Fliegen hat für mich viele Ähnlichkeiten mit dem Managen eines Unternehmens», sagt Peter Waser, «ich muss das Ziel kennen und dorthin gehen wollen, ich muss die Mittel haben, um es zu erreichen, und ich muss die wichtigsten Schritte vorausplanen - denn während des Fluges kann ich ja nicht einfach aussteigen und nachdenken, wie es weiter gehen soll.» Sanft schiebt er die Schubhebel der Piper Cheyenne etwas nach vorne. «Wir steigen jetzt noch einmal 500 Fuss, da oben rüttelt es vielleicht etwas weniger.» Es herrscht Mitte Juni nach dem Start in Zürich und einer Linkskurve Richtung Winterthur perfektes Flugwetter. Dennoch rüttelt der Sechsplätzer ab und zu etwas, weil sich über den Voralpen am Nachmittag die Thermik bemerkbar macht.

Freude an komplexen Systemen

Kräftig durchgeschüttelt wurde auch einer der ersten Arbeitgeber von Waser, bei dem er seine erste Managementfunktion hatte. «IBM war 1991/1992 in eine Krise geraten, beschloss dann, sich auf das IT-Dienstleistungsgeschäft zu konzentrieren und stiess nach und nach andere Bereiche wie das Netzwerkgeschäft ab.» Das blieb auch für Waser nicht folgenlos. «Gratuliere zum neuen Job, begrüsste mich der damalige Chef eines Morgens - dabei hatte ich davon noch nichts gewusst.»

Waser überlässt jetzt das Fliegen dem Autopiloten. Für den Blick über die Ostschweiz bleibt nicht allzu viel Zeit - die Instrumente müssen beobachtet werden, hie und da gibt es einen Knopf zu drücken oder einen Schalter zu betätigen. «Das fasziniert mich am Fliegen - das System ist sehr komplex, und viele Dinge hängen miteinander zusammen.» Das galt auch für seine nächste berufliche Aufgabe. «Bei Swisscom war ich beim IT- und Produktemanagement und habe die Call Center neu ausgerichtet. Dabei geht es immer auch um die Abstimmung von Prozessen und Technologie.»

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Von IBM zu Swisscom - ist das nicht ein Kulturschock? «Nein, ich arbeitete in einem neu geschaffenen Bereich; wir befanden uns damals in der spannenden Phase der Privatisierung.» Diese Privatisierung brachte auch neue Chancen für aufstrebende Start-ups. Wer kennt heute noch WLL, Wireless Local Loop, eine Technologie, die als kabellose Alternative zur kupfernen «letzten Meile» der Swisscom angedacht war?

Die besten Älplermagronen

Callino war eines der Unternehmen, das sich für viel Geld eine WLL-Lizenz ersteigert hatte. «Wir waren wie ein richtiges Telecom-unternehmen mit allem, was dazu gehört», sagt Waser, «wir waren einfach viel kleiner, auf dem Höhepunkt hatten wir gerade einmal 130 Angestellte.» Allerdings platzte die Telekom-Blase, und die Geldgeber aus den USA drehten den Hahn zu. Waser hatte das Unternehmen aufgebaut und musste es wieder auflösen. «Dennoch war es eine sehr positive Erfahrung für mich», blickt Waser zurück. Sein Kommunikationskonzept für die Krise? «Man muss einfach immer ganz ehrlich sagen, wie es aus-sieht, auch wenn es hart ist - das Personal erwartet das auch, dass es ungeschminkt informiert wird.»

Inzwischen haben wir die Reiseflughöhe erreicht und steuern direkt auf den Säntis zu. «Sehen Sie da vorne die Wand?», deutet Waser nach vorne, «dort, diese Zickzackstrecke nach oben mache ich einmal im Jahr mit meiner Frau.» Wandern und Fliegen, am liebsten in den Bergen, sind die grossen privaten Leidenschaften des Innerschweizers. «Ich bin in Engelberg aufgewachsen und wohl auch deshalb sehr gerne in den Bergen.»

Seine beiden Töchter sind mit 17 und 14 in einem Alter, wo sie nicht mehr jede Wanderung mitmachen. «Allerdings gibts in Engelberg ein Bergrestaurant mit den besten Älplermagronen - da kommen auch sie mit.» Ebenfalls in Engelberg befindet sich das beste Lokal für Meringues.

Welche Farbe hat Wasers iPod?

