Was hat Peter Lorange vor, fragen sich viele. Will er es nochmals wissen? Will er die MBA-Ausbildung neu aufmischen? Vielleicht ein kleines IMD an den Ufern des Zürichsees entstehen lassen? Was hat ihn mit 66 Jahren zu diesem Schritt bewogen, wo er doch eigentlich dem süssen Nichtstun frönen könnte? Beispielsweise in einem norwegischen Fjord fischen oder auf einem Tennisplatz auf den Bermudas dem kleinen Ball nachjagen.

Doch nichts von alledem: Stattdessen spricht er in einem kleinen Sitzungszimmer des traumhaft mit direktem Seeanstoss gelegenen GSBA-Campus darüber, was ihm heute wichtig ist und warum Träume nicht mit 65 aufhören. In dem grossen Foyer ist gerade die Pause zu Ende gegangen und hinter den Studierenden schliesst sich die Türe des hellen Auditoriums. Hier ist Peter Loranges neue Businesswelt. Hier will er Leute treffen, mit Studenten und Kollegen sprechen.

Ein Norweger geht in die Welt

Norwegen liegt zwar geografisch im Abseits, beeindruckt aber mit einer physischen Grösse, betont Lorange. Das Land, das immer durch Schiffsbau und Transport, Segeln und Handeln mit Europa verbunden war, schickte früher viele junge Leute zum Studium ins Ausland. Das erwies sich nicht immer als sehr klug für Norwegen, denn die meisten Studenten kommen nicht mehr zurück. Peter Lorange ist dafür das beste Beispiel. Auch er machte sein Doktorat in Harvard. Warum nicht danach einen Job in den USA suchen? «Ich bekam eine Offerte von der Sloan School von MIT, dann einen Job an der Wharton School.» Später folgte er dem Ruf des Lauder Institute, das in einer Zeit, als die USA ziemlich isoliert waren, gegründet wurde, um den MBA der Wharton School zu internationalisieren. Fast ein Vierteljahrhundert lebte Lorange in den USA, das hat ihn geprägt.

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Geprägt haben ihn auch seine Eltern. Der erste Manager, den er kannte, war sein Vater, damals General Manager für eine Ze-mentfirma in der Nähe von Oslo. Die Familie seiner Mutter war in Schiffsgesellschaften involviert. «Von ihr bekam ich einen Vorgeschmack auf Unternehmertum, Businesszyklen und Märkte.» Ein Mentor war einer seiner Professoren an der Norwegean School of Economics. Viele Jahre später wurde Lorange Präsident der Norwegean School of Management in Oslo.

Zu neuen Ufern

Als Präsident des IMD in Lausanne musste er im April 2008 mit 65 Jahren in Pension gehen. So lauten die Regeln. «Das ist fein, ok. Alle sollten das tun. Ich wollte aber etwas ganz anderes.» Auf die Frage «Warum haben Sie die GSBA übernommen?», antwortet er gutgelaunt: «Als ich mich vom IMD verabschiedete, wollte ich tatsächlich in die Region Zürich kommen, weil es mir da unten etwas zu ruhig war. Nichts gegen die Suisse romande und die herrlichen Weinberge, aber in Zürich gibt es mehr Business und Dynamik.»

Dass Albert Stähli, Gründer und Besitzer der GSBA (Graduate School of Business Administration Zürich), sich seit einiger Zeit nach einem Nachfolger umsah, kam für Peter Lorange im richtigen Moment. Er suchte gerade nach einer Business-Schule, die kleiner als das IMD sein sollte, wenig Bürokratie und eine kleine Fakultät hatte, ideal für seinen Traum, die Entwicklung eines Prototyps einer erfolgreichen Business-Schule der nächsten Generation zu prägen. Der Campus selbst, die Nähe zum Flughafen, alles passte ideal.

Derzeit arbeitet Lorange an einer neuen Strategie, in der die Kundensicht verstärkt einfliessen soll. «Das hier soll eine Business School werden, mehr international, mehr virtuell, ohne statische Fakultät, viel mehr Networking, wo Lernen und Job kombiniert werden.»

