Der Industriekonzern Sulzer erhält einen neuen Chef. Auf der Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Klaus Stahlmann ist das Unternehmen auf Greg Poux-Guillaume gestossen. Der Franzose wird den Posten als CEO übernehmen und damit Finanzchef Thomas Dittrich ablösen, welcher die Aufgabe mitten in einer für den Konzern wichtigen Umbauphase im Doppelmandat übernommen hatte.

An der Börse brachte die Neuigkeit zwar grundsätzlich positive Kommentare, aber keinen Extra-Schub für die Aktie (+1,1 Prozent). Der Gesamtmarkt legte am Dienstag gemessen am SPI um 2,4 Prozent zu. Auf den ersten Blick scheine es, dass Poux-Guillaume perfekt zu Sulzer und den Interessen der Investoren passe, hiess es unter anderem in Marktkreisen. Die ZKB sieht seine wichtigste Aufgabe darin, wieder Ruhe in die Konzernleitung zu bringen und die Restrukturierungen durchzuziehen.

Sulzer im Umbau

Poux-Guillaume wird seine neue Aufgabe per 1. Dezember 2015 antreten. Er war seit 2011 Präsident und CEO von Alstom Grid und gleichzeitig Mitglied der Konzernleitung von Alstom. Bei Alstom Grid trug er die Verantwortung für einen Umsatz von 4 Milliarden Euro und 20'000 Mitarbeiter, wie Sulzer mitteilte. Davor war er für CVC Capital Partners tätig und wiederum davor bereits mehrere Jahre bei Alstom. Poux-Guillaume verfüge somit über Erfahrung in Sulzers Schlüsselmärkten Öl und Gas sowie Energie, aber auch bei Umstrukturierungen und beim Aufbau globaler Unternehmen.

Anzeige

Diese kann er auch gut für seine neue Tätigkeit gebrauchen, denn Sulzer befindet sich mitten in einem Umbau. Nebst dem schon länger laufenden Sulzer-Full-Potential-Programm wurden in jüngster Vergangenheit verschiedene Restrukturierungsprogramme angekündigt. So soll unter anderem die Kapazität der grössten Division Pumps Equipment reduziert werden, um der schwachen Nachfrage im Öl- und Gasmarkt und in China zu begegnen.

Dittrich als CFO

Gleichzeitig mit der Ankündigung dieser Massnahmen im vergangenen August hatte Klaus Stahlmann überraschend seinen Rücktritt angekündigt, um sich neuen Herausforderungen zu stellen, wie es damals hiess. In der Folge stellte Sulzer noch am gleichen Tag Stahlmann per sofort frei und ernannte Finanzchef Thomas Dittrich interimistisch zum CEO. Dieser wird sich nun künftig wieder auf seine ursprüngliche Funktion konzentrieren.

Stahlmann war im Februar 2012 vom deutschen MAN-Konzern zu Sulzer gestossen und hatte damals Ton Büchner abgelöst, der zur niederländischen AkzoNobel gewechselt hatte. Stahlmann verantwortete mehrere Restrukturierungen, so wurde unter ihm unter anderem auch das Servicegeschäft der Pumpensparte mit jenem für Turbinen zusammengelegt. Eine einschneidende Veränderung für den Konzern war zudem der Verkauf der Oberflächenbeschichtungssparte Metco an OC Oerlikon, was viel Geld in die Kasse spülte – dessen Verwendung noch immer offen ist.

Freude bei Löscher

«Der Verwaltungsrat ist sehr erfreut, dass Greg Poux-Guillaume als neuer CEO zu Sulzer kommt», lässt sich in der Mitteilung VR-Präsident Peter Löscher zitieren. Er bringe Kenntnisse in vielen wichtigen Märkten von Sulzer mit und verfüge über einen Leistungsausweis in der Durchführung von Turnarounds und beim Aufbau von Unternehmen selbst unter schwierigen Marktbedingungen. Diese Kompetenzen seien angesichts der Neupositionierung von Sulzer zentral. Poux-Guillaume selber freut sich gemäss der Mitteilung darauf, die eingeleitete Transformation voranzutreiben.

Anzeige

Der Konzern wird von der Investmentgesellschaft Renova des Russen Viktor Vekselberg kontrolliert. Dieser hatte mit Blick auf eine mögliche Kapitalerhöhung bei Sulzer im August ein Pflichtangebot zum Mindestpreis lanciert. Er erhielt dabei ungewollt viele Aktien angedient und kommt nun auf einen Mehrheitsanteil von knapp 63 Prozent. Die Transaktion muss allerdings noch bewilligt werden, da es zwischen Sulzer und anderen Beteiligungen Vekselbergs kartellrechtlich problematische Überschneidungen geben könnte.

(awp/ise/chb)