt am Finaltisch des Pokerturniers mit dem höchsten Antrittsgeld in der Pokergeschichte. Es ist der 3. Juli 2012. 1 Millionen Dollar hat jeder Teilnehmer gezahlt, nur um mitspielen zu dürfen – jetzt sind nur noch drei übrig. Die Pokerprofis Antonio Esfandiari und Sam Trickett, lässig in kurzen Hosen und Flip-Flop-Latschen. Und David Einhorn, Gründer und Chef des Hedgefonds Greenlight Capital, in Jeans und verspiegelter Brille.

Als Einhorn mit Herz 9 und Herz 7 «all in» geht, also sein gesamtes verbliebenes Geld setzt, und damit den späteren Champion Esfandiari aus dieser Runde drängt, zeigt sich der TV-Kommentator beeindruckt vom einzigen Amateur am Tisch: «Wow, das ist wirklich sehr, sehr stark gespielt von Einhorn. So zu setzen, zeigt eine Menge Können.»

David Einhorn, laut «Forbes» 1,2 Milliarden Dollar schwer, fürchtet weder grosse Einsätze noch riskante Manöver mit drastischen Folgen – am Pokertisch wie in der Finanzwelt. Und er meidet im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen aus der Hedgefonds-Branche nicht die Öffentlichkeit. 

«König der Leerverkäufer»

Jetzt hat der 44-Jährige sich einen wahrlich grossen Gegner gesucht: Mit einer Klage sowie massivem öffentlichen Druck will er Apple dazu bewegen, einen grösseren Anteil der zuletzt 137 Milliarden Dollar Reserven den Aktionären zukommen zu lassen. Einhorns Greenlight Capital hält selbst 1,09 Millionen Apple-Aktien.

Mit was für einem Kaliber Apple es zu tun hat, weiss die Finanzwelt spätestens seit 2008: Im Mai jenes Jahres war Einhorn der Erste, der Lehman Brothers öffentlich scharf kritisierte und eine geschönte Bilanz vorwarf. Als die Bank im folgenden September Insolvenz anmeldete, kassierte Einhorn durch Leerverkäufe von Lehman-Papieren ab – während die Finanzwelt in die Krise stürzte.

Seitdem bekommt Einhorn Spitznamen wie «König der Leerverkäufer» oder «David, der Goliath», die «Financial Times Deutschland» nannte ihn «lächelnden Totengräber». Doch wie immer man ihn auch bewertet, Einhorn ist ein Mann mit Macht: Seine Firma Greenlight Capital verwaltet rund 8 Milliarden Dollar – nachdem er sie im Jahr 1996 mit nur rund 1 Millionen Dollar gegründete hatte.

Einhorns spricht, Kurse fallen

Wie schwer Einhorns Worte wiegen, bekam auch Green Mountain Coffee zu spüren. Noch während er im Oktober 2011 an einer Investorenkonferenz in New York die Probleme des Kaffeerösters ins Visier nahm, stürzte die Aktie an der Nasdaq um 13 Prozent ab. Das Papier verlor danach weiter an Wert, der Hedge-Fons-Chef machte erneut Geld durch Leerverkäufe.

Einhorn soll auch gegen den Euro gewettet haben, die US-Notenbank kritisierte er für ihre lockere Geldpolitik und Microsoft-Chef Steve Ballmer warf er ein «Charlie-Brown-Management» vor und forderte dessen Ablösung.

Auf der anderen Seite tritt Einhorn als grosser Spender auf, etwa für die Demokratische Partei und die J. Fox Foundation, die sich dem Kampf gegen die Parkinson-Krankheit widmet. Sein Pokergewinn in Höhe von mehr als 4,35 Millionen Dollar ging an die Wohltätigkeitsorganisation City Year, die Schülern hilft, einen High-School-Abschluss zu erlangen.

Jungenhaftes Gesicht und sanfte Stimme

Aussehen und Auftreten Einhorns gehen ebenfalls nicht mit seinem teils furchterregenden geschäftlichen Ruf einher – im Gegenteil: Er hat ein jungenhaftes Gesicht und eine sanfte Stimme. Eine Rede vor Investoren im Jahr 2002 begann er mit den Worten: «Ich war ein wenig nervös, vor solch einem Publikum hier zu sprechen.» Daher habe er mit seiner Frau geübt.

Danach nahm Einhorn im Vortrag genüsslich die Finanzfirma Allied Capital auseinander. Es wurde sein erster weit bekannter Leersverkaufscoup – und brachte ihm eine Ermittlung der US-Börsenaufsicht wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation ein.

Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass Einhorn Ärger mit den Behörden bekommt: Anfang 2012 büsste ihn die britische Finanzaufsicht mit 7,2 Millionen Pfund wegen der Verwendung von Insider-Informationen. Einhorn bestritt den Vorwurf,  zahlte aber trotzdem.

Apple kündigt Prüfung an

Für die Kritik an Apple hat Einhorn derweil einen guten Zeitpunkt gewählt: Nach einem Hoch bei über 700 Dollar im vergangenen Herbst kämpft die Aktie des Konzerns derzeit höchstens mit der 500-Dollar-Marke, die Aktionäre sind gebeutelt.

So stürzte eine Aktie für einmal nicht ab, nachdem Einhorn sich zu Wort gemeldet hatte, sondern legte zu. Und Apple teilte umgehend mit, man werde den Vorschlag von Einhorn zur Ausgabe von Vorzugsaktien gründlich prüfen.

 

David Einhorns Pokerauftritt in voller Länge:

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