Er lacht während des Gesprächs gerne, ein Bonvivant, der Fotograf und Journalistin gleich beim Vornamen nennt und darauf besteht, dass ihn alle Peter nennen sollen. Das war schon so während seiner 15 Jahre als IMD-Präsident, als er den Umsatz von 35 Mio auf 115 Mio Fr. mehr als verdreifachte und bei seinem Abschied im April 2008 auch den vorgefundenen Schuldenberg abgebaut hatte. Angesprochen auf seine grossen Verdienste winkt er ab: «Eine Teamleistung, ich musste einem hochmotivierten Team helfen, nicht den Fokus zu verlieren.» Er liebt Teams und nicht das egoistische «ich, ich». Und hasst Leute, die keine Verantwortung übernehmen wollen.

Die Zeiten, als er noch zwei Sekretärinnen hatte und in einem imponierenden Büro residierte, sind vorbei. «Ich brauche keinen Status und habe hier in Horgen auch kein eigenes Büro mehr», sagt er und meint es ernst. Er schliesst seinen Computer da an, wo er gerade will, ob Bibliothek, Lobby oder Restaurant. Er sei kein Bewunderer von Autoritäten, betont er mit einem vielsagenden Augenzwinkern und macht es sich in einer Lounge gemütlich.

Man sieht ihm an, dass er ein Mensch ist, der alles erreicht hat: Erfolg, Bewunderung, akademische Ehren, erfolgreich auch als Autor von Business-Büchern. Er war ehemals Besitzer einer norwegischen Schiffsgesellschaft und ist auch heute noch als Board Member aktiv in verschiedenen Unternehmen, darunter Zaruma Resources, Preferred Global Health und Seaspan Corporation. Seiner Erfahrung mit Schifffahrt und einer beachtlichen Donation, die Kristian Gerhard Jebsen dem IMD geschenkt hat, ist es zu verdanken, dass er am IMD Lausanne den Kristian Gerhard Jebsen Lehrstuhl für International Shipping innehatte. Gleichzeitig hatte er einen Lehrstuhl bei Nestlé, man nannte ihn den «Nestlé-Professor».

Visionen und Träume

Nun hat er am 27. Juli mit dem Kauf der GSBA Business School seinen jüngsten Sieg gefeiert. Der neue Besitzer und Präsident der GSBA amüsiert sich über Fragen wie: Erwarten Sie, damit Geld zu machen? «Mein Geld ist anderswo gut investiert. Ich glaube nicht, dass die GSBA eine Geldmaschine wird. Ganz im Gegenteil: Ich nehme ein grosses Risiko auf mich, indem ich mein eigenes Geld investiere.» Der Gewinn wird in Saläre, Stipendien und Services fliessen.

Was er mit der GSBA vorhat: «In Harvard scheint man noch immer zu glauben, alle Antworten zu kennen. Das funktioniert so nicht mehr in dieser globalen Welt. Wir sind dagegen enorm viel reicher in dieser kleinen Schule. Wir haben eine gute Basis und können etwas auf demokratische Weise bewegen.» Der Norweger ist fest davon überzeugt, dass es bei GSBA genug Performance gibt, die es ihm ermöglicht, mit einer verstärkten Qualitätskontrolle und der angestrebten Akkreditierung genug Klienten zu bekommen. Die Eckpfeiler sollen auf Virtualität beruhen; statt einer Vollzeit-Fakultät sollen Fakultätsteams zusammengeführt werden. Die Qualitätsansprüche bei Zulassungen und Prüfungen in Lehre und Forschung und im Unterricht sollen optimiert werden.

Peter Lorange ist viel unterwegs. Er wohnt in Küssnacht am Rigi und liebt den Vierwaldstättersee, der ihn an die norwegischen Fjorde erinnert. «Grosse Seen sind wie die Ewigkeit.» Tennisspielen will er, sobald er Zeit hat. Als Fan von Rogerer Federer hat er ihm eine E-Mail geschickt: «I like you.»

Er liebt Skifahren und hat eine kleine Wohnung in Verbier. Als Bewunderer klassischer Musik freute er sich wie ein Kind, als er vor ein paar Monaten endlich ein Ticket für die Mailänder Scala bekam. Um fünf Uhr morgens steht er jeweils auf und schreibt drei Stunden an einem Buch oder Fachartikel, dann erledigt er Telefone und Mails. «Abends lese ich und trinke dazu ein Glas Wein.» Wenn es ihm gelingt, die Erlaubnis für einen Bootsplatz direkt am GSBA-Strand zu bekommen, haben sich Peter Loranges Träume derzeit ganz erfüllt.