Das MITI, das Ministerium für internationalen Handel und Industrie, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Architekten für den Wiederaufbau der heimischen Industrie. Es koordinierte die internationale Handelspolitik und die Lizenzierung ausländischer Technologien, schützte den Markt vor ausländischer Konkurrenz und setzte Strategien für die Wirtschaft um. Das MITI stand symbolisch für das japanische Wirtschaftswunder.

Heute heisst das Ministerium METI. Sein Einfluss ist zurückgegangen, doch der feste Glaube daran, dass man neue Wirtschaftstrends von oben lenken und anstossen kann, ist in Japan geblieben. Mit dieser Überzeugung ist das Ministerium für Innere Angelegenheiten und Kommunikation nun fest entschlossen, Japans nächste Technologie-Ikone zu entdecken. Zu lange hat das Land des Fortschritts keinen globalen Trend mehr lanciert.

Steve Jobs macht ziemlich Eindruck

Auf zwei vollgepackten Seiten hat das Ministerium seine Strategie für die Zukunft formuliert. Offenbar hat der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs den Bürokraten ziemlich Eindruck gemacht. Das Papier ist gespickt mit Zitaten des Apple-Gründers.

Das Ministerium sucht zusammengefasst einen «henna hito», einen «merkwürdigen Menschen», jemanden, der «originell» ist, den Mut hat, Dinge «komplett zu verändern» und «neue globale Werte» schafft. Selbst scheitern ist in diesem Programm erlaubt. «Wenn man Neuerungen einführt, macht man Fehler. Am besten gesteht man diese schnell und macht weiter mit anderen Innovationen», wird der Apple-Gründer ein letztes Mal zitiert, der in Japans Bevölkerung für sein Schaffen besondere Bewunderung geniesst (Asienspiegel berichtete).

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Ein kleine Summe für grosse Ideen

Zehn solcher Menschen und Startups, welche in dieses Schema passen, will das Ministerium für für Innere Angelegenheiten und Kommunikation mit bis zu 3 Millionen Yen (21’000 Euro) jährlich unterstützen. Ab Juni dürfen sich Interessenten für dieses Unterstützungsprogramm bewerben.

In einem Land, das die Menschen zur Anpassung erzieht, möchte die Regierung den Querdenkern für einmal Respekt verschaffen. Was wohl der Apple-Gründer von diesem Ansatz gehalten hätte?

Dieser Artikel erschien zuerst auf asienspiegel.ch - News aus Japan, China und Korea.