Das Traumbüro: Eine von Palmen gesäumte Wohlfühloase mit Bar und Liegestühlen, musikbeschalltem Fitnessraum und lauschiger Kaffeestube? In dieser Szenerie dürften sich Mitarbeitende vermutlich allzu wohl fühlen, um seriös arbeiten zu können. Doch endlose Grossraumbüros mit Stellwänden und grauem Einheitsmobiliar sind der Produktivität kaum zuträglicher.

Mobile, flexible Büros in hellen Farben - das wünschen sich über 3000 Leute unter 30 Jahren, die der US-amerikanische Büromöbelhersteller Haworth in den letzten zwei Jahren zu ihrem Wunscharbeitsplatz befragte. «Die Studie bestätigt den Trend, dass jüngere Leute gemäss ihrer technologischen Ausrichtung neue und andere Ansprüche an ihren Arbeitsplatz stellen», sagt Mark Helfenstein, CEO von Haworth Schweiz.

Da sich Arbeits- und Privatleben zusehends vermischen, wird das Notebook auch im Schlafzimmer eingesetzt und will man sich auch im Büro zwischendurch mal auf ein Sofa setzen. Daher bevorzugen junge Leute Arbeitsplätze mit verschiedenen Zonen: Kommunikationszonen für den kreativen Austausch, Rückzugszonen zum Ausspannen und Privatzonen für ungestörtes Arbeiten.

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Form muss der Funktion folgen

Die Realität präsentiert sich oft anders. In den 90er-Jahren brachten US-Firmen die Flächenkonzentrierung in europäische Büros; die Hühnerställe wurden installiert. Riesige Räume wurden mit zahlreichen hohen Möbeln in kleinste Einheiten zerlegt. «Dieses Konzept ist definitiv nicht der Weisheit letzter Schluss», sinniert Mark Helfenstein. Was davon in moderne Raumkonzepte aufgenommen wurde: Die effizientere Nutzung der Flächen. Weniger Quadratmeter pro Mitarbeitenden, diese Intention bleibt, doch wird sie nicht mehr mit Behelfswänden realisiert, vielmehr schafft man neben den kleineren individuellen Arbeitsplätzen Räume für verschiedene Bedürfnisse.

Pauschal lässt sich die Frage nach dem optimalen Arbeitsplatz aber nicht beantworten. Ein Büro muss sich wechselnden Benutzern und deren Philosophie anpassen, neue Technologien integrieren, veränderten Organisationsformen wie Teilzeitarbeit entsprechen, kurz: Flexibel nutzbar sein.

«Die Form hat der Funktion und dem Nutzerbedürfnis zu folgen und nicht umgekehrt», sagt Peter Schwehr, Leiter des «Kompetenzzentrums Typologie + Planung in Architektur» an der Hochschule für Technik und Architektur in Luzern. Er ist überzeugt, dass sich Zonen für spontane Kommunikation immer mehr durchsetzen werden.

Denn gute Ideen entstehen oft in informellen Gesprächen. Kommunikation gilt in der Wirtschaft als Schlüsselfaktor; diesem Fakt müssen räumliche Strukturen angepasst werden. Schwehr: «Die Kunst dabei ist, dass die Kommunikation im Büro nicht das konzentrierte Arbeiten und die Privacy der Mitarbeitenden stört.»

Die Prozessorientierung betont auch Mark Helfenstein: «Ein Arbeitsplatz ist unbefriedigend, wenn er die betrieblichen Prozesse einschränkt, statt sie optimal zu unterstützen, und die Mitarbeitenden demotiviert.» Und: «Den Mitarbeitenden muss es wohl sein.» Dabei spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle: Eine regulierbare Raumtemperatur, angenehme Lichtverhältnisse, ergonomische Möbel aus umweltfreundlichen Materialien und - ganz wichtig - eine geringe Lärmbelastung.

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Der natürliche Gestaltungswille des Einzelnen darf nicht abgewürgt werden. Jeder soll seinen Schreibtisch, seine Arbeitsecke nach Bedarf gestalten können: Sitzbälle mitbringen, Pflanzen aufstellen, Bilder aufhängen, Schoggidose griffbereit halten. Wenn aber die Gestaltungswut überbordet, drängt sich der Verdacht auf, dass damit ein besonders schlechtes Raumkonzept kompensiert wird.

Raumpsychologie unterschätzt

Die Bedeutung raumpsychologischer Aspekte werde immer noch unterschätzt, finden Markus Frei und Christine Hüsler, Gründer des Instituts für Angewandtes Feng Shui in Luzern (siehe «Nachgefragt»). Eine Palme am Eingang genügt eben längst nicht, damit sich Mitarbeitende wohl fühlen. Die Architektur eines Büros umsichtig und nachhaltig zu gestalten, Farben und Formen gezielt einzusetzen und Materialien abzustimmen, halten eigentlich nicht nur Feng-Shui-Experten für zentral.

