Ein Austritt der starken Nordländer Deutschland, Österreich, Luxemburg, Finnland und Holland aus dem Euro - das ist für Hans-Olaf Henkel, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), die bevorzugte Variante: «Sie hat den Vorteil, dass die im Euro verbleibenden strukturschwachen Länder endlich abwerten können», sagt er im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag».

Henkel bezeichnet den Euro unter anderem für Frankreich als viel zu stark. «Für mich ist Frankreich das grösste Problem überhaupt. Es ist die zweitgrösste Volkswirtschaft, und sie verfügt über keinerlei Reserven, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.»

Mit dem zweiten Hilfsprogramm für Griechenland gehe die Eurokrise keineswegs dem Ende entgegen. «Auch der teilweise Schuldenverzicht privater Gläubiger nützt gar nichts», so Henkel. «Inzwischen scheint es mir nicht mehr so furchtbar politisch inkorrekt, zu sagen: Griechenland muss raus aus dem Euro.»

Nach einem Austritt Deutschlands sieht er keine Probleme: «Die Deutschen brauchen den Euro nicht, die exportieren heute wunderbar in alle Länder - ob mit oder ohne Euro», so Henkel. «60 Prozent der deutschen Exporte gehen inzwischen nicht mehr in die Eurozone.»

Im Gespräch mit dem «Sonntag» bezeichnet Henkel die Schweiz als «Opfer des Euro». Trotzdem empfiehlt er den EU-Betritt: «Was spricht eigentlich dagegen? Die Schweiz gehört doch zu Europa und hätte auch einiges mitzureden», so Henkel. Allerdings plädiert er für einen Schweizer Beitritt ohne Euro.

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(vst)