Er ist einer, der das Gewinnen wie kaum ein Zweiter kennt – und der das Verlieren lernen musste. «Letztlich treibt mich auch heute noch das Gleiche zu Höchstleistungen an, was mich dazu gebracht hat, mit dem Tennis zu beginnen: Meine Liebe zum Sport und meine Freude daran. Eigentlich kann ich gar nicht genug davon bekommen», sagt Roger Federer. Und der Schweizer Tennisstar meint damit nicht das Geld. «Es ist mir immer gelungen, Angeboten zu widerstehen, etwas nur um des Geldes wegen zu tun. So habe ich meinen Fokus nie verloren.»

Und dieser Fokus der Besten heisst: Nie nachlassen im Bestreben, noch besser zu werden. Nie die Freude an neuen Herausforderungen verlieren, auch wenn es mal harzig wird. Und sogar den Niederlagen das Positive abgewinnen – diese dritte Fähigkeit von Siegertypen ist eine der wichtigsten überhaupt. Federer sagt es so: «Niederlagen oder schlechte Tage sind wichtig. Denn sie führen dazu, dass man selbstkritisch einiges überdenkt und so sein Spiel verbessern kann. Wenn alles immer nur problemlos verlaufen würde, wäre es viel schwieriger, sich zu steigern.»

Freude schafft Erfolge

So betrachtet, wird Federer wohl noch viele Gelegenheiten haben, sich zu steigern, falls er die Lust nicht verliert. Dass seine Rezepte für den Aufstieg funktionieren, das hat er jedenfalls bewiesen.

Freude haben an dem, was man tut, und sich nicht unterkriegen lassen. Mehr braucht es offenbar nicht für den Erfolg – sei es im Sport oder auch in der Berufswelt. Auf diese schlichte Quintessenz lassen sich die Aussagen von 46 erfolgreichen Persönlichkeiten herunterbrechen, die der Managementberater Hans R. Knobel und die Kommunikationsfachfrau ­Manuela Stier in der Publikation «Gewinnen der Besten – Rezepte der Leader» zusammengetragen haben.

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Nobelpreisträger Kurt Wüthrich gehört ebenfalls zu den Besten seines Faches. Und er bestätigt die einfache Grundvoraussetzung für Erfolg: «Das Wichtigste ist, dass mir meine Arbeit immer Freude gemacht hat. Auch heute verspüre ich immer noch eine unbändige Neugier, in Neues hineinzusehen. Und ich habe meistens genau gewusst, was ich erreichen wollte», so der ETH-Chemiker.

Wer gefunden hat, was ihm Freude macht, muss sich voll engagieren können, um Erfolg zu haben. Nicht nur im Sport. «Die Anforderungen eines akademischen Berufes müssen vor dem Privaten stehen und nicht umgekehrt», sagt Nobelpreisträger Wüthrich. Der Genfer Bankier Patrick Odier, Senior Partner von Lombard Odier Darier Hentsch, sagt es ebenso deutlich: «Die Besten sind dann verfügbar, wenn es die Situation erfordert. Und zwar unabhängig von der Tag- und Nachtzeit.» Auch wenn sie keine Feuerwehrleute oder Nothelfer sind. Glücklicherweise ist es so, dass Freude automatisch auch Engagement mit sich bringt.

Gut zu sein in dem was man tut, heisst nicht, gleich ein Steve Jobs zu werden oder ein absolutes Ausnahmetalent wie Federer. Swissmem-Präsident Hans Hess weiss: «Die Besten sind diejenigen mit der höchsten Leistungsbereitschaft, der grössten Energie bis hin zur Leidenschaft für das, was sie machen. Deshalb findet man die Besten auf allen Ausbildungsstufen und in allen Funktionen. » Und diese Besten zeichnet nach Hess aus, dass sie gerade durch besondere Herausforderungen – Stress, Krisen – noch mehr motiviert werden, das Problem zu lösen.

Der ehemalige Denner-Chef Philippe Gaydoul pflichtet bei: «Die Besten muss man nicht motivieren. Die motivieren sich selbst. Für sie gilt das Prinzip: Stillstand ist Rückschritt. Wichtig ist, dass man eine Vision hat und diese konsequent verfolgt.» Und Gaydoul rät zukünftigen Erfolgsmenschen: «Bleibe gerade auch bei Erfolgen auf dem Boden. Mach dich auf Rückschläge gefasst, denn diese kommen automatisch. Versuche, damit klar zu kommen und lerne daraus.»