Googelt ein Microsoft-Manager? «Nein, ich ‹binge›», sagt Waser lachend in Anspielung auf die neue Suchmaschine seines Unternehmens, «obwohl ich darüber öfter Diskussionen mit meinen Töchtern habe.» Und welche Farbe hat Wasers iPod? Nochmal ein Lachen. «Wir haben den Zune und hierzu gab es mit meinen Töchtern kaum Diskussionen - für sie ist die Musik wichtig.»

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Der Piepston signalisiert dem Piloten, dass der Autopilot ausgeschaltet wird. Waser schwenkt kurz vor dem Säntismassiv in eine sanfte Rechtskurve ein. Jetzt liegt die Linthebene vor uns. Aus der Ferne ist im Dunst der Ballungsraum um Zürich zu erkennen.

Würde Waser seinen Töchtern eine Laufbahn in der IT-Branche empfehlen? «Meine ältere Tochter hatte mal bei uns eine Woche geschnuppert. Sie ist im Wirtschaftsgymnasium, wird aber eher nicht in die IT-Branche gehen.» Die Trennung von Beruf und Familie gelingt Waser gut, findet er. «Zwar bin ich durch die modernen Kommunikationsmittel auch immer erreichbar, aber auf der anderen Seite kann ich auch einmal etwas von zu Hause aus machen.» Microsoft unterstützt flexibles Arbeiten und richtet jetzt in Wallisellen eine neue Arbeitsumgebung ein.

Beim Flug über den Zürichsee kreuzen wir das rechte Ufer. «Wir bauen gerade hier rechts in Feldmeilen und könnten ja mal die Baufortschritte von oben besichtigen», sagt Waser lachend. Mit seiner Familie wohnt er jetzt noch in Zürich-Oerlikon als Zwischenlösung. «Hotel-Bravo-Lima-Kilo-Mike ...»: Über dem Bellevue muss sich Waser mit der Flugzeugimmatrikulation wieder beim Kontrollturm von Zürich-Kloten anmelden. Auf der Höhe von Altstetten steuert er die Piper in eine Rechtskurve, drosselt die Motoren und schwenkt Richtung Flughafen ein.

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Konstruktive Kritik wichtig

Und die weiteren Pläne? «Am schönsten ist es in einer grossen IT-Firma auf dieser Position hier», sagt Waser plötzlich temperamentvoll. «Hier bin ich in direktem Kontakt an der Front, mit den Partnerfirmen, die unsere Produkte verkaufen, ich kann mich auch bei Verbänden und Stiftungen engagieren - ich brauche einfach immer eine interessante, herausfordernde Tätigkeit.» Hinzu kommt das Development Center für IP-Telefonie, das Microsoft durch den Kauf der Zürcher Firma Media Streams übernommen hat.

Microsoft ist immer wieder auch Zielscheibe von Kritik. «Ich kann gut damit umgehen, wenn sie konstruktiv vorgebracht wird, und finde es sehr wichtig, dass Kritik auch geäussert wird. Ich betone dann, wie wichtig der Gebrauch von Innovationen und einer produktiveren Arbeitsumgebung für die Schweiz ist.» Ein Franken Umsatz bei Microsoft bedeutet acht Franken bei den Partnerfirmen, woraus sich aufgrund einer Umsatzschätzung der «Bilanz» für Microsoft in der Schweiz ein Gesamtumsatzeffekt von über 7 Mrd Fr. ergibt.

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«Hotel-Bravo-Lima-Kilo-Mike clear for landing» tönt es aus dem Kopfhörer. Der Anflug führt zunächst quer über die Blindlandepiste, dann südlich am Flughafenkopf vorbei und in einer engen Linkskurve auf die Westpiste. Waser setzt butterweich auf. Schon wartet das gelbe «Follow-me»-Fahrzeug und führt zum Privatflugzeugbereich. Schubhebel ganz zurück, Zündung aus, und es wird ungewohnt ruhig.

Ruhig bleibt Waser am Boden aber nicht. Bereits am folgenden Wochenende fliegt er wieder einige Passagiere auf Rundflügen über die Schweiz. Mit der Familie gehts oft für Strandferien in den Fernen Osten. Da gibt es doch keine Berge, oder? «Nein, aber ich habe noch einen Gutschein für den begleiteten Aufstieg aufs Matterhorn», sagt Waser mit glänzenden Augen. «... Und dann reizt mich auch noch der Kilimandscharo ...»

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