Elon Musk ist für kühne Ankündigungen bekannt. Mit seinem Elektroautounternehmen Tesla will er in den nächsten Jahren hunderttausende Wagen des Model 3 verkaufen. Sein Raumfahrtsunternehmen SpaceX soll schon bald die ersten Menschen zum Mond fliegen. Visionär ist auch seine Idee für eine Hochgeschwindigkeitsbahn: Im «Hyperloop» sollen Passagiere mit bis zu 1220 Stundenkilometern durch Röhren sausen. Musk möchte mit einem solchen Superzug die Fahrzeit zwischen Los Angeles und San Francisco auf eine gute halbe Stunde reduzieren.

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Jetzt hat Musk einen weiteren hochfliegenden Plan vorgestellt – und auch bei diesem Projekt soll der Hyperloop zum Einsatz kommen. Er schlägt vor, an der US-Ostküste den längsten Tunnel der Welt zu bauen. Die Röhre soll New York mit Washington DC verbinden und die Reisezeit auf der 354 Kilometer langen Strecke auf knapp eine halbe Stunde verkürzen. Der Tunnel wäre viel länger als der aktuell längste Bahntunnel der Welt  – der 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel.

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«Vielversprechende Diskussionen»

Auf Twitter behaupt Musk, er habe eine mündliche Zusage von der Regierung für das Vorhaben erhalten – und er sei optimistisch, rasch eine definitive Zusage zu bekommen. Nun fragt sich, ob das Projekt tatsächlich bereits so fortgeschritten ist. Die Stellungnahme des Weissen Hauses zu Musks Twittermeldung lässt daran zweifeln: Regierungsvertreter hätten «vielversprechende Diskussionen» mit Musk geführt, sagte ein Sprecher auf Anfrage der Agentur Bloomberg.

Onehin ist Musks «Hyperloop»-Projekt nicht ausgereift. Bislang besteht erst eine Teststrecke in der kalifornischen Wüste, auf der die Magnetbahntechnik erprobt wird. Und das Problem, wie solche Hyperloop-Strecken bezahlt werden sollen, ist völlig ungelöst. Tunnelbauen ist äusserst teuer, wie die Schweiz weiss: Der Bau der neuen Verbindung durch den Gotthard kostete 12,2 Milliarden Franken.

Die Slowakei hat angebissen

Dass Musks Hyperloop-Strecken bald Realität werden, scheint eher unwahrscheinlich. Mit seinen Ankündigungen erhält der begabte Selbstvermarkter aber viel Aufmerksamkeit und steigert das Interesse an seinen verschiedenen Unternehmen. Beim Hyperloop scheinen die vielen Ankündigungen den erhofften Effekt zu haben: So liebäugelt offenbar die Slowakei mit einer Verbindung zwischen Bratislava und Wien. Und auch Russland und Dubai sollen an der Magnetbahntechnik interessiert sein.

Elon Musk (@elonmusk) 20. Juli 2017