Fly me to the moon», antwortet der seit zwei Wochen neu gewählte Valiant-CEO auf die Frage, ob er noch einen Bubentraum hat. Bereits als Kind habe er sich für Astronomie begeistert, sagt Michael Hobmeier. Dass es ihm ernst ist, zeigt sich an seinem Handgelenk. Dieses wird von einer Omega Speedmaster, auch bekannt als Moonwatch, geschmückt. Die Moonwatch soll eine der ersten Uhren auf dem Mond gewesen sein. «Meine stammt aber leider nicht aus der Originalserie von 1969», sagt Hobmeier.

Damit die Uhr auf dem Mond und in der Schwerelosigkeit funktioniert, muss sie manuell aufgezogen werden. «Das habe ich beim ersten Mal ganz vergessen», lacht er, was zu einer endlosen Fahrt in Richtung Jura führte. «Die Uhr blieb um 15.15 Uhr stehen. Um 15.30 Uhr sollte ich mich auf den Weg zu einer Filialbesichtigung in Delsberg machen. Da ich aber nicht gemerkt habe, dass meine Uhr stehen geblieben war, habe ich prompt den Zug verpasst», sagt er. Um rechtzeitig im Jura anzukommen, bestellte er sich ein Taxi. Allerdings sorgten der «Zwiebelemärit» in der Berner Innenstadt und mangelnde Ortskenntnisse des Chauffeurs für eine lange und unvergessliche Taxifahrt. Seither hat er es nie wieder verpasst, die Uhr aufzuziehen.

Banker statt Astronaut

Anstatt vom Mond aus die Erde zu betrachten, blickt Hobmeier nun von seinem Valiant-Chefsessel auf das Bundeshaus. «Zum Astronauten hatte ich wohl nicht die körperliche Fitness», gesteht Hobmeier. Aber auch der Ausblick aus seinem Büro lässt kaum Wünsche offen. Das alte, lichtdurchflutete Gebäude mit den grossen Fenstern und dem alten, knackenden Parkettboden verleiht dem Büro einen einzigartigen Charme. Einziger Wermutstropfen: «Manchmal ist es etwas laut, wenn Veranstaltungen auf dem Bundesplatz stattfinden.» So auch am Tag zuvor, als auf dem Bundesplatz eine Veranstaltung zur Musik der Popsängerin Lady Gaga durchgeführt wurde.

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Nach dem Gymnasium zog es Hobmeier erst einmal ein Jahr in den Militärdienst. «Ich denke, diese Erfahrung hat mir geholfen, Führungsqualitäten zu erlangen. Ich habe vieles gelernt, was ich heute noch im täglichen Leben anwenden kann.» Ob jemand seinen Militärdienst leistet, interessiert ihn denn auch noch heute bei den Anstellungsgesprächen. «Dabei geht es mir nicht darum, welchen Grad jemand erlangt hat. Auch verstehe ich, dass jemand gute Gründe haben kann, den Dienst abzubrechen.» Viel eher gehöre die Militärschule zur Schweiz und zur hiesigen Kultur und sei zudem eine Chance, die Schweiz besser kennenzulernen.

Kein Streber

Nach seinem Ausflug in die Armee zog er 1985 weiter an die ETH Zürich, wo er Elektrotechnik studierte. «In diesem Bereich ging zu dieser Zeit die Post ab», sagt er. Erste Computer kamen auf den Markt und revolutionierten das tägliche Leben. Nach erfolgreichem Abschluss liess er sich noch an der Universität St. Gallen (HSG) immatrikulieren. Dort hatte er die Möglichkeit, innerhalb von zwei Jahren einen Abschluss in Finanz- und Rechnungswesen zu machen. «Um ein Unternehmen zu verstehen, braucht es Finanzkenntnisse. Das ist das A und O», sagt er.

Obwohl es den Anschein macht, dass Hobmeier bereits in jungen Jahren auf einen gut schweizerischen und lückenfreien Lebenslauf Wert legte, würde er sich in seiner Studienzeit nicht als Streber sehen. «Ich habe mir mein Studium selber finanziert. Da war es mir wichtig, Gas zu geben», erklärt er.