Sichtbar werden

Auch SBB-Chef Andreas Meyer hat feststellen müssen: «Es ist falsch, wenn man glaubt, die Karriere planen zu können. Entscheidend ist vielmehr, immer das Beste zu geben, unabhängig von der momentanen Situation. So wird man automatisch sichtbar.» Keine Angst haben und keine Grenzen sehen, wo keine sind, ist ein weiteres Erfolgsrezept, das auch Hans Künzle, der Chef der Versicherung Nationale Suisse, anführt: «Gerade in Krisensituationen zeichnen sich die Besten dadurch aus, dass sie nach vorne schauen können, dass sie alte Denkmuster verlassen können und dadurch zu neuen Lösungen gelangen.»

Und wie findet man als Arbeitgeber diese Besten? Swisscom-Chef Carsten Schloter hat ein unfehlbares Instrument, um die Spreu vom Weizen zu trennen: «Die besten unter den bestehenden Mitarbeitenden erkennt man rasch, etwa am Feuer in ihren Augen. Sie ergreifen Initiativen, sind begeisterungsfähig, sehen das Glas halbvoll, begegnen Neuem positiv und sehen es als Chance.» So einfach kann das sein. Titel und Diplome sind dabei für Schloter weniger wichtig als die weichen Faktoren wie Persönlichkeit und Charakter, die sich jemand angeeignet hat im Berufsleben – «oder eben nicht».

Was Knobel und Stier in der Schweiz an Erfolgsfaktoren zusammengetragen haben – Freude an der Leistung und keine Angst vor dem Misserfolg –, findet international sein Pendant. Gary Burnison, Chef des internationalen Führungskräftevermittlers Korn/Ferry, hat in seinem Buch «No Fear of Failure» als Quintessenz festgehalten: «Eine erstaunliche Parallele zwischen den Führungskräften ist ihre innere Gelassenheit gegenüber der Tatsache, dass Scheitern unvermeidlich ist. Während Erfolge ihr Selbstvertrauen stärken, haben ihnen ihre Misserfolge mehr Weisheit geschenkt.»

Acht Erfolgsfaktoren: So funktionieren Gewinnerhirne

  1. Selbsterkenntnis: Sie wissen, wo Ihre Stärken liegen und was Sie motiviert. Ihre Selbstwahrnehmung weicht kaum von der Fremdwahrnehmung ab.
     
  2. Motivation: Sie suchen die Strecke aus, starten den Motor, fahren los. So oft, bis sie am Ziel sind – auch bei monotonen, aber wichtigen Arbeiten.
     
  3. Fokus: Enger Fokus heisst, sich zu konzentrieren und alles andere auszuschalten. Weiter Fokus heisst, die Aufmerksamkeit breit zu streuen wie ein Pilot, der 100 Knöpfe im Auge behalten muss. Gewinnerhirne können beides. Und beides lässt sich trainieren.
     
  4. Emotionale Ausgeglichenheit: Gewinner können Emotionen so steuern, dass sich auch schlechte Gefühle positiv auf die Zielerreichung auswirken.
     
  5. Gedächtnis: Erfolgsmenschen lernen aus Erfahrungen.
     
  6. Resilienz: Sie haben die Fähigkeit, nach Rückschlägen neu anzufangen. Fünfmal vergeblich versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören, heisst nicht, dass es beim sechsten Mal nicht klappt.
     
  7. Anpassungsfähigkeit: Gewinner erkennen, wann es an der Zeit ist, eine andere Richtung einzuschlagen, und fokussieren auf ihr neues Ziel, unabhängig von allen Herausforderungen.
     
  8. Hirnpflege: Erfolgstypen bewegen sich regelmässig, holen sich Inspiration, achten auf die Ernährung und schlafen auch genug.

Jeff Brown, Mark Fenske: So denken Gewinner, Goldmann 2011

Hans R. Knobel, Manuela Stier: Gewinnen der –­ ­Besten – Rezepte der Leader. 49 Franken. Nicht im Buchhandel. Bestellung: www.stier.ch