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Der von der Rastlosigkeit Getriebene

Der Sonova-Chef kann sich immer wieder für neue Themen und Orte begeistern. Er konzentriert sich auf die Dinge, die ihm am besten liegen und hat «null Hemmungen», zu delegieren. Auch der Humor darf be

Von natalie gratwohl und valentin handschin (TEXT)peter frommenwiler (FOTOS)
am 07.11.2007

VALENTIN CHAPERO. Der Empfangsbereich des Hörgerätekonzerns Sonova zu dem die Hörgerätemarke Phonak gehört in Stäfa am Zürichsee wird von drei Werbeplakaten dominiert. Darauf sind nicht etwa Erwachsene, sondern Kinder zu sehen. Es sind die Kinder von Mitarbeitenden, die unter dem Slogan «Great products for little ears» eine Hörgerätelinie für schwerhörige Kinder präsentieren. «Sogar unseren zweijährigen Sohn haben wir für Werbezwecke eingespannt», sagt Sonova-Chef Valentin Chapero halb schelmisch, halb entschuldigend: Der Junge mit den grossen dunklen Augen auf dem mittleren Plakat ist Chaperos erster Sohn aus zweiter Ehe.

«In zehn Minuten haben wir gegessen», sagt der gebürtige Spanier und läuft mit raschen Schritten in Richtung Kantine voraus. Deren Angebot ist ausgezeichnet, deshalb isst er über Mittag meistens dort, erzählt Chapero. Er muss es wissen, denn er ist seit Oktober 2002 CEO von Sonova.

Bei «Winnetou» geweint

Vorher, von 1996 bis 2002, arbeitete er für den deutschen Konzern Siemens, unter anderem als Chef der Hörgerätesparte. Bei Siemens begann vor über 40 Jahren auch die Geschichte von Chaperos Vater als Gastarbeiter in Deutschland. Als die Familie von Madrid nach Bruchsal auswanderte, war Valentin fünf Jahre alt. Nach der obligatorischen Schulzeit begann er zuerst eine Lehre als Elektromechaniker. Sein Gruppenleiter bei der Jungschar meinte jedoch, dies sei nichts für ihn. «Das werde ich ihm nie vergessen», blickt Chapero dankbar zurück. Für das Mittagessen hat er sich an den Tisch gesetzt, an dem auch zwei Lehrlinge ihre Pause verbringen. Es fällt auf, dass er ebenso schnell isst, wie er denkt und spricht. Er brach die Lehre nach drei Monaten ab. Kurz darauf wechselte er auf die sogenannte Berufsfachschule und anschliessend auf das Technische Gymnasium. Dieses schloss er mit dem Abitur ab. Zur Berufsschule gehörte auch eine Einführung in das Schmieden und das Schweissen. Nein, heute schweisse er aber nicht mehr, schmunzelt Chapero. Dafür ist der heute 51-jährige Sonova-Chef ein «brutaler Leser» geworden. Als Junge weinte er noch beim Lesen von Wild-West-Romanen von Karl May, speziell beim Tod des Indianers Winnetou. Als Jugendlicher wiederum begab er sich in philosophische Untiefen. «Ich habe alle grossen Philosophen gelesen, aber nicht viel verstanden», blickt Chapero zurück.

Science-Fiction-Inspiration

Auch für Science-Fiction-Romane konnte sich Chapero in der Jugend begeistern. Aus ihnen schöpft er noch heute Ideen und Inspiration für neue Hörgeräte. Eben erst stellte Chapero an der weltweit wichtigsten Branchenmesse in Nürnberg vier neue Produktlinien vor. Doch der umtriebige Sonova-Lenker blickt bereits wieder in die Zukunft: Nicht mehr weit sei der Tag, da sei das Hörgerät ein Lebensbegleiter und Lebenshelfer. Wenn der Träger beispielsweise Diabetes habe, werde ihm das Gerät mitteilen können, dass der Blutzuckerspiegel wieder zu hoch sei. «Heute klingt dies tatsächlich noch wie die Passage aus einer Science-Fiction-Geschichte. Doch irgendwann werden solche Technologien möglich sein», ist Chapero überzeugt.

