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Steuern
Erneuter Rekord an reuigen Steuertricksern

Die Stadt Genf: Der Stadtkanton war bei der Selbstanzeige von Steuertricksern 2017 Spitzenreiter.

2017 haben sich in den meisten Kantonen so viele Steuersünder selbst angezeigt wie noch nie. Grund dafür dürfte die Einführung des Automatischen Informationsaustausches (AIA) sein.

Veröffentlicht am 16.01.2018

2017 haben sich in den meisten Kantonen so viele Steuersünder selbst angezeigt wie noch nie. Vor allem Südeuropäer mit Liegenschaften im Heimatland haben sich bei den Steuerbehörden gemeldet. Grund dürfte die bevorstehende Einführung des Automatischen Informationsaustausches (AIA) sein.

Einmal im Leben können sich säumige Steuerzahler straflos selbst anzeigen. Diese Möglichkeit ist mit der «kleinen Steueramnestie» im Jahr 2010 geschaffen worden.

Bereits 2016 hatten tausende Reuige davon Gebrauch gemacht - viele Kantone vermeldeten Höchstzahlen von Selbstanzeigen. Jetzt ist diese Zahl noch einmal deutlich angestiegen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda zeigt. Von 20 Kantonen liegen Zahlen vor.

Aufklärungsarbeit von Ausländervereinen

Einen Rekord verzeichnet etwa der Kanton Zürich: 6150 Personen haben 2017 die Gelegenheit genutzt, steuerlich reinen Tisch zu machen - fast dreimal so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2016.

Vor allem die Zahl der gemeldeten italienischen, portugiesischen und spanischen Liegenschaften war gross, wie die Finanzdirektion des Kantons mitteilte. Insgesamt konnte das Steueramt 1,327 Milliarden Franken aufdecken, die künftig in den Steuererklärungen auftauchen werden.

Das Zürcher Steueramt führt die Flut von Selbstanzeigen auf den bevorstehenden Start des Automatischen Informationsaustauschs zurück. Dank diesem erhalten die Kantone erstmals per 1. Oktober 2018 Informationen über ausländische Finanzanlagen von Personen in der Schweiz.

Nur wenig Steuersubstrat

Guido Lenz, Steuerkommissär im Kanton Graubünden, sieht vor allem Informationsveranstaltungen von Ausländervereinigungen zum AIA als Grund für die Zunahme der Selbstanzeigen. Im Graubünden haben sich mit 879 Eingaben dreimal mehr Personen angezeigt als noch im Vorjahr - ein Rekord.

Während sich 2016 noch gar keine Südeuropäer mit Liegenschaft im Heimatland gemeldet hatten, waren es im vergangenen Jahr deren 305. Diese Kategorie der Steuersünder hat laut Lenz aber nur wenig Steuersubstrat generiert. Denn Schweizer Steuerpflichtige müssen zwar Immobilien im Ausland der Steuerbehörde angeben. In den meisten Kantonen werden die Liegenschaft und deren Mietvertrag jedoch nicht besteuert, sondern lediglich für die Bestimmung des Steuersatzes herangezogen.

Medienberichte haben sensibilisiert

Auch der Kanton Glarus verzeichnet eine neue Höchstzahl. Rund 250 Personen haben sich bei den Steuerbehörden gemeldet, viermal so viele wie im Vorjahr. Dabei habe die Berichterstattung in den Medien über die Möglichkeit von Selbstanzeigen eine Rolle gespielt, sagte Remo Allemann von der kantonalen Steuerverwaltung.

Viele der Personen, die sich gemeldet haben, seien sich erst so über die Unrechtmässigkeit ihres Tuns bewusst geworden. Vor allem Personen aus Portugal und Italien haben sich laut Allemann straflos angezeigt.

Im Kanton Aargau sind es ebenfalls grösstenteils Liegenschaftsbesitzer aus Südeuropa, die sich bei den Steuerbehörden gemeldet haben. Die Zahl der Selbstanzeigen hat sich auf 1113 verdoppelt. Im Kanton Solothurn haben sich 913 säumige Zahler gemeldet - im Vorjahr waren es noch 501.

Rekord auch in der Zentralschweiz

In der Zentralschweiz ist die Zahl der Steuersünder, die sich im vergangenen Jahr bei den kantonalen Steuerämtern angezeigt haben, ebenfalls stark gewachsen. Der Löwenanteil entfällt auf den Kanton Schwyz. Dort wurden 2017 beim Finanzdepartement 772 Selbstanzeigen eingereicht, mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2016.

Der Kanton Uri verzeichnete 100 Fälle, im Vorjahr waren es lediglich 20 gewesen. In Luzern stieg die Zahl Selbstanzeigen um 74 auf 495. In Zug zeigten sich 190 Steuerpflichtige selbst an, 38 mehr als im Vorjahr.

Im Kanton Obwalden plagte 212 Steuersünder das schlechte Gewissen und in Nidwalden haben sich 173 Personen bei den Steuerbehörden gemeldet. Im Vorjahr waren es in beiden Kantonen je 77 Personen gewesen.

Mit 1997 Selbstanzeigen ist auch im Kanton Baselland 2017 erneut ein Rekord verzeichnet worden. In Basel-Stadt hatten im vergangenen Jahr 1342 säumige Zahler ein schlechtes Gewissen.

Im Kanton Schaffhausen sind insgesamt 158 Selbstanzeigen eingegangen, Appenzell Ausserrhoden registrierte 220 Anzeigen und im Thurgau stieg die Zahl der Selbstanzeigen von 162 auf 238.

Spitzenreiter Genf

Auch in der Südschweiz haben sich so viele Steuersünder selbst angezeigt wie noch nie. Der Kanton Tessin meldet 1584 Anzeigen, 963 waren es im Vorjahr.

Schweizweit Spitzenreiter ist der Kanton Genf: 10'815 Steuersünder haben sich im letzten Jahr bei den Behörden gemeldet. 2016 verzeichnete der Kanton noch 2836 Eingaben, was damals schon einen Rekord bedeutete. Der Kanton Jura hat 886 Eingaben verzeichnet, zehnmal mehr als im Vorjahr. Im Wallis haben sich 450 Reuige selbst angezeigt, nach 249 im Jahr 2016.

Von Bern, St. Gallen, Freiburg und Neuenburg stehen die Informationen noch aus. Die Kantone Waadt und Appenzell Innerrhoden machen keine Angaben zur Zahl der Selbstanzeigen.

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