Was wäre die Schweiz ohne ihre 400 000 KMU? Nichts. Denn es sind die Kleinfirmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden, die das Land prägen und bis in den hintersten Winkel für Einkommen sorgen. In Zahlen: 95 Prozent der Arbeitnehmenden beziehen ihren Lohn von einem KMU zwischen Kreuzlingen und Genf.

Was wäre die Schweiz ohne ihre Weltkonzerne? Ärmer, viel ärmer. Sie bieten viel weniger Arbeitsplätze, aber beim Steuerzahlen sind sie spitze. Bei der Finanzierung des Staates – Armee, Sozialleistung, Ausbildung, Gesundheitswesen – sorgen nicht die unzähligen KMU für das nötige Steuersubstrat.

Nein, es sind ein paar Grosskonzerne wie Nestlé oder Novartis, welche die Rechnung begleichen.

Wie wichtig diese Weltfirmen sind, zeigt sich bei der direkten Bundessteuer. Das Verhältnis zwischen natürlichen und juristischen Personen hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschoben: Heute stammen 55 Prozent der Bundessteuern aus den Firmenkassen. Tendenz steigend.

Dies deshalb, weil die Konzerngewinne seit Jahren sprudeln. Bei den Grossen, nicht bei den Kleinen. Von Letzteren zahlen fast zwei Drittel (konkret: 57 Prozent) keine direkte Bundessteuer, weil ihr steuerbarer Gewinn zu gering ausfällt.

5 Firmen zahlen, fast 3 Milliarden

Ganz anders bei den Schwergewichten. Die fünf grössten Steuerzahler in der Schweiz, das zeigt eine Auswertung der «Handelszeitung», heissen Novartis, Nestlé, UBS, Swisscom und Zurich. Sie führten letztes Jahr insgesamt 2,2 Milliarden Franken an den Fiskus ab. Allein der Basler Pharmakonzern überwies Bund, Kanton und Gemeinde 700 Millionen. Weltweit beliefen sich die Fiskalabgaben von Novartis auf 1,8 Milliarden.

Insgeheim aber dürfte Konkurrent Roche beim Steuersubstrat vor Novartis liegen. Wie stark Roche brummt, ist daran abzulesen, dass die Firma weltweit fast doppelt so viele Steuern bezahlt wie Novartis – nämlich 3,3 Milliarden Franken.

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Doch im Gegensatz zu Novartis weigert sich Roche, die Schweizer Steuerlast offenzulegen. Ein Sprecher sagt: «Wir geben keine Details pro Land bekannt.» Der Standortkanton Basel-Stadt freut es: Hunderte Millionen Franken aus Big Pharma bleiben auch am Rheinknie hängen.

Grösste Steuerzahler im Land sind freilich nicht die Pharmafirmen oder die Grossbanken, sondern Handelshäuser, die kaum jemand kennt. Zuvorderst steht die Genfer Mercuria, die letztes Jahr 7,1 Milliarden an Steuern zahlte, gefolgt von der Zuger Glencore (5,6 Milliarden) und der Genfer Vitol (1,9 Milliarden).

In der Schweiz bleibt wegen der dezentralen Geschäftsmodelle dieser Kolosse allerdings kaum etwas hängen: Glencore drückt gerade mal 1 Prozent vom gesamten Steuersubstrat im Hauptquartierland Schweiz ab. Derweilen streichen die beiden Förderländer Australien und Kongo Milliarden an Steuern ein.

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Trump macht Firmen glücklich

Entscheidend für die Unternehmenssteuern sind der Hauptsitz, die Länderpräsenz und der nationale Steuersatz. Im Schnitt führen Schweizer Firmen zwischen 17 und 27 Prozent ihres Gewinnes an den Fiskus ab. Und das ist längst nicht alles. Abgeliefert werden auch Gewerbesteuern, Grundstücksteuern, Mehrwertsteuern und Kapitalsteuern. Heerscharen von internen wie externen Steuerexperten sind mit dem Optimieren der Zahlen beschäftigt.

Für sie ist Donald Trump der Held. Dank seiner Steuerreform – eine Ertragssteuersenkung von 35 auf 21 Prozent ab 2018 – fiel eine tonnenschwere Steuerlast von Firmen mit starker US-Präsenz. Allein Glencore sparte letztes Jahr dank Trumps Steuerschnitt 190 Millionen.

Nur logisch, dass klamme Staaten bei der globalen Steuerausscheidung tief und tiefer in die prallen Firmenkassen greifen wollen. Genügen Lockrufe nicht, wird der Druck erhöht. Das tun Länder wie die USA, Frankreich, China, Indien und Kanada via OECD.

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Die Mächtigen wollen den Umbau

Die Mächtigen pochen auf eine Neuordnung des globalen Steuersystems: Künftig soll die Steuerlast nicht mehr am Hauptsitz und bei den Produktionsstätten anfallen, sondern beim vor Ort erzielten Umsatz.

Für den Kleinstaat Schweiz mit vielen internationalen, finanzstarken Konzernen hätte dies negative Folgen, ist Raoul Stocker, Steuerexperte der Beratungsfirma Deloitte, überzeugt. Es ginge an die Steuersubstanz.

  • Die Umsatzriesen: Entwicklung der grössten Schweizer Konzerne im letzten Vierteljahrhundert