Diversity ist überschätzt. Nichts dagegen, wirklich nicht, aber ich habe so meine Zweifel, ob eine schlampige ­Firmenkultur oder ein schlechtes ­Management automatisch besser wird, wenn man die Spitze mit einem Afrikaner, einer Frau oder einem LGBT-Hipster bereichert. Heute wird es zwar oft als Tatsache hingestellt, dass buntere Teams die schlaueren Entscheide fällen, aber das wissenschaftliche Fundament solcher Behauptungen ist ziemlich dünn.


Anderseits herrscht in einem Bereich der Wirtschaft doch ein krasses Missverhältnis, nämlich in den Grauzonen. Man kann die Fälle nehmen, wie sie hereintrudeln: Abgasschummelei, Ponzi-Schemen, Libor-Handel, «rogue trading», Insidereien, Frontrunning, Spesenbetrug – es sind Bastionen der Männlichkeit.

Inzwischen haben ­diverse Studien die psychologische Grundlage dieses Phänomens angedeutet: Männer akzeptieren eher unethisches Verhalten im Beruf – und sie legen an sich selber tiefere Standards.

Neue Experimente, durch­geführt an der Kellogg School of ­Management, brachten es jetzt wieder ans Licht: In einem Versuch, bei dem alle Testpersonen gemeinsam einen unternehmerischen Entscheid fällen mussten, logen die Männer massiv mehr. Denn sie verstanden die Aufgabe als Wettbewerb, also wollten sie das Maximum heraushauen. Frauen deuteten den Auftrag vor allem als Suche nach einer Lösung, die alle befriedigt. Also spielten sie mit offeneren Karten. 


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Vielleicht schickt ein Unternehmen doch besser die Herren Kollegen in Verkaufsgespräche, bei denen einfach so viel herausgepaukt werden muss wie möglich.

Das bedeutet im Geschäftsalltag: Für Frauen, liebe Männer, ist es keineswegs selbstverständlich, dass man dem Verhandlungspartner einen Bären aufbindet, um sich durchzusetzen.



Dieser Aspekt wird in seiner Bedeutung wohl noch unterschätzt. Gut möglich, dass sich ein schöner Teil der Lohnkluft zwischen den Geschlechtern aus dem beschriebenen Missverhältnis von Bluff und Ehrlichkeit erklärt. Gut möglich aber auch, dass ein Unternehmen vielleicht doch besser die Herren Kollegen in Verkaufsgespräche schickt, bei denen einfach so viel herausgepaukt werden muss wie möglich, komme, was wolle.



Wie immer: Es kommt drauf an

Die erwähnten Experimente zeigten ­allerdings auch, dass sich Frauen und Männer anglichen – je nachdem, wie sie den Job verstanden. Wenn man ­ihnen dieselbe Aufgabe stellte und ­zugleich allen klarmachte, dass es am Ende Gewinner und Verlierer geben müsse, begannen auch die Frauen zu lügen. Wenn es hiess, dass letztlich ­irgendwelche Kinder profitierten, ­wurden auch die Männer ehrlicher.



Insgesamt zeigt sich also, dass der ­Rahmen – oder Neudeutsch: das ­Framing – enorm wichtig ist dafür, wer welchen Beitrag zur Lösung eines ­unternehmerischen Problems leistet. Und wer besser dafür geeignet ist.