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Idee
Elite-Forscher publiziert «Lebenslauf des Scheiterns»

Niederlage und Erfolg: Beide Elemente gehören zur Karriere. Flickr/CC/Chris Potter

In einem Lebenslauf sind Erfolge und Leistungen aufgeführt. Nicht so in diesem. Das «CV des Scheiterns» eines Princeton-Akademikers macht Fehlversuche und Absagen publik – das sorgt für Aufsehen.

Von Marc Bürgi und Karen Merkel
am 02.05.2016

Eine Position in Princeton, das ist eine Hausmarke. Die meisten würden hier von einem Senkrechtstart, einer Traumkarriere sprechen. Wie viel Scheitern in solchem Erfolg steckt, darüber sprechen die wenigsten. Einer hat es getan: Johannes Haushofer, Assistenzprofessor eben an der US-Eliteuniversität Princeton, hat die Liste seiner Fehlversuche publik gemacht. Er hat ein Curriculum Vitae mit sämtlichen Rückschlägen veröffentlicht.

Haushofers akademisches Profil auf der Princeton-Webseite enthält zwei Lebensläufe: Der eine streicht, wie üblich, seine Fähigkeiten und Leistungen hervor. Und die können sich sehen lassen: Nach Studien in Cambridge, Harvard und der Universität Zürich forscht der Wissenschaftler jetzt als Assistenzprofessor für Psychologie und Öffentlichkeitsarbeit in Princeton. Das zweite, das «CV of Failures», listet ebenso säuberlich all die Dinge auf, die andere lieber unter den Teppich kehren: Ablehnungen, Misserfolge, Enttäuschungen.

Scheitern wie Ronaldinho

Auf die Idee gebracht hat Haushofer der Artikel einer Akademiker-Kollegin: Melanie Stefan, Forscherin an der Edinburgh Unversität, publizierte 2010 einen Artikel über das Konzept im Wissenschaftsmagazin «Nature». In dem Bericht schildert sie, wie sie die Absage für ein Stipendienprogramm erhielt und am gleichen Tag las, dass Brasiliens Star Ronaldinho nicht mehr für die Nationalmannschaft aufgestellt wurde. Das tröstete. «Cool», dachte Stefan, «ich bin wie Ronaldhino.» Der Wissenschaftlerin wurde bewusst, wie üblich das Scheitern einer Bewerbung ist – und wie ermutigend es sein kann, um die Fehlversuche anderer zu wissen. Sie will darum andere Akademiker ermuntern, offen über Niederlagen zu sprechen.

Ermutigen möchte auch Haushofer. Das CV sei ein Versuch, die Dinge in die richtige Perspektive zu setzen: «Das meiste, was ich versuche, misslingt. Dies Scheitern bleibt in der Regel unsichtbar, während die Erfolge deutlich sind», sagte er auf Anfrage von handelszeitung.ch.

Sein erstes «CV der Niederlagen» verfasste Haushofer dabei bereits vor einigen Jahren, um einen Freund aufzumuntern, der einen beruflichen Rückschlag erfahren hatte. Jetzt entschied er, ihn publik zu machen – eine so breite Resonanz hat er allerdings in keinster Weise erwartet. «Die Reaktionen waren überwältigend positiv», so Haushofer, «ich war davon ausgegangen, dass es einzig einige Studenten und Kollegen interessieren würde.» Stattdessen hat der Elite-Forscher mit seinem ungewöhnlichen Lebenslauf offenbar viele Menschen inspiriert, auf Twitter wurde seine Meldung hundertfach geteilt, und verschiedene Medien berichteten über die Aktion. Haushofers «CV der Niederlagen» könnte also Schule machen.

Offenherzige Jungunternehmer

Für diesen Kulturwandel können sich Akademiker an der Startup-Branche orientieren: Auch dort ist es Trend, Scheitern öffentlich einzugestehen. Davon zeugt der Erfolg der «FuckUp Nights»: An dieser weltweiten Veranstaltungsreihe präsentieren Startup-Gründer ihre unternehmerischen Misserfolge, auch in der Schweiz finden solche Abende statt.

Für Johannes Haushofer ist mit seinem «CV der Niederlagen» ein weiterer Misserfolg hinzugekommen: Das Papier habe viel mehr Beachtung gefunden als sein gesamte bisherige Forschungstätigkeit, schreibt er mit einem Augenzwinkern.

Damit Sie nicht unfreiwillig scheitern – auf diese Sätze sollten Sie im Lebenslauf verzichten:

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Auf diese Sätze sollten Sie im Lebenslauf verzichten

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Auf diese Sätze sollten Sie im Lebenslauf verzichten: «Meine Hobbys sind Skifahren und Golf»: Wenn Hobbys nicht irgendetwas Konkretes mit der Ausschreibung zu tun haben, haben sie in modernen Lebensläufen nichts mehr zu suchen. Sie können nur verlieren: Je banaler Ihr Hobby, desto uninteressanter, je spezieller, desto irritierter wird der Recruiter reagieren.