Bereits zum siebten Mal hatten die 500 grössten Schweizer Werbeauftraggeber Gelegenheit, ihr Urteil zu fällen: Welche unter den wichtigsten Schweizer Werbeagenturen ist die beste? Und annähernd mit derselben Konstanz wie Roger Federer auf den Tennisplätzen, ist auch auf den kargen Feldern der Werbung der alte Sieger auch gleich der neue. So fiel zum siebten Male in Folge das Urteil gleich aus: Jung von Matt/Limmat ist «Beste Werbeagentur im Urteil der Top-500-Auftraggeber».

Aussagekraft steigt

Eigentlich haben «nur» 436 Auftraggeber diesmal beim alljährlichen Ritual der Zürcher Media.Research.Group mitgemacht. Die Akzeptanz unter den Befragten scheint jedoch zu wachsen. 2008 waren es 422 und 2006 sogar erst 320.

Abgefragt werden fünf Disziplinen: Erstens der Gesamteindruck (Image) und zweitens die Empfehlungen («Welche Werbeagenturen würden Sie einem Kollegen weiterempfehlen?»). Daneben gibt es Fragen, zu denen sich nur Befragte äussern können, die im Verlaufe des vergangenen Jahres Leistungen von der beurteilten Agentur bezogen haben. Zu beurteilen waren dabei: Drittens die Kreativität, viertens die Strategie und zu guter Letzt die Beratung. Aus diesen fünf wird eine Gesamtnote ermittelt. «Auf den Thron gehoben wurde Jung von Matt von den Top-500-Werbeauftraggebern sowie ihren eigenen Kunden. Der Abstand zur zweitplatzierten Agentur, Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB), ist im Vergleich zum Vorjahr zwar um die Hälfte geschrumpft, Jung von Matt liegt aber immer noch in vier von fünf Teildisziplinen vor ihrem schärfsten Konkurrenten», errechnet Walter Weder, Partner der Zürcher Media.Research.Group.

SFLB und Wirz holen auf

Wie schon im letzten Jahr schafften nur diese beiden Agenturen eine Gesamtnote von 8 und mehr Notenpunkten. «Zum Prunkstück von SFLB ist die Kreativleistung geworden. Mit glatten 9,0 Punkten hat sie sich hier an die Spitze gesetzt. Bis anhin hatte sie ?lediglich? Noten um die 8,5 erzielt. Offenbar stimmen jetzt ihr Kundenmix, Leistung und deren Beurteilung bestens zusammen», vermutet Weder.

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Auf Platz drei vorgestossen ist erstmals Wirz. Im Zeitraum 2007-2009 hat Wirz von allen angefragten Agenturen notenmässig am meisten zugelegt (+1,27 Punkte). Die Beratungsleistung von Wirz wird sogar am höchsten eingestuft. «Die 9,19 bedeuten gleichzeitig die höchste Note, die im diesjährigen Rating erzielt wurde», so Weder. Für ihre Strategieleistung erhielt Wirz die zweitbeste und für ihre Kreativleistung die drittbeste Note.

 
NACHGEFRAGT
«Wer zurückblickt, hat verloren»

Dominique von Matt ist Geschäftsführer der 1993 gegründeten Werbeagentur Jung von Matt/Limmat in Zürich mit 72 Beschäftigten

Zum siebten Mal hintereinander ist Jung von Matt/Limmat Sieger im Agenturen-Ranking. Wird das nicht langsam langweilig?

Dominique von Matt: Sie wissen ja nicht, wie hart wir alle jedes Jahr dafür arbeiten. Von Langeweile kann keine Rede sein: Wir bleiben unzufrieden.

Worauf führen Sie den anhaltenden Erfolg zurück?

Von Matt: Wir haben Top-Mitarbeiter, eine starke Kultur und eine interdisziplinäre Aufstellung. Als erste Agentur der Schweiz haben wir seit 2000 die Disziplinen Online, Public Relations und Werbung in einer Firma unter einem Dach vereint.

Können Sie in diesem Jahr bereits wichtige Mandatsgewinne verzeichnen?

Von Matt: Anfang Jahr haben wir das Dachmarkenmandat der Migros gewonnen und konnten mit einem Spot, der den Arbeitsweg eines Huhns ins Zentrum stellt, fulminant starten. Das Huhn hat übrigens bereits 27000 Freunde bei Facebook.

Der Markt ist momentan rückläufig. Wie stark ist Ihr Haus davon betroffen?

Von Matt: Wir werden in diesem Jahr leicht wachsen.

Und wie schätzen Sie die Entwicklung des Gesamtmarktes im kommenden Jahr ein?

Von Matt: Ich gehe davon aus, dass sich die Wirtschaft im 2. Halbjahr 2010 wieder positiver entwickeln wird.

Und die weitere Entwicklung?

Von Matt: Ich bin schon sehr mutig, dass ich etwas zu 2010 sage.

Was ändert sich für die Agenturen generell im aktuellen Marktumfeld? Wie müssen Sie sich anpassen?

Von Matt: Erstens ist die Online-Kompetenz einer Kommunikationsagentur heute entscheidend und muss inhouse vorhanden sein. Zweitens muss der Agentur-Set-up auf die Vernetzung von verschiedenen Kanälen zu Crossmediakampagnen ausgerichtet sein. Und drittens wird die Kreativität in der digitalen Welt noch wichtiger: Weil die Konsumenten sich zunehmend nur noch «freiwillig» mit Markenkommunikation befassen werden und ihr immer weniger zwanghaft ausgesetzt sind.

Eine Zahl zum Umsatz?

Von Matt: Unsere Honorareinnahmen 2009 dürften etwa 17 Mio Fr., betragen.

Derr Abstand zum Nächstklassierten schrumpft. Was tun Sie?

Von Matt: Unser Ziel fokussieren. Als ehemaliger 100-Meter-Läufer weiss ich: «Wer zurückblickt, hat verloren.»