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Economiesuisse-Präsident Wehrli droht nicht - er warnt

Rudolf Wehrli: Der Economiesuisse-Präsident hält an seinem Posten fest. (Bild: Keystone)

Rudolf Wehrli kritisiert das Verhalten von Daniel Vasella und kündigt an, die Lehren aus der Abstimmungsniederlage zur Abzocker-Initiative zu ziehen. Von einem Rücktritt will der Economiesuisse-Präsid

Veröffentlicht am 20.03.2013

Rudolf Wehrli fühlt sich falsch verstanden: «Drohen wollte ich in keiner Weise, sondern auf eine Gefahr aufmerksam machen», sagt Economiesuisse-Präsident im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». Damit nimmt er erstmals Stellung zu seiner provokativen Äusserung in der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens. Darin hatte Wehrli prophezeit, dass einige Grosskonzerne dem Wirtschaftsstandort Schweiz nach der Annahme der «Abzocker-Initiative» bald den Rücken kehren würden. 

Im Gespräch mit der «NZZ» wiederholt der Economiesuisse-Präsident seine Warnung - formuliert sie aber schwächer: «Ich weiss, dass Unternehmen sich fürchten, eine zu strikte Regulierung könnte die Vorteile konterkarieren, die ihnen dieser Wirtschaftsstandort bietet und sich deswegen Gedanken über eine Abwanderung machen oder gar nicht erst hierhin kommen. Das sorgt mich.»

Wehrli greift Vasella an

Wehrli erkennt in dem Interview an, dass der soziale Frieden durch das Verhalten einzelner Manager in Gefahr gerät. «Wir leben in einem Gesamtzusammenhang, der brüchig wird, wenn sich einzelne Topmanager davon absetzen.» Deshalb brauche es ein Bewusstsein bei den Spitzenmanagern, dass man sich nicht ungestraft in die «Stratosphären der Löhne» absetzen könne. «Wenn ein freiheitliches System hohe Löhne ermöglicht für Spitzenleute, dann gibt es auch die Verpflichtung, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben.»

In diesem Zusammenhang lässt es sich Wehrli nicht nehmen, erstmals scharfe Kritik an Daniel Vasella zu üben. «Zum ersten kann ich nicht nachvollziehen, dass jemand, der während 26 Jahren ein Unternehmen geprägt hat, dafür intensiv gearbeitet und auch eine sehr gute Leistung in der Unternehmensentwicklung erbracht hat, überhaupt auf die Idee kommt, er könnte jetzt noch zum Ende seines Berufslebens für einen Wettbewerber arbeiten.»

Überdies kennt Wehrli laut eigener Aussage kein Konkurrenzverbot, welches sechs Jahre dauere. «Typischerweise dauern die zwölf Monate, meinetwegen zwei, im Extremfall einmal drei Jahre, aber definitiv nicht sechs.» Ganz abgesehen davon kann Wehrli die Grössenordnung des Deals nicht nachvollziehen. 

Kein Rücktritt

Derweil kündigt Wehrli eine schonungslose, interne Analyse über die Gründe der Abstimmungsniederlage zur Abzocker-Initiative an. Von einem Rücktritt will der Präsident aber nichts wissen. «Ich stehe zu der Verantwortung, die ich übernommen habe». Und weiter: «Mir geht es jetzt zuerst um die grundsätzlichen inhaltlichen Fragen, und ich glaube, ein Köpferollen brächte da gar nichts.»

Ausserdem kann Wehrli die Kritik an seiner Zusammenarbeit mit Direktor Pascal Gentinetta nicht verstehen. «Das verblüfft mich. Ich arbeite sehr eng und sehr gut mit Herrn Gentinetta zusammen.»

(muv/aho/tno)

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