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Die Zukunft der Fortbildung findet im Virtuellen statt

VR-Brillen: Ermöglichen neue Formen des Lernens.   Pexels

Die Weiterbildungswelt ist im Umbruch: Moderne Techniken verändern, wie wir lernen. Und Linkedin baut sein Weiterbildungsangebot massiv aus. Das zwingt Managerschulen zum Handeln.

Von Stefan Mair
am 08.02.2017

Der Druck auf das lange ­etwas verschlafene System der Managerfort­bildungen steigt. Ging es früher noch darum, dass das Kader regelmässig mit einer Wissensdosis versorgt wurde, die vielleicht gar nicht unmittelbar nötig war, sondern eher auf Vorrat angelegt wurde, wollen Unternehmen heute mehr. Das Wissen, das sie ihren Führungskräften vermitteln, muss präzise definiert sein. Genauso muss ein Anwendungsbereich feststehen und die erfolgreiche Anwendung muss messbar sein. Falls die Anwendung nicht funk­tioniert, wird das Seminar eingestellt.

Neue Techniken helfen Bildungs­anbietern, diesem Effizienz- und Effektivitätsdruck nachzukommen. Videoschulungen, Chatanwendungen und Vir­tual-Reality-Brillen erweitern die Angebote auch von Schweizer Schulen. Die Fortbildungsangebote werden virtueller, digitaler – und dabei stossen eta­blierte Anbieter auf harte Konkurrenz.

Druck durch Lynda

Neuer Druck für Kaderbildungs­institutionen kommt auch von Linked­in. Nach der Übernahme des Weiter­bildungsanbieters Lynda will das Unternehmen, das inzwischen zu Micro­soft gehört, zum grossen Zampano auf dem Weiterbildungsmarkt werden. Leicht abrufbare Videoschulungen sollen firmeninterne Schulungen oder Kurse an externen Managerschulen ­ersetzen. Der umsatzstärkste Bereich des Karrierenetzwerks Linkedin ist die Talent-­Solutions-Sparte. Hier verkauft das Karrierenetzwerk Recruiting-Lösungen für HR-Angestellte und hilft bei der Auswahl von Bewerbern.

Analysten schätzen, dass dieser Bereich fast 60 Prozent des Marktwerts von Linkedin ausmacht und der wichtigste Treiber für den Milliardenpreis war, den Microsoft zu zahlen bereit war. Linkedin investiert massive Summen in neue, leicht handhabbare Anwendungen im Bereich Social-Media-Recruiting. Durch diverse Zukäufe, etwa jenen der Datenfirma Bright, die 2014 ins Portfolio geholt wurde, soll die Arbeit für Rekrutierer noch mehr erleichtert werden. Sollte Microsoft seine Office-Programme, mit denen fast alle Mit­arbeiter weltweit irgendwann in ihrer Karriere etwas zu tun haben, für Kurse, Recruitingtools und Weiterbildungen durch Linkedins eigene Coaches öffnen, müssen sich externe Anbieter 
von Firmenweiterbildungen oder HR-Dienstleister warm anziehen.

Simulationen und Erkundungen

Bildungsanbieter machen sich auch wegen dieser neuen Konkurrenz daran, ihre Angebote zu modernisieren und in Teilen in die virtuelle Welt zu verlagern.

Bereits bekannt sind Gamification-Anwendungen, wo Manager einen Businesscase mithilfe eines Computerspiels durchlaufen. Das Ziel der Programme ist vor allem, junge Mitarbeiter zu motivieren und das statische Format anderer Weiterbildungsseminare aufzubrechen. Auch Virtual Reality spielt in der Weiterbildung der Zukunft eine immer grössere Rolle. So können Situationen, die für Manager erfolgskritisch sind, simuliert werden und das richtige Verhalten antrainiert.

Auch die Erkundung von einer Werkhalle beispiels­weise bei ABB oder die Analyse eines Infrastrukturprojekts der SBB kann mit einer VR-Brille abgewickelt werden. Diese Funktion ist vor allem für über den Globus verstreute Mitarbeiter interessant, die dann simultan in die gleiche Situation kommen.

Wissen schneller implementieren

Erschwert werden neue Angebote durch zum Teil rigorose bürokratische Vorschriften der Hochschulen, die beispielsweise einen Open-Space-Workshop nicht erlaubt, weil Professoren nur nach Lektionen bezahlt werden.

Grundsätzlich geht es aber darum, das Wissen schneller in die jeweilige Institution zu implementieren. Eine Möglichkeit dafür sind auch Kombinationen von Videokursen und realen Formaten. So kann beispielsweise eine Managergruppe live gecoacht werden und Hunderte anderer Mitarbeiter schalten sich per Video dazu und analysieren einen Case oder ­geben Feedback zu Inhalten. Auch Instant-Umfragen zu einer Fragestellung sind bei einem solchen Format üblich und brechen damit die klassischen Fortbildungsformate ­endgültig auf.

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