Kontakt zur Bankenwelt knüpfte Hobmeier durch seine zehnjährige Beratertätigkeit bei PricewaterhouseCoopers (PwC), wo er 1999 zum Partner ernannt wurde. Die gleiche Funktion bekleidete er danach bei IBM Schweiz, bevor er 2003 als Mitglied der Konzernleitung zu Valiant wechselte. «Bei meiner Arbeit bei PwC und IBM habe ich mich immer auf die Branchen Banken und Telekom konzentriert», sagt er. Das verhalf ihm dazu, engeren Kontakt zu diversen Banken und nicht zuletzt zu Valiant zu knüpfen. «Zu Valiant und ihren Vorgängerbanken hatte ich praktisch seit meinem ersten Arbeitstag bei PwC Kontakt. Ich musste damals gleich eine Offerte für die Bank schreiben.»

Eine Chancenfirma

Die enge Beziehung zu Valiant setzte sich auch nach seinem Abgang bei IBM Schweiz durch, trotz weiteren Jobangeboten. «Ich habe mich bewusst für Valiant entschieden. Für mich war das immer ein ganz spezielles Unternehmen - ‹valiantastisch anders› eben», schmunzelt er. Valiant sei eine Chancenfirma. Die Bank könne Chancen nutzen, die der Markt biete. «Wir bewegen uns nicht in einem engen Korsett wie an- dere Institute», sagt er. Zudem sei Valiant ein personenbezo-genes Dienstleistungsunternehmen. «Daher denke ich, dass ich gut in dieses Unternehmen passe. Ich bin kein technokratischer Manager, der sich unzählige Rapporte bringen lässt und sich hinter den Papierbergen im kleinen Kämmerchen versteckt», sagt Hobmeier. Die persönliche Präsenz sei ihm viel wichtiger. «Ich will rausgehen und mit den Leuten sprechen können.»

Entsprechend missfallen ihm auch Sitzungen. «Sitzungen mag ich überhaupt nicht. Sie langweilen mich oftmals», sagt er. Es werde heute zu viel und zu lange zusammengesessen. Und vielfach werde kein gescheites Resultat erzielt. «Wir arbeiten in kleinen Komitees und vielfach bilateral zusammen. Das funktioniert sehr gut und ist meines Erachtens auch effizient.» Ein Zusammentreffen gibt es auch immer wieder mal in einem kulinarischen Rahmen. Festbrüder seien die Valiant-Banker jedoch nicht. «Das wäre wohl rufschädigend», lacht er. Man schätze aber den direkten Kontakt zueinander und zu den Kunden. «Wir Valiäntler haben gerne Geselligkeit und sind bodenständig.» Entsprechend brauche es auch kein Sieben-Gang-Menu. «Eine Wurst tut es auch.»

Lila steht ihm gut

Essen tut er sowieso gerne. «Eines meiner grossen Hobbys neben dem Lesen und Konzertbesuchen ist das Kochen.» Besonders am Wochenende nutzt er die Gelegenheit, zusammen mit seiner Frau zu kochen. «Die Aufgaben müssen aber aufgeteilt werden. Jeder bereitet ein Gericht zu.» So funktioniere die Teamarbeit. Sonst gäbe es ein Durcheinander. «Meine Frau sagt immer, sie möchte mich nie zum Chef haben», lacht er. Er könne fordernd sein, auch im Geschäft.

Aufgrund seines prallen Terminkalenders bleibt ihm unter der Woche kaum Freizeit. Meist beginnt er seinen Arbeitstag um sieben Uhr. Einen normalen Arbeitstag gebe es jedoch kaum. «Meine Arbeit ist so vielseitig und vielschichtig, da gibt es kaum Routine. Das fasziniert mich an diesem Beruf.» Er gebe sich Mühe, immer wieder bei den einzelnen Filialen vorbeizuschauen. So bleibe er am Puls des Geschehens.

Dabei hat er sich stets eine dem Valiant-Logo entsprechende lila Krawatte umgebunden. Allgemein fallen Valiant und deren Mitarbeiter durch ausgefallene Werbeaktionen auf. Perücken über Werkzeugkasten bis hin zum Iglu werden von der Bank als Werbemittel eingesetzt. Ziel sei es dabei, Kundennähe zu zeigen und zu leben. «Zudem braucht es auch immer etwas Humor. Das zeichnet uns Valiäntler aus», sagt er. Lila Badehosen für die Sommerferien hat die Valiant-Marketingabteilung zwar noch nicht im Angebot. Aber: «Was noch nicht ist, kann ja noch werden.»