Die jüngste Geschichte zeigt zwar, dass auch sehr hohe Saläre im Finanzsektor keine Garantie für Jobsicherheit und anhaltenden Wohlstand bieten, dennoch sind die Erwartun-gen der potenziellen MBA-Bewerber, die sich derzeit am MBA-Markt umsehen, ungebrochen: Markante Karrieresprünge, hohe Saläre und Boni sind noch immer die stärkste Triebfeder für eine Zusatzausbildung.

Karriereaussichten und die Reputation der Schulen mit einem herausragenden Karriere-Center spielen heute eine grössere Rolle als Rankings, deren Beachtung bei MBA-Anwärtern in Nordamerika, Lateinamerika, Europa sowie Asien um einige Punkte gefallen ist: 2000 standen die Rankings auf Platz 2 von zwölf Kriterien, inzwischen auf Rang 7.

Währung beeinflusst die Wahl

Von all den MBA-Messen, die rund um den Globus unterwegs sind, ist die World MBA Tour die am stärksten beachtete. Am 20. Oktober 2008 findet ihr einziger Schweizer Auftritt in Zürich statt. Nunzio Quacquarelli, Managing Director und Veranstalter der World MBA Tour, hat in den letzten Jahren ein verzweigtes Imperium rund um das Thema MBA aufgebaut, zu dem eigene Reports über Rankings und der QS Global Recruiters’ Top 100 Business Schools zählen, wie auch Bücher sowie der jährlich erscheinende Report über Salärsteigerungen. Dazu kommen aktuelle Trends, welche Schulen am stärksten gefragt sind und der Einfluss, den Rankings bei der Wahl einer Schule spielen.

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Auffallend, aber nicht überraschend ist, dass bei den Quacquarelli Reports aus England die zahlmässig riesigen US-amerikanischen und britischen Schulen sehr gut abschneiden. Ganz besonders im Rezessionsjahr 2008, als die World MBA Tour anlässlich ihrer Auftritte in Washington, New York und Toronto eine Besucherzunahme von 38% registrierte. Die britische Judge Business School der Cambridge University berichtet von einer Steigerung der MBA-Studenten um 68% aus Nordamerika und einem Plus von rund 30% aus Europa. Judge führt das darauf zurück, dass viele der englischen MBA-Anwärter im Hinblick auf einen erhofften späteren Job auf der Insel Cambridge deshalb vorziehen, weil sie dort nicht den Einflüssen eines schwachen Dollar oder starken Euro ausgeliefert sind.

Der aktuelle TopMBA.com Recruitment & Salary Report 2008 reflektiert grosse Erwartungen bezüglich Salärsteigerungen. Die Schweiz ist darunter nicht explizit erwähnt – und das ist aus Schweizer Sicht eine der Schwächen des Reports. Doch haben die Europäer signifikant höhere Einkommenserwartungen als die Amerikaner. Mit einer Verdoppelung von 97900 auf das Ziel von 194100 Dollar liegt Deutschland unangefochten an der Spitze, gefolgt von England, Russland, Frankreich, Italien und den Vereinigten Staaten. In den USA liegt das Durchschnittssalär vor dem MBA bei 62600 Dollar, das Wunschsalär nach dem MBA bei 124200 US Dollar. Im Vergleich dazu Indien: Vor dem MBA verdienen Inder im Durchschnitt 28600 Dollar, sie erhoffen sich nach Abschluss 99900 Dollar, ähnlich wie die Chinesen mit 26800 Dollar vor dem MBA und dem Ziel, danach 91000 Dollar jährlich zu verdienen.

Europa im Fokus der Rekruiter

In Europa niedergelassene globale Unternehmen sind die grössten Abnehmer von MBA-Absolventen, so das Fazit des aktuellen Reports. Die Zahl der Rekrutierten bleibe nach Aussagen von HR-Verantwortlichen in Londoner Firmen wie Merrill Lynch oder Goldman Sachs in etwa gleich wie im Vorjahr. In Zentral- und Osteuropa wird die Nachfrage nach MBA-Absolventen jedoch steigen.

Mit stark wachsenden internationalen Ambitionen ist auch das Interesse russischer Firmen gestiegen, sich neue Märkte zu erschliessen, vor allem in den Bereichen Energie, Rohmaterialien, Fabrikation und Finanzdienstleistungen. Die deutsche Wirtschaft treibt ebenfalls die Nachfrage nach MBA-Absolventen in die Höhe, weil für deutsche Produkte in Asien und umgekehrt asiatische Produkte in Deutschland dringend Absolventen mit einem deutschen MBA gesucht werden.

An der Spitze der begehrtesten Branchen liegen auch in der Schweiz die Consulting-Unternehmen, gefolgt von den Finanzdienstleistern und Technologie-Unternehmen. Accenture, A.T. Kearney, Bain & Co., Deloitte, Ernst & Young, McKinsey sind die wichtigsten Abnehmer von Mitarbeitern mit einem MBA. Bei den europäischen Finanzdienstleistern steht die Citibank, gefolgt von Deutsche Bank, KPMG und Merrill Lynch auf den vordersten Plätzen der Abnehmer. Die Technologieunternehmen Google, IBM, Microsoft und SAP zählen ebenfalls zu den sehr aktiven Rekruitern. Die Pharmazie steht mit Novartis sowie internationalen Unternehmen wie Johnson & Johnson und Pfizer ebenfalls auf den vordersten Plätzen als Abnehmer von frischgebackenen MBA-Absolventen.