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Trotzdem sieht man trostlose Büros noch immer in grosser Zahl. Warum? Liegt den Chefs zu wenig an der Bürogestaltung, obwohl sich diese auch ökonomisch lohnt? «Die letzten Jahre gehörten nicht zur Phase des Einrichtens», räumt Mark Helfenstein von Haworth ein. In konjunkturellen Flauten werde der Budgetposten «Büromöbel» meist zuerst gestrichen.

Spezialisten gefragt

Im laufenden Jahr hat der Markt zwar wieder angezogen. Doch Helfenstein ortet ein anderes Problem: Viele Chefs geben die Bürogestaltung nicht in fachkundige Hände weiter. «Für eine aktivitätsbasierte Raumgestaltung muss man aber Spezialisten beiziehen», fordert er. Stattdessen führen hier oft Vertreter der älteren Generation Regie, die allzu gerne an überholten Konzepten festhalten.

Doch die jüngere Generation macht zunehmend salonfähig, sprich bürotauglich, was jahrzehntelang verpönt oder nur aus medizinischen Gründen erlaubt war: Stehpulte oder Liegestühle für die Mittagspause. Das Büro der Zukunft - ein flexibel gestalteter Ort der Kommunikation in einem chamäleonartigen Gebäude mit mehreren funktionalen Zonen? Red Bull in London beispielsweise verbindet die Stockwerke mit einer Rutschbahn: Ein Extremfall? Jedenfalls dürfen gestaltungsstarke, fantasievolle Unternehmen durchaus Schule machen.

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NACHGEFRAGT

Markus Frei, Gründer IAF Institut für Angewandtes Feng Shui, Luzern

«Schon kleine Massnahmen bringen grossen Nutzen»

Wie wünschen sich Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz? Ist das Bewusstsein für die Bedeutung des Arbeitsplatzumfelds gestiegen?

Markus Frei: Ein Arbeitsplatz muss modern sein und genügend Platz aufweisen. Insofern haben sich die Wünsche in den letzten Jahren nicht wesentlich geändert. Das Bewusstsein um die Bedeutung des Arbeitsplatzumfeldes ist indes am Steigen - nicht zuletzt durch die Etablierung von Feng Shui auch in der Unternehmung.

Wie ist der «perfekte Arbeitsplatz»?

Frei: Lange bevor wir über Farben und Design sprechen, geht es erstens um die richtige Raumwahl innerhalb des Gebäudes, zweitens um die formal und radiästhetisch (Erdstrahlenwirkung) richtige Platzierung des Arbeitsplatzes.

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Welche Faktoren sind zentral: Lichtverhältnisse, Raumgestaltung, Möbeltyp, Farben?

Frei: Alle. Zum Licht: Keine Spiegelungen auf dem Bildschirm und diesen nicht so zum Fenster stellen, dass Sonnenlicht die Pupillen zu heftigem Auf und Zu bewegt, wann immer der Blick hin und her schweift. Das sind klassische Erkenntnisse aus der Arbeitsplatz-Ergonomie. Raumgestaltung: Arbeitsplätze mit Blick zur Tür und gutem Rückenschutz, angenehme Formen und Materialien. Möbeltyp: Grundsätzlich kann mit jedem Büromöbel-Programm ein gutes Arbeitsumfeld geschaffen werden.

Welchen Nutzen hat die Gestaltung des Arbeitsplatzes, welche Auswirkungen zeitigt eine nachteilige Gestaltung?

Frei: Bedeutung und Nutzen einer nachhaltigen Arbeitsplatzgestaltung sind immens! Es wäre interessant zu wissen, wie viele Franken übers Jahr Wirtschaft und Staat einsparen könnten, wenn die zahlreichen kurzen oder längeren Ausfälle reduziert würden. Es sei hier insbesondere auf Störzonen aus Radiästhesie und Elektrosmog hingewiesen.

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Was halten Sie von Schweizer Büros, welche Mängel stellen Sie fest?

Frei: Es gibt viel Handlungsbedarf. Gut 50% unserer Kunden sind Firmen, die ihre Arbeitsplätze optimieren. Meist sind es kleine Massnahmen, die den grossen Nutzen bringen: Bessere Gesundheit, mehr Motivation, gesteigerter Teamgeist und mehr Erfolg.

Warum klaffen Ansprüche und Wirklichkeit derart auseinander?

Frei: Die Arbeitgeber fürchten vor allem die Kosten. Ab 300 Fr. pro Mitarbeitenden sind Sie aber bereits dabei.

Was raten Sie Unternehmen, um Arbeitsplätze besser zu gestalten?

Frei: Für eine Optimierung lohnt es sich, eine Analyse machen zu lassen. Denn wenn Funktionalität, Budget und Corporate Design mit der Kunst des Feng Shui verschmelzen, entstehen Räume der Kraft!

Kann man dieselben Resultate auch mit gesundem Menschenverstand erzielen?

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Frei: Erkenntnisse aus der modernen Ergonomie, eine kräftige Portion Intuition und gesunder Menschenverstand helfen ein schönes Stück weiter.