Der Hochglanzprospekt für die nächste Internationale HSG- Alumni-Konferenz war kaum getrocknet, da war die vierte Auflage dieses prestigeträchtigen Grossanlasses, der dieses Jahr vom 11. bis 13. September im Waldhaus Flims mit rund 500 Gästen stattfinden wird, auch schon ausverkauft. Die Einladungen wurden an alle 18000 Alumni verschickt, die Zusagen nach dem Motto «First come, first serve» registriert: 40% der Teilnehmer sind im Ausland wohnhaft, 15% haben das Studium 2003 oder später abgeschlossen, pro Firmengruppe sind maximal fünf Teilnehmer zugelassen.

Urs Landolf, Präsident der HSG Alumni, verweist auf die einmalige Gelegenheit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Und geizt nicht mit den Namen berühmter Keynote-Speaker, darunter der Friedensnobelpreisträger 2007 Rajendra K. Pachauri, Chairman des Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC. In der Runde dabei sind auch Ernesto Bertarelli und Peter Brabeck-Letmathe.

Auch die Gesprächspartner der Panels präsentieren sich als ein Abbild der Schweizer Wirtschafts-elite. Wenn Jacques Aigrain, CEO von Swiss Re, Swiss-CEO Christoph Franz und Raymond J. Bär sich als Gesprächspartner zur Verfügung stellen, will kaum einer von den Ehemaligen fehlen. Schon gar nicht beim Gala-Dinner im festlichen Tenue. Aus der Liste der Abgänger ein paar weitere Namen: Josef Ackermann, Franziska Tschudi, Elmar Ledergerber, Fürst Hans-Adam II von und zu Liechtenstein und Bundesrat Hans-Rudolf Merz.

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Studierte Oberliga

Eine Studie über die Bildungshintergründe der hiesigen Manager förderte Erstaunliches zutage. Dabei haben die Forscher die von der «Handelszeitung» erstellte Liste der Top-500-Unternehmen der Schweiz als Basis genommen und per Mail die oberste Riege der Manager angeschrieben, alles Mitglieder der Geschäfts- und Konzernleitung (ohne Verwaltungsräte). Es antworteten 1114 Leader, wovon 72% Schweizer. 68% aller Befragten konnten einen Hochschulabschluss vorweisen. Die meisten haben Wirtschaftswissenschaften studiert, nämlich 46%, 24% kamen aus den technischen Wissenschaften und 12% aus den Rechtswissenschaften.

Und wo hat das Schweizer TopKader studiert? 29% an der ETH, dicht gefolgt von der Hochschule St. Gallen mit 25% und von der Uni Zürich mit 18%. Diese drei Schweizer Hochschulen stellen somit 72% der Schweizer TopManager. Da kommen nicht mal Harvard, Columbia und Stanford mit. Dort machen die Hochschulabgänger nur rund 50% der US-Wirtschaftsbosse aus. Die Autoren der Studie schliessen daraus, dass «sobald eine Universität einmal bei Arbeitgebern im Ruf steht, besonders leistungsfähige Absolventen aus dem Pool von Kandidaten herauszufiltern, ein Mechanismus in Gang gesetzt wird. Studierende erkennen, dass sie ihr Potenzial besonders wirksam am Arbeitsmarkt signalisieren können, wenn sie einen Abschluss an einer der bekanntesten Universitäten gemacht haben».

Alumni wird man übrigens nicht nur mit einem Abschluss: Alle ehemaligen Studierenden der Hochschulen werden automatisch Alumni. Auch wenn sie «nur» Absolventen von Executive-Programmen und Seminaren sind, also kein vollständiges Studium abgeschlossen haben. Nach Beendigung werden sie in der Regel mit einem Mail angefragt, ob sie der Alumni-Organisation ? gegen Mitgliederbeitrag ? beitreten wollen.

Geldregen für den Campus

Dass Ehemalige weit mehr tun können, als nur untereinander zu networken, haben Harvard & Co. schon vor Jahrzehnten vorgemacht. Die eidgenössische Neigung zum Understatement hat aber lange verdeckt, was heute offen kommuniziert wird: Bei Fundraising-Kampagnen der Kaderschule auf dem Rosenberg machen viele das Portemonnaie weit auf.

Anlässlich der Eröffnung des neuen Executive Campus für die Weiterbildung hatten die Vertreter der Wirtschaft und unzählige HSG Alumni ihren Auftritt. Unter den Referenten sah man Persönlichkeiten wie Thomas Held von Avenir Suisse, Jacqueline Fendt, Direktorin von Ernst & Young, und Andreas Schönenberger, Google Switzerland.