Schauspieler und Regisseur

Nach der Schulzeit entschied er sich für das Studium der Physik an der Universität Heidelberg. «Eine romantische Stadt», so Chapero, der kürzlich das «Romantikbuch» von Rüdiger Safranski las. Um seine Spanischkenntnisse nicht zu verlieren, hatte er aber gleichzeitig auch den Roman «Der Schatten des Windes» von Carlos Ruiz Zafón auf dem Nachttisch liegen. «Rückblickend war die Physik wohl das Richtige für mich», sagt Chapero, der zuerst die Fächer Germanistik oder Psychologie wählen wollte.Als Student lebte er auch sein Talent für Präsentationen aus. Zehn Jahre lang gehörte er in Heidelberg als Schauspieler und Regisseur einer Amateurtheatergruppe an und bewältigte dort auch grosse Rollen wie «Faust». Er stand aber auch als Clown für Feste und Veranstaltungen zur Verfügung. Noch heute fühlt er sich bei Präsentationen sichtlich wohl.Bei Chapero fällt auf, dass er sich immer wieder für neue Themen und Orte begeistert. Ohne zu zögern, gibt er zu: «Ich bin ruhe- und rastlos.» Allerdings nur äusserlich, schränkt er sogleich ein. Psychisch sei er «stabil aufgestellt». Kleinkram liegt ihm nicht so sehr. «Man sollte nicht alles zu ernst nehmen», sagt Chapero. Auch sich selbst nicht. Deshalb ist ihm auch der Humor sehr wichtig. Er erkennt sofort, wenn ein Gesprächspartner keinen Sinn für Spass hat. Kein Wunder, blitzt in Chaperos Augen meistens eine gehörige Portion Schalk auf. Ausser wenn die Diskussion auf die gescheiterte Übernahme der dänischen Konkurrentin GN Resound kommt. Dann blickt er ernst. Die Enttäuschung über die «völkerrechtswidrige» Entscheidung der deutschen Kartellwächter merkt man ihm immer noch an. Nun soll Sonova während den nächsten drei Jahren aus eigener Kraft zur Nummer eins der Branche aufsteigen und die direktesten Konkurrenten Siemens und William Demant überholen.Von sich selbst verlangt er viel. Seine Work-Life-Balance bezeichnet Chapero als «ok». «Und wenn sie nicht mehr stimmt, bin ich selber schuld.» Er gibt aber freimütig zu, dass er mit seiner Familie noch mehr Zeit verbringen könnte. «Auch etwas mehr Sport und Kultur würde nicht schaden», sagt der Gelegenheitsraucher.

Weitere Kinder geplant

Trotzdem hat er keine Angst, seine insgesamt 4000 Mitarbeiter zu überfordern, nur weil er sich selbst ein hohes Mass an Leistung abverlangt. Manchmal kann aber eine Überforderung auftreten, muss Chapero selbstkritisch anmerken. «Wichtig ist dann aber, dass man dem Betroffenen keinen Strick daraus dreht.» Seinen Führungsstil bezeichnet er als «deutsch und deutlich». Er hat «null Hemmungen», zu delegieren. Er selbst will sich auf die Dinge konzentrieren, die ihm am besten liegen: Das Anstossen neuer Projekte. Das Vorgeben von Leitplanken für anstehende Aufgaben. Das konstruktive Helfen bei Schwierigkeiten. Eine gewisse Kontinuität gibt es allerdings in seinem bisherigen beruflichen Leben dennoch. Etwa alle vier Jahre wechselte er die Branche. Oder den Arbeitsort. Oder beides. Sein Arbeitsvertrag bei Sonova läuft bis weit ins Jahr 2010. Danach kann er sich eine Tätigkeit im Finanz- oder Marketingbereich vorstellen. «Ich werde Sonova aber auch über meine Zeit als CEO eng verbunden bleiben», betont Chapero. Privat stellt er sich eher auf ein Leben in einem «südlichen» Land ein. Vielleicht Spanien? Vielleicht der arabische Raum? «Nein, der arabische Raum kommt nicht in Frage», sagt Chapero bestimmt, obwohl seine zweite Frau aus Ägypten stammt. «Wir planen noch weitere Kinder», erwähnt er beiläufig, ohne dass er direkt darauf angesprochen wird. Zu seinen zwei Kindern aus erster Ehe hat der Sonova-Chef immer noch einen guten und engen Kontakt.

«Jeden Tag Valentinstag»

Valentin Chapero stellt sich in die Reihe vor der Tablettrückgabe. Zum Schluss die Frage an den Träger eines dermassen berühmten Vornamens: Was schenkt er seiner Frau zum 14. Februar, dem Tag der Liebe, dem Valentinstag? Die Antwort überrascht: «Nichts. Für meine Frau ist ja jeden Tag Valentinstag. Ich ziehe es vor, meine Frau während des Jahres zu überraschen. Der Tag ist für mich völlig irrelevant.» Der begeisterte Marketingmann stört sich nämlich gewaltig daran, dass dieser Tag dermassen stark vermarktet wird.

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1992–1996

1996–1999

1999–2002

Seit 2002

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