Für Urs Landolf war es eines der schönsten Erlebnisse: «Die Einweihung des HSG-Alumni-Hauses im Mai, für das so viele Alumnae und Alumni spendeten, war eindrücklich», schwärmt der Alumni-Präsident. Er ist Managing Partner Eurofirms Tax and Legal bei PricewaterhouseCoopers und hat 1978 als lic.iur. HSG abgeschlossen und im Herbst 1987 den Doktortitel erworben. Für ihn ist der heutige Alumni-Verein mit mehr als 18000 Mitgliedern eine grosse Ressource, wobei jeder weiss, wie wichtig ständige Weiterbildung geworden ist. Die HSG Alumni haben den Trend rechtzeitig erkannt und finanzieren das Weiterbildungszentrum mit der gross angelegten Fundraising-Aktion massgeblich mit, um die Umsetzung des Projekts «Campus» zu ermöglichen. Die Kosten des von den Alumni getragenen Projektteils betragen 14 Mio Fr. Es bietet vor allem den Teilnehmern von Executive-Education-Programmen mit seinen 54 Zimmern, Lounge, Fitnessraum, Sauna und zusätzlichen Garagenplätzen Übernachtungs- und Ruheplätze und natürlich auch einen räumlich engen Kontakt zur Alma Mater.

Gemeinnütziges Spenden

Mit dem Commitment zu einer Spende wird der Spendername auf dem «Window of Fame» eingraviert oder ein Raum danach benannt. Dafür hat sich die Universität St. Gallen etwas Spezielles ausgedacht: «Um steuerwirksames Spenden zu ermöglichen, haben wir im Jahr 2001 die Stiftung HSG- Alumni gegründet, die als gemeinnützig anerkannt ist und die entsprechenden Spendenbescheinigungen ausstellen kann», sagt HSG Alumni-Geschäftsführer Philipp Kotsopoulos. Wer beispielsweise 100000 Fr. als ungebundenen Beitrag an das Projekt «Campus» spendet, wird seinen Namen an einem der zehn verfügbaren Plätze für die Gravur «Gold-Spender» auf dem Fenster eingraviert finden.

Man kann mit dem gleichen Beitrag aber auch direkt zwei Gästezimmer finanzieren, die dann den Spendernamen tragen. Der Vorsprung der amerikanischen Cracks in Sachen Absolventenbindung und Fundraising wird dadurch immer kleiner.

 

 

nachgefragt


«Man erinnert sich, wo der Erfolg begann»

Raymond J. Bär, Präsident des Verwaltungsrates der Julius Bär Holding AG, hat von 1979 bis 1984 an der Hochschule St. Gallen Jura studiert. Er ist Mitglied des 18-köpfigen Alumni-HSG-Beirats.

Sie sind als VR-Präsident der Julius Bär Holding AG sehr engagiert. Was bringt Sie dazu, als HSG-Alumnis Zeit und Input für Ihre Alma Mater zu investieren?

Raymond J. Bär: Wer einmal HSG-Student war, wird sich immer mit dieser Universität verbunden fühlen. Natürlich ist auch Dankbarkeit dabei. Als Mitglied des Alumni-HSG-Beirats kann ich mich mit der Uni und ihren Herausforderungen auseinandersetzen.

Was bewegt der Alumni-Beirat?

Bär: Das Rektorat der Universität St. Gallen hat den Kontakt zu gewissen Alumni gesucht, um einen Input über die strategische Positionierung der Universität abzuholen. Wenn man gerufen wird, gibt man gerne etwas zurück.

Die Verbundenheit manifestiert sich auch durch Spenden. Ein Beispiel ist der neue Campus. Dort ist der Name der Bank Julius Bär auf einem Fenster eingraviert ...

Bär: Das ist etwas Schönes und zeigt die Verbindung zur HSG. Wenn man im Leben Erfolg hat, teilt man den auch gerne und erinnert sich daran, wo dieser Erfolg seinen Anfang nahm.

Spielt es für Sie eine Rolle, wenn Sie im Curriculum von Bewerbern entdecken, dass sie auch in St. Gallen studiert haben?

Bär: Man schaut sich den Menschen an und holt Referenzen ein. Aber HSG-Absolvent zu sein, darf nicht allein ausschlaggebend sein.